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Zwischen Theorie und echtem Leben

Christian Wieschallas Berufung

Christian Wieschalla ist angehender SOS-Kinderdorfvater im SOS-Kinderdorf Düsseldorf und absolviert im Moment eine dreijährige praxisintegrierte Ausbildung zum Jugend- und Heimerzieher. Diese ist notwendig, um in diesem Beruf arbeiten zu dürfen. Zusammen mit der dort lebenden Kinderdorfmutter betreut er aktuell vier Kinder im Alter von vier, sechs, neun und zwölf Jahren.

Christian Wieschalla angehender SOS-Kinderdorfvater

Wo man ihn gerne antrifft? Am Herd, in der großen, offenen Küche beim Rösten einer großen Portion Bratkartoffeln. ,,Ich habe mal als Chefkoch für Jugendreisen gearbeitet - also koche ich natürlich auch sehr gerne für die Kinder. Und meistens schmeckt es ihnen auch", sagt er grinsend. Auf den ersten Blick ist in dem haus nahe der Grundschule alles wie in einer ganz normalen Familie: Im ersten Stock geht es gerade etwas lauter zu, während Christian Wieschalla unten gelassen mit Töpfen und Pfannen hantiert. Ein paar Spielsachen liegen herum, in der Ecke stehen zwei bunt gemusterte Schulranzen. Und doch ist die familiäre Idylle getrübt - denn hier leben Kinder, die in ihrem jungen Leben schon viel durchmachen mussten und deshalb eine ganz besondere Betreuung benötigen. „Jeder bringt ein anderes Päckchen mit - und die Rucksäcke, die unsere Kinder tragen müssen, sind größer als die in einer normalen Familie", sagt Wieschalla. „Doch wie sie damit umgehen, finde ich bewundernswert. Auch wir können viel von den Kindern lernen." Um Kinderdorfvater zu werden, fängt der 40-Jährige nochmal ganz bewusst von vorne an. Denn dass ihn sein Job als Diplom-Ingenieur der Lebensmitteltechnologie nicht erfüllte, wurde ihm vor allem in den letzten Jahren klar: „Ich habe mit der Zeit immer deutlicher gemerkt, dass mir etwas fehlt. Ich wollte so gerne mit Kindern arbeiten, doch eine normale Ausbildung zu machen kam für mich aufgrund der finanziellen Belastung nicht in Frage. Als ich dann auf das Angebot von SOS-Kinderdorf gestoßen bin, war ich sofort begeistert." Trotz seines Quereinstiegs bringt der gebürtige Kölner jede Menge Erfahrung in der Arbeit mit Kindern mit: Nach seinem Abitur begleitete er jahrelang Kinder- und Jugendfreizeiten, leitete diverse Sportgruppen. Zudem ist er auch selbst Vater und weiß deswegen nur zu gut, was es bedeutet, für eine Familie verantwortlich zu sein. „Auch hier gibt es Höhen und Tiefen. Denn natürlich muss man sich erst mal zusammenraufen", sagt Wieschalla.

Zwischen Theorie und echtem Leben

Christian Wieschalla will SOS-Kinderdorfvater werden. Für ihn mehr eine Berufung als ein Beruf.

Christian Wieschalla will SOS-Kinderdorfvater werden. Für ihn mehr eine Berufung als ein Beruf.

Belastbarkeit, Durchhaltevermögen, Empathie: „Als Kinderdorfmutter oder -vater muss man eine ganze Menge mitbringen", erklärt Doris Friedrichs vom Referat Personalservice bei SOS-Kinderdorf. „Somit ist es keineswegs einfach, immer geeignete Bewerberinnen und Bewerber zu finden. Dazu kommt, dass der pädagogische Bereich frauendominiert ist - das merken auch wir ganz deutlich: In unseren 99 Kinderdorffamilien arbeiten nur drei Männer." Als pädagogische Fachkräfte begleiten und fördern SOS-Kinderdorfmütter und SOS-Kinderdorfväter die Entwicklungsprozesse der Kinder und Jugendlichen und sind auch an der Zusammenarbeit mit den Jugendämtern beteiligt. Sie leben in der Kinderdorffamilie und arbeiten mit ein bis zwei Kolleginnen und Kollegen zusammen, die wiederum an fünf Tagen pro Woche anwesend sind, jedoch außerhalb der SOS-Kinderdorffamilie wohnen. Das Team wird durch einen Fachdienst begleitet, der Beratung, Unterstützung und Reflexionsgespräche zum pädagogischen Vorgehen anbietet. Alle fachlichen Grundlagen für den Beruf vermittelt dabei die praxisintegrierte Ausbildung bei SOS-Kinderdorf, die aus einem berufspraktischen und einem fachtheoretischen Teil besteht. Letzterer erfolgt an einer Fachschule für Sozialwesen. „Wir haben mehrere Lernfelder. Ein großes Thema ist die Eigenreflexion. Dabei lernt man zu beobachten und mit Kritik umzugehen - das hilft mir in vielen Situationen sehr", sagt Wieschalla. Daneben stehen unter anderem auch die verschiedenen Erziehungsstile, der Umgang mit Eltern, Sportstunden und Musikpädagogik auf dem Lehrplan - alles Unterrichtseinheiten, die die angehenden Erzieher und Erzieherinnen auf den Alltag als Kinderdorfmutter oder -vater vorbereiten.

Das Vertrauen muss sich aufbauen

Kocht gerne: Christian Wieschalle ist angehender SOS-Kinderdorfvater

Der Speiseplan für diese Woche steht: Christian Wieschalla ist angehender SOS-Kinderdorfvater

Um 13 Uhr wird in der Düsseldorfer Kinderdorffamilie zusammen zu Mittag gegessen - die Bratkartoffeln mit Frikadellen sind ruckzuck verputzt. Danach machen die Kinder am großen Esszimmertisch ihre Hausaufgaben. Im Anschluss steht immer eine Pause zum Entspannen und Spielen auf dem Programm, bevor Termine, wie beispielsweise der begleitete Umgang, stattfinden. Heute treffen zwei der vier Kinder ihre leiblichen Eltern im Beisein einer SOS­-Mitarbeiterin. Und auch die gemeinsame Zeit in der Kinderdorffamilie wird großgeschrieben:  „Wir unternehmen ganz viele Sachen zusammen", erzählt Wieschalla. „In den Ferien waren wir oft im Freizeit- oder Trampolinpark. Oder wir gehen inlineskaten, Fahrrad fahren oder auf den Abenteuerspielplatz.langweilig wird es mit den Kids bestimmt nicht." Und auch wenn es hier oft drunter und drüber geht - Christian Wieschalla fühlt sich angekommen in „seiner" Kinderdorffamilie. „Denn eins weiß er ganz sicher: Mein jetziger Beruf ist definitiv meine Berufung."


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Personalservice
Frau Sabine Tulach
SOS-Kinderdorf e.V.
Renatastraße 77
80639 München
Tel: 089/12606-315
E-Mail: kdm@sos-kinderdorf.de