WM 2018 – Eine Leidenschaft, die vereint

Wenn Jung und Alt farbige Trikots tragen, sich öffentliche Plätze in Public Viewing Veranstaltungen verwandeln und Jubelschreie zu hören sind, hat das Fußballfieber die Welt erfasst. Auch die weltweiten SOS-Kinderdörfer warten voller Spannung auf die kommenden Wochen. Nicht erst seit der Weltmeisterschaft schafft der Ballsport für die SOS-Kinderdorfkinder ein Gemeinschaftsgefühl, gibt ihnen Halt und stärkt ihr Selbstvertrauen. Wie wird die Liebe zum Fußball in Ländern wie Togo, Honduras oder Senegal gelebt?

Das große Spiel in Togo

Ein Dienstag im März war für Emile* nicht ein Tag wie jeder andere. An dem Morgen erwachte der 13-Jährige voller Vorfreude: Heute würde das Freundschaftsspiel zwischen dem SOS-Kinderdorf Kara und der Gemeinde Tomdè in Togo stattfinden. Für Stimmung sorgten SOS-Familien, Kinder und junge Erwachsene aus der Nachbarschaft, die beide Teams anfeuerten. Das Besondere an diesem Freundschaftsspiel: Jungen und Mädchen traten gemeinsam gegeneinander an. Professionelle Fußball-Coaches trainierten die Kinder im Vorfeld das ganze Jahr hindurch.

Das Freundschaftsspiel ist Teil eines groß angelegten Projektes in dem westafrikanischen Land Togo, das zwischen Benin und Ghana liegt. Die SOS-Kinderdörfer in Togo starteten mit dem Projekt „2 Fußballplätze für Togo“, das durch eine Partnerschaft mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert wird. Mit dem Projekt verfolgt SOS-Kinderdorf das Ziel, Teil der Gemeinde zu sein.

Emile und seine Mitspieler gaben bei dem Spiel alles. Doch trotz fünf Torchancen für das SOS-Kinderdorfteam endete das Spiel dieses Mal mit 0:0.

Das große Spiel von Togo – Impressionen

SOS-Kinderdorfmütter im Fußballfieber

Die beiden SOS-Kinderdorfmütter Sandra und Palerma aus Tela in Honduras teilen neben ihrem Beruf eine weitere Leidenschaft: Beide sind begeisterte Fußball-Fans.

Sandra und drei Jungen aus der Nachbarschaft beim Fußballgucken des Halbfinales der UEFA Champions League Bild vergrößern
Während des Halbfinal-Spiels der UEFA Champions League lud Sandra alle Jungen aus der Nachbarschaft zur Live-Übertragung zu sich nach Hause ein. Während der Halbzeit trafen sie sich für ein gemeinsames Mittagessen bei Palerma. Damit die beiden Kinderdorfmütter während der Weltmeisterschaft allen Spielen folgen können, haben sie keine finanziellen Mühen gespart und ihren TV-Satelliten-Vertrag erweitert.
Sportbegeisterten Mütter aus Tela in Hondura Bild vergrößern
Die sportbegeisterten Mütter organisieren regelmäßig Fußballspiele am Nachmittag oder Wochenende für ihre Kinder. „Wenn ich auf das Spielfeld gehe und kräftig pfeife, dauert es nicht lange bis alle Kinder nach draußen kommen, um mitzuspielen“, erklärt Palerma lachend. Mit dabei sind oft auch SOS-Psychologen, Sozialarbeiter und die Einrichtungsleitung. Dieses Jahr zum 1. Mai organsierte das SOS-Kinderdorf ein Spiel zwischen den SOS-Mitarbeitern und Kinderdorfmüttern. Jedes dieser Spiele ist eine besondere Veranstaltung im Dorf. Nach dem Spiel gab die Einrichtungsleiterin Getränke und Snacks aus – so wie es in Honduras Tradition ist.

Mädchen und Mütter beim Fußballspielen in Tela Bild vergrößern

Fußball nahm schon immer einen wichtigen Platz im SOS-Kinderdorf in Tela ein. 2016 hat das SOS-Team eine Fußball-Akademie für die Kinder ins Leben gerufen. Zwei Mal pro Woche trainierten die Kinder für zwei bis drei Stunden mit einem spezialisierten Coach. „Die psychischen und mentalen Veränderungen durch Fußball sind außergewöhnlich“, erklärt Carolina Matute, Einrichtungsleiterin in Tela. „Die Kinder waren disziplinierter, sehr engagiert und ihr Charakter und Verhalten veränderte sich positiv.“

Die Akademie endete dieses Jahr, da das Programm nur auf zwei Jahre ausgelegt war. Einrichtungsleiterin Carolina Matute ist von den Vorteilen überzeugt und hat es sich zum Ziel gesetzt die Akademie zurück nach Tela zu holen und Spenden für das Projekt einzunehmen.

Caesar – der Torschütze

Durch eine Fußfehlbildung hat sich Caesar* eine lange Zeit nicht zugetraut Sport zu treiben – aus Angst von anderen verspottet zu werden. Seine SOS-Familie ermutigte ihn stets, so dass er es schaffte seine Angst zu überwinden. Heute ist Caesar Torschütze in einem lokalen Fußballverein.

Torschütze aus dem SOS-Kinderdorf Dakar in Senegal hält Fußball in der Hand Bild vergrößern

Im SOS-Kinderdorf Dakar in Senegal weiß jeder wie sehr Caesar Fußball liebt. Seine Freude über die Qualifikation von Senegal für die Weltmeisterschaft in Russland kennt kaum Grenzen: „Ich wünsche meinem Land, dass sie ins Finale einziehen, Brasilien schlagen werden und sich den Pokal von Neymar holen“, sagt der 10jährige und bezieht sich auf den bekannten brasilianischen Fußballspieler. Er glaubt fest an sein Team: „Senegal hat gute Spieler, beispielsweise Keita Baldé, der Stürmer für Monaco ist, und Sadio Mané, der für Liverpool spielt und im Champions League Finale ein Tor geschossen hat“, erklärt Caesar.

Sechs Jungen aus dem SOS-Kinderdorf Dakar in Senegal spielen Fußball Bild vergrößern

In früheren Tagen war Caesar weniger enthusiastisch gegenüber Fußball eingestellt. Als Kleinkind kam er 2011 in das SOS-Kinderdorf und lernte Fußball durch seine älteren Geschwistern kennen. Er hinkte und weigerte sich daher mit seinen Geschwistern an Fußballspielen teilzunehmen. Er hatte stets die Angst zur „Lachnummer“ zu werden. Die UEFA Champions League Spiele verfolgte er jedoch leidenschaftlich im Fernsehen.

Sieben Jungen aus dem SOS-Kinderdorf Dakar in Senegal beim Fußballspielen Bild vergrößern

Seine SOS-Kinderdorfmutter und seine Geschwister ermutigten ihn als Torschütze im SOS-Team zu spielen. Er nimmt jedes Spiel sehr ernst und bereitet sich mental und strategisch wie ein Profi vor. Die Kinder am Spielfeldrand feuern Caesar an, denn sie wissen, er gibt alles, um den Ball zu halten. Dank einer guten medizinischen Behandlung, regelmäßigen Untersuchungen und der Unterstützung durch seine SOS-Mutter nahm er die Vorteile des Sports wahr. „Ich sehe meine Fußbehinderung nicht mehr als Schwäche“, erklärt er. Fußball habe ihn Lebensweisheiten gelehrt. „Im Fußball kann man nicht immer gewinnen und man muss auch Niederlagen akzeptieren.“

*Der Name wurde zum Schutz der betroffenen Person geändert.

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