Wenn von den Eltern nur ein Foto bleibt

Die drei Geschwister mit ihrer SOS-Kinderdorfmutter Tagreed Darweesh

Bereits jetzt ein tolles Team: Die drei Geschwister mit ihrer SOS-Kinderdorfmutter Tagreed Darweesh

Drei Geschwister bekommen ein neues Zuhause im SOS-Kinderdorf

Die Schwestern Sham (11) und Nour (9) und ihr siebenjähriger Bruder Muhanad kommen aus Daraja südlich von Damaskus. Wer sich heute in der ehemaligen Rebellenhochburg und vom Krieg verwüsteten Gegend umschaut, kann erahnen, was die drei Kinder durchgemacht haben. Zuerst mussten sie mit ansehen, wie ein Nachbar mit einer Kugel im Bauch starb.

Dass SOS-Kinderdorf auf die Geschwister aufmerksam wurde, hat ihnen das Leben gerettet

Im Speisesaal des ICC bekamen damals die Kinder eine warme Mahlzeit. Bild vergrößern

Im Speisesaal des ICC bekamen damals die Kinder eine warme Mahlzeit.

Dann kam das Ende der Familie: Die Mutter von Sham, Nour und Muhanad starb ebenfalls durch Schüsse. Der Vater war schon lange schwer krank und konnte sich nicht um die drei kümmern. Auch als man sie auf Familien in der Verwandtschaft verteilte, war der Albtraum nicht vorbei. Es kam zu Misshandlungen, noch heute kann man die Spuren sehen. Dass SOS-Kinderdorf auf die Geschwister aufmerksam wurde, hat ihnen das Leben gerettet.

Bis Sie im neuen SOS-Kinderdorf Saboura ein dauerhaftes neues Zuhause fanden, wohnten Sham, Nour und Muhanad in einem SOS-Übergangsheim in Damaskus. Vom alten Leben waren ihnen nur zwei verblasste Fotos geblieben. Eines zeigt die Familie, als die Mutter noch lebte, ein zweites den Vater, der inzwischen so krank ist, dass er seine Kinder nicht einmal besuchen kann. Geblieben sind Erinnerungen, verbunden mit Schmerz und Trauer, aber auch mit dem Willen, in eines bessere Zukunft zu gehen. Die SOS-Mitarbeiter halfen ihnen dabei.

Endlich wieder eine feste Bezugsperson!

Tagreed nimmt Muhanad in den Arm, wann immer er es braucht. Bild vergrößern

Tagreed nimmt Muhanad in den Arm, wann immer er es braucht.

Der Arzt Bassam hatte immer ein offenes Ohr und ist ein ruhender Pol, der Psychologe Wassim sprach mit den Kindern über ihre inneren Schreckensbilder, ihre Ängste und Hoffnungen. Die Lehrerin Fadwa sorgte dafür, dass gute Schulleistungen ihnen wieder Mut und Selbstvertrauen geben. Und dann war da noch Tagreed. Sie war damals die Betreuerin der drei und ist heute ihre feste SOS-Kinderdorf-Mutter.

Tagreed ist immer da. Zum Festhalten, zum Ausweinen, zum Lachen, zum Lernen und zu allem, was die Nähe eines Menschen nur ausmachen kann. Muhanad lässt sich von ihr die Haare bürsten, dann schmiegt er sich an sie. Das Bedürfnis des Jungen und seiner Schwestern nach Nähe ist groß. Tagreed gibt den Geschwistern auch inmitten der vielen anderen das Gefühl: Ich bin ganz für Euch da.

Auch zur Schule können die drei Geschwister wieder gehen

Im SOS-Kinderdorf haben Sham, Nour und Muhanad nun wieder einen geregelten Tagesablauf, der Halt und Orientierung gibt: Frühstück, Zimmer aufräumen, Unterricht, Bastelstunden und Freizeitaktivitäten wie kleine Ausflüge. Die Kinder gehen in die sechste, fünfte und dritte Klasse – sie kommen gut mit. Dass sie in ihren Klassen neue Freunde gefunden haben, gibt ihnen Kraft.  Auf die Frage, warum die Menschen in Syrien seit sieben Jahren aufeinander schießen, haben die Kinder jedoch auch in ihrem neuen Zuhause keine vernünftige Antwort finden – es gibt sie nicht.