Halimo und ihre Kinder: Flüchtlinge im eigenen Land

Sind dringend auf Hilfe von SOS-Kinderdorf angewiesen: Halimo und ihre Kinder

Sind dringend auf Hilfe von SOS-Kinderdorf angewiesen: Halimo und ihre Kinder

Ihre letzte Ziege verkaufte Halimo für 10 Dollar auf dem Markt von Hargeisa, einer Stadt im Norden von Somalia. Die restlichen Ziegen, Schafe und Kamele, die die Familie besaß, sind der Dürre zum Opfer gefallen, die seit vier Jahren in der Region herrscht.

Auch Halimos Tochter Cana wird durch das SOs-hilfsprogramm unterstützt Bild vergrößern

Auch Halimos Tochter Cana wird durch das SOs-hilfsprogramm unterstützt

„Als unser Tierbestand von der Dürre hinweggerafft wurde, haben wir beschlossen in die Stadt zu ziehen, um dort Arbeit zu finden“, erzählt Halimo Dahir. Im Moment leben Halimo, ihr Ehemann und ihre sechs Kinder, die im Alter zwischen zwei und 14 Jahre sind, in einem Schuppen am Stadtrand von Hargeisa. Lediglich eine Matratze findet Platz in der Behausung, der einzige Schutz vor der Außenwelt sind ausgediente Reis- und Zuckersäcke. Die Luft im Inneren ist stickig und staubig, was besonders der zweijährigen Aisha zu schaffen macht.

Vor der Dürre lebte die Familie in einer selbstgebauten Hütte nahe der äthiopischen Grenze und konnte sich selbstversorgen. Die nun schon Jahre andauernde Trockenheit hat nach und nach die Tierherde dezimiert, bis schließlich nur eine Ziege übrigblieb und die Familie weder Milch noch Fleisch zum Überleben hatte. „Ich vermisse mein zu Hause“, sagt Halimo. „Wir hatten unsere eigene Hütte und genügend Platz. Der Schuppen, in dem wir jetzt leben, ist nur übergangsweise. Wir wissen nicht genau wie lange wir bleiben können.“ Halimos Mann hat zwar Arbeit in Hargeisa gefunden, aber die 50 Dollar im Monat reichen nicht aus, die achtköpfige Familie zu ernähren.

Hilfe durch die SOS-Kinderdorf Nothilfeprogramm

In dieser kleinen Baracke leben Halimo und ihre Familie Bild vergrößern

In dieser kleinen Baracke leben Halimo und ihre Familie

Geschätzt 3,5 Millionen Menschen sind im Norden Somalias von der Dürre betroffen. Über die Hälfte haben ihre Nutztiere verloren und mussten, ihrer Lebensgrundlage beraubt, die Heimat verlassen. Viele Menschen sind in die Städte geflüchtet, um nach Arbeit zu suchen. Diejenigen, deren Tiere überlebt haben, sahen sich gezwungen diese zu verkaufen, um nicht zu verhungern oder zu verdursten. Viele sind auf internationale Hilfe angewiesen.Seit über einem Jahr schon lebt Halimo mit ihrer Familie in dem beengten Schuppen. Die Tage erscheinen endlos und eintönig. Halimo hofft, ihre Gebete für ein besseres Leben – vor allem für ihre Kinder – gehen bald in Erfüllung. Hilfe bekommt die Familie durch das Nothilfeprogramm von SOS-Kinderdorf, um sich mit Lebensmitteln zu versorgen. „Vor der Unterstützung durch SOS-Kinderdorf hatten wir fast nichts zu essen, manchmal reichte es nicht einmal für eine tägliche Mahlzeit“, erinnert sich Halimo.

Zahlen, Daten, Fakten

  • In der Region im Norden des Landes leben geschätzt 3,5 Millionen Menschen. 91 von 1000 Kinder sterben vor ihrem sechsten Lebensjahr (im Vergleich Afrika gesamt 76,5 von 1000)
  • 75 Prozent der Menschen im arbeitsfähigem Alter sind arbeitslos
  • Mehr als jedes zehnte Kind in der Region hat einen oder beide Elternteile. In Hargeisa, der mit einer Million Einwohnern größten Stadt der Region, leben geschätzt 3000 Kinder auf der Straße.
  • Die SOS-Kinderdorfnothilfe startete Mitte 2017, um die Bevölkerung aufgrund der langanhaltenden Dürre mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Rund 900 Haushalte in den Bezirken um Hargeisa, Gabilay, Sheikh und Berbera erhalten seither regelmäßig Lebensmittel-Gutscheine
  • SOS-Kinderdorf bietet medizinische Untersuchungen für Kinder unter fünf Jahre sowie für stillende Mütter an und startete eine Ernährungskampagne sowie Hygieneaufklärung für betroffene Familien.

Die Mitarbeiter der medizinischen Zentren sind alarmiert: immer mehr Kinder leiden

Die Kosten für hochkalorische Lebensmittel belasten die Budgets der SOS-Familien und der SOS-Kinderdorf-Programme. Das SOS-medizinische Zentrum in Baidoa schafft es kaum noch, die stetig steigende Zahl an kranken und unterernährten Kindern zu versorgen. Die UN-Gesundheitsbehörde äußerte sich besorgt über eine mögliche Cholera-Epidemie, der potentiell tödlichen Durchfallerkrankung, die durch verunreinigtes Wasser ausgelöst wird.

Im Interview: Ahmed Mohamed, Geschäftsführer von SOS-Kinderdorf Somalia/Somaliland

Wie sehr sind die SOS-Kinderdörfer von der Dürre betroffen?
"Die Dürre hat große Auswirkungen auf unsere SOS-Programme in Somalia: Besonders in Baidoa, hier ist die gesamte Region betroffen. In vielen Dörfern sind die Brunnen vertrocknet, die Menschen haben ihre Farmen verlassen und die Preise für Lebensmittel und Güter des täglichen Bedarfs sind stark gestiegen. Viele der Familien, die in unserem Familienstärkungsprogramm betreut werden, sehen sich aufgrund der Lebensmittel- und Trinkwasserknappheit gezwungen, in andere Gegenden zu ziehen. Auch das Vieh stirbt: der Verlust an Vieh zieht große Einkommensverluste der Familien nach sich.

Seit Anfang 2017 ist die Anzahl der kranken und unterernährten Kinder in den SOS-Gesundheits- und Ernährungszentren enorm angestiegen. Kann SOS-Kinderdorf helfen?

Besonders die Anzahl von Kindern unter fünf Jahren steigt immer stärker. Cholera, Unterernährung, Masern und akute Atemwegserkrankungen sind die größten Risiken. Der Mangel an sauberem Wasser hat die Lage zusätzlich verschärft. Uns wurde auch von einem gehäuften Auftreten von Hautausschlägen und ansteckenden Krankheiten berichtet. Unser Personal ist durch die gestiegenen Patientenzahlen momentan stark überlastet. Bisher gab es in den SOS-Familienstärkungsprogrammen 120 Fälle von Cholera. Dreizehn Menschen sind bereits an der Krankheit gestorben."

Was unternimmt SOS-Kinderdorf gegen die Lebensmittel- und Wasserknappheit?
"Wir haben ein Nothilfeteam zusammengestellt, um die Bedürfnisse des medizinischen Zentrums sowie der anderen SOS-Programme zu evaluieren und entsprechend auf die Bedürfnislage zu reagieren. In Folge der Dürre steigt die Zahl der Menschen, die vor dem Hunger fliehen. Die Nothilfelager in den Vororten von Mogadischu und Baidoa werden immer größer und sind vollkommen überlastet. Dürre und Mangelernährung zusammen mit schlechten wirtschaftlichen Bedingungen wirken sich gravierend auf die Jugendarbeitslosigkeit aus und gefährdet die Vergabe von Mikrokrediten für Familien. SOS-Kinderdorf wird auch weiterhin sowohl kurz- als auch langfristige Hilfsmaßnahmen durchführen, um den Familien zu ermöglichen in Zukunft auf eigenen Beinen zu stehen."

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