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Durchführung

Die Erhebungswellen der SOS-Längsschnittstudie

Im Zweijahresrhythmus führen wir Fragebogenerhebungen mit stationär Betreuten ab zwölf Jahren, mit den für sie zuständigen Fachkräften sowie mit Care-Leavern durch. In den dazwischen liegenden Jahren finden qualitative Interviews mit je einer Teilstichprobe statt. 
Grafik Erhebungswellen_aktualisiert_2024

Quantitative Erhebungen

Bereits in der Vorgängerstudie „Verwirklichungschance SOS-Kinderdorf“ (2011–2013) wurden Jugendliche ab zwölf Jahren sowie ihre Bezugsfachkräfte in SOS-Einrichtungen befragt. Die erste Erhebungswelle der SOS-Längsschnittstudie startete 2014: im Frühjahr mit Fragebogenerhebungen in den Kinderdörfern und im Herbst mit der Befragung von Care-Leavern. Weitere Erhebungen folgten in den Jahren 2016, 2018, 2020 und 2022.  
Bei den Betreuten in den Einrichtungen wurde ein Rücklauf von 55% bis 86% erreicht; bei den Care-Leaver-Befragungen lag dieser zwischen 22% und 36% (siehe Abbildung). 
Grafik Fragebogenerhebung_aktualisiert_2024

Qualitative Interviews

In den Jahren 2015, 2017, 2019, 2021 und 2023 fanden die qualitativen Interviews statt. Die Gespräche mit Betreuten und Fachkräften wurden in den jeweiligen Einrichtungen geführt. Mit den Care-Leavern trafen wir uns – je nach Vorliebe und teilweise auf Vorschlag der Befragten – im ehemaligen Kinderdorf, an einem neutralen Ort (z.B. Café) oder bei den jungen Menschen zu Hause. Einige Gespräche führten wir telefonisch oder per Videotelefonie. Sämtliche Interviews dauerten etwa eine bis eineinhalb Stunden. 
Für die Gespräche mit den Betreuten gab es je nach Welle unterschiedliche Auswahlkriterien:
  • In der Erhebungswelle 2015 wurden hauptsächlich Jugendliche interviewt, von denen bereits qualitative und/oder quantitative Daten vorlagen und bei denen Veränderungen in der Handlungsbefähigung erkennbar waren. Nachrangige Auswahlkriterien waren Alter und Geschlecht der Betreuten.
  • In der Erhebungswelle 2017 führten wir Gespräche mit 30 Jugendlichen und 30 Fachkräften – bevorzugt aus Einrichtungen, die noch an keiner qualitativen Erhebung teilgenommen hatten. Bei den Fragen kam als neuer Schwerpunkt das Thema „Bildung“ hinzu.
  • Bei der Auswahl der Interviewten für die Erhebungswellen 2019, 2021 und 2023 spielte neben dem Alter und Geschlecht vor allem die bisherige Teilnahme an qualitativen oder quantitativen Befragung eine Rolle. 2019 wurden besonders Jugendliche berücksichtigt, bei denen zusätzlich die Möglichkeit bestand, auch einen Elternteil zu interviewen. 
Bei den Gesprächen mit den Care-Leavern gab es ebenfalls Unterschiede in den Teilstichproben:
  • Im Jahr 2015 führten wir leitfadengestützte Interviews mit zwölf jungen Erwachsenen, die bereits aus einer SOS-Einrichtung ausgezogen waren. Zentrales Auswahlkriterium waren die Handlungsbefähigungswerte aus der Fragebogenerhebung: Im Sample finden sich Ehemalige mit hoher, mittlerer und niedriger Handlungsbefähigung. Bei drei Interviewten zeigen die Werte eine relativ starke Dynamik.
  • In der Erhebungswelle 2017 fanden insgesamt 19 Interviews mit Care-Leavern statt. Ein Teil der Gesprächspartner (n=11) waren „langjährig Ehemalige“, deren Auszug aus der SOS-Einrichtung mehr als zehn Jahre zurücklag und die bereits mit größerem zeitlichen Abstand auf ihren Aufenthalt im Kinderdorf blicken konnten. Da sie – anders als die anderen Care-Leaver – nicht schon während ihrer Betreuung befragt worden waren, wurden diese Interviews gesondert ausgewertet. Weitere acht Interviews führten wir mit Personen, die erst vor wenigen Jahren aus der Einrichtung ausgezogen waren. Schwerpunkt dieser Gespräche war die Frage, wie die jungen Erwachsenen während der Heimunterbringung auf das selbstständige Leben vorbereitet wurden.
  • In der dritten Welle 2019 interviewten wir zwölf junge Care-Leaver im Alter von 17 bis 25 Jahren. Inhaltlich lag der Fokus noch stärker als in den vorhergehenden Wellen auf dem Auszugserleben und dem Übergang von der Heimerziehung in die Eigenständigkeit.
  • Im Jahr 2021 versuchten wir insbesondere junge Menschen zu erreichen, die seit ihrem Auszug einen eher schwierigen Weg in die Eigenständigkeit durchlaufen haben. Zudem haben wir begonnen, einen qualitativen Längsschnitt aufzubauen und bereits interviewte Personen erneut zu befragen. Wir führten in dieser Welle neun Interviews, die vor allem eher schwierige Verläufe hatten und drei Interviews mit Personen, die bereits in den Jahren zuvor schon einmal interviewt wurden. Die Befragten waren zum Zeitpunkt des Interviews zwischen 19 und 27 Jahren alt.
  • Die Erhebungswelle 2023 fokussierte den begonnenen qualitativen Längsschnitt. Neben der aktuellen Lebenssituation wollten wir in der erneuten Befragung der Care-Leaver vor allem ihre Biografie als Ganzes verstehen. Wir führten in dieser Welle insgesamt acht Interviews, mit sieben Personen ein zweites Interview, eine Person wurde sogar schon zum dritten Mal befragt. Die Interviewpartner*innen waren zum Zeitpunkt der Befragung zwischen 23 und 31 Jahren.
© Headerbild: Pat Peroni