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Aktuelles

Wie wird in Corona-Zeiten im MüZe Salzgitter gearbeitet?

23. April 2020

Unser Haus ist seit einigen Wochen für den Publikumsverkehr geschlossen. Viele Kolleg*innen arbeiten im Home Office und einige arbeiten hier vor Ort. Unsere Angebote mussten wir den veränderten Rahmenbedingungen anpassen. Aber wir sind weiterhin für die Kinder, ihre Eltern und auch die alten Menschen aus unserem Stadtteil da und kümmern uns um ihre Bedürfnisse. Mit viel kreativem Potenzial sind all unsere Mitarbeiter*innen dabei sehr flexibel und spontan.

Hier wird nonstop Stoff zu geschnitten.

Hier wird nonstop Stoff zu geschnitten.

Unsere Caféstube ist zur Nähstube geworden – Da wo sonst unsere Besucher*innen sitzen, liegen nun Stoffberge, klappern die Scheren und rattern die Nähmaschinen von morgens bis abends.

Der offene Bereich, d.h. die Gastgeberinnen aus der Caféstube und die Mitarbeiterinnen aus dem offenen Kinder-und Jugendbereich führen täglich Telefongespräche mit den Kindern, ihren Eltern und den Menschen, die sonst unser Haus besuchen und nun zu Hause zum Teil mit ihren Ängsten und Sorgen alleine sind. Diese sind total erfreut, dass jemand an sie denkt und nachfragt, wie es ihnen so geht. Als neues Angebot wurde der Einkaufsservice ins Leben gerufen, d.h. wer nicht selber einkaufen gehen will oder kann, kann per Telefon seinen Einkaufszettel durchgeben und bekommt den Einkauf nach Hause vor die Tür geliefert.

Der Bereich Öffentlichkeitsarbeit versorgt die Kinder und Familien täglich online über unsere Facebookseite mit interessanten Tipps und Beschäftigungsvorschlägen für zu Hause.

In der KiTa wird dafür fast täglich ein Video, wie z.B. ein Wohnzimmer-Kaspertheater-Stück oder eine Bastelanleitung gedreht. Die anderen Mitarbeiterinnen schreiben und telefonieren mit den Familien, schicken ihnen kleine Spiel- und Bastelpakete zu oder arbeiten an Konzepten.

Die Küche und der Fahrdienst vom Team Essen außer Haus haben seit der Schließung fast doppelt so viel Kundschaft wie vor Coronazeiten. Viele ältere Menschen, die sonst täglich zum Essen zu uns ins Haus gekommen sind oder von uns dazu abgeholt wurden, nehmen nun unseren Lieferservice in Anspruch und sind froh darüber, dass sie trotz aller veränderten Umstände jeden Tag ein leckeres Mittagessen bekommen.

Die Altentagesbetreuung sucht per Telefon den Kontakt zu den alten Menschen, die sonst hier bei uns den Tag verbringen. Dabei entstehen viel intensivere Gespräche als sonst hier vor Ort. „Da man nicht in der großen Gruppe ist und andere zuhören, bekommen wir ganz andere Geschichten zu hören.“, sagt Iris Köhler. Ansonsten nutzen sie die Zeit für die Dokumentation.

Ein offenes Ohr und ein paar aufmunternde Worte am Telefon.

Ein offenes Ohr und ein paar aufmunternde Worte am Telefon.

Der Bereich Berufsorientierte Angebote hat den Geschäftsbetrieb umgestellt. Die Kolleginnen betreuen unsere Teilnehmer*innen telefonisch und online. Sie verschicken Aufgaben (Sprachübungen, Mathe, Deutsch, Selbstreflexion), die sie von zu Hause aus erledigen können. Eine Mitarbeiterin führt z.B. im Rahmen des Integrations-coachings ein Telefontraining durch und führt Bewerbungsgespräche über das Telefon. Die Teilnehmer*innen freuen sich sehr darüber, dass wir den Kontakt halten, dass sie in dieser unsicheren Zeit, in der auch viele Ängste bestehen, bekannte Ansprechpartnerinnen haben und  zum Teil freuen sie sich auch über die Aufgaben und darüber, etwas zu tun zu haben.

Die Mitarbeiter*innen der Flexiblen Hilfen betreuen ihre Familien vor Ort und auf Distanz. Das heißt ein Gespräch wird im Treppenhaus geführt oder es geht auf einen Spaziergang an die frische Luft.

Das Team der Verwaltung hält den Laden am Laufen, egal ob im Home Office oder im MüZe, nur weil wir kein Publikum haben, ist nicht weniger, sondern eher mehr zu tun.

Rettungsschirme müssen beantragt und natürlich auch wieder aufwendig abgerechnet werden.

Unsere Hausmeisterei hat für später geplante Reparatur- und Umbaumaßnahmen vorgezogen und nutzt so die Zeit, in der die Räume leer stehen.

Die Kolleginnen aus der Hauswirtschaft machen Frühjahrsputz und das so richtig gründlich und überall.

Das HERTA-Team kümmert sich auch weiterhin um die Menschen in der Siedlung. Susanne Löchner berichtet: Wenn ich durch das Viertel mit den Frauennamen gehe, dann spreche ich mit den Menschen an den Fenstern. Mit der Mutter von drei Kindern, die schnell mal am Fenster eine Pause macht, während die Kinder Bilder für Oma und Opa malen. Die freuen sich bestimmt über diese Post. Die alte Dame, die sich darüber freut, wie sehr mir ihr kleiner Vorgarten gefällt . Dann ist da noch das kleine Mädchen, welches wie eine wildgewordene Hummel loslegt, weil sie bis zur Ecke und zurück laufen darf. Es kommen Fragen, wie: Was darf ich, was darf ich nicht?

Und natürlich ist niemand mit der Situation glücklich. Manche fühlen sich einsam und sind schon froh, dass mal jemand vorbei kommt und nachfragt wie es so geht, und ob etwas gebraucht wird. Ja ich geh auch mal für jemand einkaufen, aber es ist ganz offensichtlich, dass viele Menschen im Viertel auf Distanz zusammenrücken. Denn auf  die Frage ob sie etwas brauchen bekomme ich sehr oft die Antwort: „Meine Nachbarn helfen mir.“