06. 08. 2018Quelle: Melanie Bänsch und Susanne Urban

Töpferunterricht für unsere AGH-Gruppen

Frauen sitzen am Tisch und töpfern.

Gemeinsam kreativ mit Ton.

Wie ein altbekanntes Erdprodukt neue Türen öffnet

Töpfern wirkt beinahe meditativ, es ist unglaublich entspannend und erdend. Man kann den Ton, ein wirklich vielseitiges Erdprodukt, fühlen und aus eigener Kraft etwas schaffen. Dazu braucht es kein großes Nachdenken und es existieren keine zwingenden Vorgaben, es darf einfach entstehen.

Mehrere Frauen sitzen am Tisch und töpfern gemeinsam. Bild vergrößern

Kreativität trifft Gedankenaustausch.

Seit Anfang des Jahres kommen die Teilnehmenden unserer beiden AGH-Gruppen im wöchentlichen Wechsel in den Genuss von Töpferunterricht. Dabei handelt es sich nicht um Unterricht im klassischen Sinne, sondern viel eher um eine entspannte Runde, die viel Raum für Experimente und offene Gespräche lässt.
AGH ist die Kurzform für Arbeitsgelegenheiten. Das SOS-Mütterzentrum bietet insgesamt Plätze für 22 Teilnehmende an, die durch das Jobcenter Salzgitter gefördert werden. In der ersten Maßnahme werden 12 Frauen mit einem aktuellen Migrationshintergrund sozialpädagogisch und sprachlich unterstützt. Der Schwerpunkt liegt auf der Integration in das soziale Umfeld und der Stärkung der psychosozialen Stabilität. Im Rahmen der zweiten AGH werden 10 Langzeitarbeitslose mit multiplen Eingliederungshemmnissen im SOS-Mütterzentrum zusätzlich beschäftigt und sozialpädagogisch begleitet. Ziel ist die Erhaltung oder Wiedererlangung ihrer Beschäftigungsfähigkeit.

So öffnet das Töpferprojekt durch die Konstellation aus einem altbekannten Erdprodukt, positiver Lebensenergie und sicherem Raum, den Teilnehmenden neue Türen zu sozialer Teilhabe, Integration und Stabilisierung.

Fraune sitzen am Tisch mit ihren Tonarbeiten Bild vergrößern

Arbeitsergebnisse werden stolz präsentiert.

Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Schnecken, Türschilder, Schalen, Gartenfiguren und vieles mehr entstehen während der mal mit lustigen, mal mit ernsteren Themen gefüllten Stunden im Töpferkeller. Die Verarbeitung von Ton ist eine zeitlose Handwerkskunst, die den Fortschritt und die Ideen in den selbstgefertigten Objekten dokumentiert. Ton gibt immer das zurück, was in ihn reingesteckt wird. Töpfern ist damit für unterschiedlichste Fähigkeitsstufen geeignet und so vielfältig, dass es niemals langweilig wird. Zu sehen, wie sich mit den verschiedenen Hilfsmitteln des Handwerks plastische Objekte aus dem Nichts formen lassen, hat etwas Schöpferisches an sich, das als guter Ausgleich zum Alltag dient.
Zwei Hände formen etwas aus Ton. Bild vergrößern

Neue Arbeitstechniken kennenlernen.

Die kulturelle Vielfalt der Teilnehmenden ist groß. Die Beziehungen zum kreativen Gestalten haben beispielsweise im arabischen Raum einen anderen Stellenwert als in unserer europäischen Kultur. Dort wird vorrangig in Kindergärten gebastelt und modelliert. Kreative Aktivitäten sind demnach reine Kindersache. Aus diesem Grund gab es bei einigen Teilnehmenden vor der ersten Einheit ein wenig Misstrauen, was die Sinnhaftigkeit des Töpferns angeht. Dieses verebbte jedoch schlagartig, sobald es mit der Tonarbeit losging. Sprachliche Hürden werden nach wie vor einfach mit Pantomimen überbrückt. Keiner bleibt zurück, jeder wird mit in das Töpferboot gezogen und auf die Reise genommen.