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Aktuelles

Wir starten ins 60. Jubiläumsjahr

7. Februar 2020

Fachtag zur Wirkungsforschung in der Jugendhilfe SOS-Kinderdorf Württemberg

Fachtag zur Wirkungsforschung in der Jugendhilfe

Fachtag zur Wirkungsforschung in der Jugendhilfe SOS-Kinderdorf Württemberg

Das SOS-Kinderdorf Württemberg startet mit einem Fachtag ins 60. Jubiläumsjahr.

Das SOS-Kinderdorf Württemberg feiert 2020 sein 60-jähriges Bestehen. In fachlicher Hinsicht startet das Jubiläumsjahr am 29. Januar mit einem hoch interessanten Fachtag. „Wodurch wird Jugendhilfe erfolgreich?“ Auf diese Frage gab es Antworten! Der Einladung zum Fachtag sind 80 pädagogische Fachkräfte aus Jugendämtern und freien Trägern der Jugendhilfe gefolgt. Mit großem Interesse lauschten die Anwesenden den Ausführungen der Praxisforscher und deren Empfehlungen, wie man junge Menschen am besten auf ein zufriedenes eigenständiges Leben vorbereiten kann.

SOS-Kinderdorf betreibt seit knapp zehn Jahren eine in der Fachwelt vielbeachtete Längsschnittstudie. Bei dieser werden alle jungen Menschen, die im SOS-Kinderdorf leben ab dem 12. Lebensjahr in einem Turnus von zwei Jahren befragt. Die Befragung wird auch nach dem Auszug aus dem SOS-Kinderdorf fortgeführt. Es werden Erkenntnisse zur Handlungsbefähigung von jungen Menschen gewonnen. Die Erkenntnisse aus der Befragung wurden am Fachtag von Frau Dr. Kristin Teuber (Sozialpädagogisches Institut – SPI) und Herr Dr. Florian Straus (Institut für Praxisforschung und Projektberatung – IPP) aus München vorgestellt.

Fachtag zur Wirkungsforschung in der Jugendhilfe SOS-Kinderdorf Württemberg

Frau Dr. Teuber und Herr Dr. Straus berichten aus dem Forschungsprojekt.

Zentrale Bedeutung kam am Fachtag dem Begriff „Handlungsbefähigung“ zu. „Handlungsbefähigung ist eine Art Manager, der immer und zu jeder Zeit darauf abzielt, flexible und situationsadäquate Bewältigungsstrategien auszuwählen“ erklärt Dr. Straus. Handlungsbefähigung ist also die Fähigkeit von Menschen insbesondere in ungewohnten, neuen, verunsichernden und emotionalen Situationen die richtigen Entscheidungen für sich zu treffen und Chancen zu nutzen. Hierbei stehen junge Menschen in der Jugendhilfe vor größeren Herausforderungen als junge Menschen, die eine unbelastete Kindheit und Jugend haben. Denn Zuversicht, Selbstvertrauen und Gelassenheit sind häufig nicht so stark ausgeprägt. Dies führt dazu, dass Kinder und Jugendliche, die in der stationären Jugendhilfe aufwachsen sich in herausfordernden Situationen eher vermeidend oder flüchtend verhalten, als dass sie optimistisch Herausforderungen annehmen. Insofern wunderte es die Zuhörer des Fachtages nicht, als Frau Dr. Teuber berichtet: „Jugendliche mit gut entwickelter Handlungsbefähigung werden als weniger belastet eingeschätzt (Selbst- wie Fremdeinschätzung) und kommen im späteren/eigenständigen Leben besser zurecht!“

Fachtag zur Wirkungsforschung in der Jugendhilfe SOS-Kinderdorf Württemberg

Herr Dr. Straus erklärt Handlungsbefähigung.

Eine besondere Herausforderung ist, dass junge Menschen aus der stationären Jugendhilfe in der Regel deutlich früher ausziehen als Jugendliche aus Elternhäusern ohne Jugendhilfeerfahrung. Häufig ziehen Jugendliche aus Jugendhilfemaßnahmen um das 18. Lebensjahr aus. Gesamtgesellschaftlich gesehen verlassen junge Volljährige in Deutschland im Schnitt mit 24/25 Jahren das Elternhaus. Junge Erwachsene aus der Jugendhilfe müssen also viel schneller und früher selbstständig leben und das in einer Phase, in der oft noch der Schul- oder Ausbildungsabschluss gemacht wird. Dies ist also in einer Phase, in der sie oft noch nicht wissen, wie ihre Zukunft aussehen wird. In Krisenzeiten fehlt die familiale Unterstützung und Hilfestellung.

Die ersten Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt zeigen auf, dass im Schnitt ein Drittel der Jugendlichen Unsicherheit und Ängste bezüglich ihres Auszuges erlebten. Sie fühlten sich nicht ausreichend vorbereitet oder haben diesen Übergang als sehr einschneidend erlebt. Zwei Drittel zeigen wenige bis kaum auftretende Schwierigkeiten bei ihrem Schritt in die Selbständigkeit. Damit kamen die Forscher auch schon zu ihrer ersten Empfehlung für die Fachkräfte: Zugehörigkeit und Geborgenheit bieten! Dies macht junge Menschen selbstbewusst und sie können optimistischer in unbekannte Situationen starten. Für den Fall eines Scheiterns wissen sie um ihren festen Anlaufpunkt in der Hinterhand, bei dem sie Unterstützung und Rückhalt bekommen können.

Die zweite Empfehlung der Forscher war, dass das Jugendhilfeende nicht an einem bestimmten Alter fest zu machen ist sondern am jeweiligen Entwicklungsstand. Dies kann beim einen früher sein, beim anderen eben später. Dass sich dies in gewissen gesetzlichen Grenzen bewegt, war den Anwesenden an dieser Stelle klar. Eine Wortmeldung in diesem Zusammenhang machte auch deutlich, dass Jugendhilfe nicht zum Selbstzweck da sein kann, sondern darauf abzielen muss, dass der junge Mensch mitwirkt.

Fachtag zur Wirkungsforschung in der Jugendhilfe SOS-Kinderdorf Württemberg

Herr Huttelmaier Leiter des SOS-Kinderdorf Württemberg bedankt sich bei den Forschern Dr. Straus und Dr. Teuber.

Die dritte Empfehlung der Forscher ist: Beteiligung und Mitbestimmung! Hierfür ist es natürlich nötig, dass bereits vor dem Auszug das „vollständig selbst verantwortlich sein“ erprobt werden kann. Wenn die Jugendlichen verstehen, welche Bedeutung und Auswirkung eine Entscheidung hat und wenn sie den Sinn einer Sache verstehen können, dann stellen sie sich auch Herausforderungen. Positiv bewältigte Herausforderungen wiederum stärken das Selbstbewusstsein und das Vertrauen in die Gestaltungsmöglichkeiten, die einem das Leben bietet.

An konkreten Lebensverläufen konnten die Forscher zeigen, was die jungen Menschen als hilfreich empfanden und was sie in ihrer Entwicklung stärkte. Aber auch, wie massiv sich Herausforderungen auswirken können. Nach einer spannenden Diskussion der Fachtagsteilnehmer mit den Forschern ergriff Herr Huttelmaier abschließend das Wort. Verbunden mit einer Einladung zum Tag der offenen Tür „Jubiläums Hocketse“ am Muttertag 10. Mai 2020 schloss der Leiter des SOS-Kinderdorfs Württemberg den Fachtag.

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