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Eine Familie wächst zusammen

8. Januar 2019

SOS-Kinderdorffamilie in Württemberg feiert Weihnachten

Für Kinderdorfmutter Caroline Fritz und ihre Schützlinge Dzenana (5), Tayfun (5) und Jana (12) ist das gemeinsame Weihnachtsbaum-Schmücken inzwischen zur Tradition geworden

Im SOS-Kinderdorf Württemberg finden Kinder ein zweites Zuhause, die aus verschiedensten Gründen nicht mehr bei ihren eigenen Familien leben können. Sie wohnen mit einer Kinderdorfmutter und bis zu fünf anderen Kindern zusammen, haben aber oft noch Kontakt mit ihren leiblichen Eltern. In der Weihnachtszeit entwickeln sie ihre eigenen Traditionen.

Als Caroline Fritz vor 16 Jahren eine Kinderdorf-Familie übernommen hat, hatte jedes der drei Kinder, die damals mit ihr zusammenwohnten, einen eigenen Adventskalender. Ihre Vorgängerin packte die Geschenke für den nächsten Tag abends in die Kalender, damit die Kinder sie nicht vorher schon auspacken konnten. Das hat Fritz schnell geändert und einen gemeinsamen Kalender für alle gebastelt. Als sie dann kurz darauf kleinere Kinder in ihre Familie aufgenommen hat, fing sie an, den Kalender aufzuhängen, damit die Kinder ihn nicht erreichen konnten. Ein paar Jahre später kamen dekorative Glocken hinzu. Der Kalender hängt heute noch, nur die Kinder sind inzwischen andere.

Die Traditionen der Familie haben sich nach und nach ergeben

„Unsere Rituale haben sich über die Jahre hinweg entwickelt“, sagt Caroline Fritz. „Am Anfang war es spannend, zu schauen, wie wir alles gemeinsam gestalten wollen.“ Die Kinder, die sie zurzeit betreut, sind zum größten Teil schon seit über sechs Jahren zusammen, Traditionen haben sich längst eingespielt. „Die Älteste macht jedes Jahr die Kerzen auf den Baum“, sagt Fritz. „Dann schmücken wir ihn gemeinsam.“ Und zwar mit einem bunten Sammelsurium aus selbst gemachten Anhängern und gekauftem Schmuck. Auch der Schmuck stammt aus einer gemeinsamen Tradition.

Geregelter Ablauf an Heiligabend

„Wir gehen jedes Jahr am ersten Adventswochenende auf den Weihnachtsmarkt nach Stuttgart“, sagt Fritz. Dort haben sie einen Teil des Schmucks zusammen ausgesucht. Außerdem geht die Familie mitsamt den zwei Kolleginnen, die Caroline Fritz unter der Woche unterstützen, vor Weihnachten auch einmal abends auf einen anderen Weihnachtsmarkt, meistens nach Esslingen. „Die Kinder, die über die Jahre neu dazukamen, wurden alle mit eingeführt und haben die Traditionen übernommen“, so Fritz.

An Heiligabend gibt es einen geregelten Ablauf. „Morgens schauen wir, dass das Haus ordentlich aussieht“, sagt Fritz. „Ich mache den Kartoffelsalat und es gibt eine Schüssel Bowle. Mittlerweile helfen die Kinder auch schon gerne beim Vorbereiten mit.“ Außerdem bekommt die Familie Besuch: „Meine Mutter kommt jedes Jahr, und dann gehen wir zusammen in die Kirche“, sagt Fritz. „Für die Kinder ist sie schon eine richtige Oma geworden.“

Fritz bindet Kinderdorf-Schützlinge in Familie mit ein

Wenn die Familie aus der Kirche zurückkommt, gibt es den Kartoffelsalat mit Würstchen. Es wird im Wohnzimmer zusammen gesungen, und das älteste Kind liest aus einem Buch mit kunstvollen Zeichnungen, das nur zu dieser Gelegenheit herausgeholt wird, die Weihnachtsgeschichte vor. Bei der Bescherung ziehen die Kinder Zettel mit ihren Namen darauf, dann dürfen sie nacheinander auspacken. „Das klappt so zwei oder drei Runden lang, danach herrscht Chaos.“ Das sei immer total nett. Am Ende klingt der Abend gemütlich aus. Ehemalige Kinder kommen zu Besuch, es wird noch etwas zusammen gespielt oder auch mal ein Film angeschaut.

„Das sind Sachen, die habe ich von zu Hause mitgebracht“, sagt Fritz. Überhaupt bindet sie ihre Kinderdorf-Schützlinge viel in die eigene Familie mit ein. „Ich werde zu Familienfeiern oft mit Kindern eingeladen.“ Wie sehr die Kinder das zulassen, hänge aber auch davon ab, wie gut die Verbindung mit ihren eigenen Herkunftsfamilien ist: „Die Eltern der Kinder spielen eine wichtige Rolle.“ An den Weihnachtsfeiertagen fahren die größeren Kinder deshalb ihre Herkunftsfamilien besuchen und die kleineren bekommen Besuch im Kinderdorf. „Ich bewundere, wie die Kinder den Spagat zwischen den beiden Familien hinkriegen“, sagt Fritz.

Quelle: ZVW/Vlora Kleeb