Aktuelles

Hilfe bei Gewalt gegen Kinder und Jugendliche

21. August 2018

Kleines Mädchen

SOS-Kinderdorf Worpswede bietet seit Juli eine neue Gewaltschutzberatungsstelle für betroffene Kinder, Jugendliche und Vertrauenspersonen in Osterholz- Scharmbeck

Wenn Kinder und Jugendliche hilflos Gewalt ausgesetzt sind, sind sie oftmals nicht in der Lage sich selbst zu schützen. Das SOS-Kinderdorf Worpswede betreut seit über 50 Jahren tagtäglich Kinder, die mit den Folgen solcher Geschehnisse leben müssen. Somit hat sich SOS zur Aufgabe gemacht, im Landkreis Osterholz eine neue Fachberatungsstelle zu eröffnen, die auf diesem Gebiet professionell, schnell und auf Wunsch anonym Hilfe bieten kann. Durch die Förderung des Landes und durch Spendengelder konnte die neue Beratungsstelle am 1. Juli 2018 am Campus für lebenslanges Lernen in Osterholz- Scharmbeck an den Start gehen. Sie hat das Ziel sowohl betroffene Kinder und Jugendliche als auch Erwachsene, die mit Kindern arbeiten, sie betreuen und ihre Vertrauenspersonen sind, zu unterstützen, zu beraten und sie auf dem Weg aus der Gewalt zu begleiten.

Kinder haben das Recht auf Schutz vor Gewalt

Kleiner Junge

Gewalt hat viele Gesichter: Sie kann in Form von Vernachlässigung, körperlicher und psychischer Misshandlung, Mobbing, sexuellem Missbrauch und häuslicher Gewalt erlebt werden. Dabei haben Kinder das Recht auf Schutz vor Gewalt, welches in der UN- Kinderrechtekonvention, die 1989 durch 191 Staaten der Vereinten Nationen unterzeichnet wurde, verankert ist. Die Bundesrepublik Deutschland hat die Kinderrechtskonvention 1992 ratifiziert und sich damit verpflichtet, die dort garantierten Rechte in nationales Recht umzusetzen. Im Jahr 2000 trat das Gesetz „Ächtung von Gewalt in der Erziehung“ in Kraft, welches laut § 1631 Abs. 2 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) heißt: Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.

Die Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik 2017 zu kindlichen Gewaltopfern zeigen jedoch, dass dieses Recht der Kinder nur allzu oft missbraucht wird. Im vergangenen Jahr wurden 143 Kinder getötet. In 77 Fällen blieb es bei einem Tötungsversuch. Das heißt, dass jede Woche mindestens zwei Kinder Opfer eines Tötungsdelikts werden; täglich werden fast 50 Kinder misshandelt oder sexuell missbraucht. Fast 78 Prozent von ihnen waren zum Zeitpunkt des Todes jünger als sechs Jahre. Die Zahlen zu Misshandlungen an Kindern stagnieren seit
Jahren auf einem hohen Niveau. 4.208 Kinder waren hiervon betroffen, 43 Prozent von ihnen haben das 6. Lebensjahr noch nicht vollendet. Bei diesen Zahlen handelt es sich um die bekannten Fälle, die Dunkelziffer ist vermutlich wesentlich höher.* Zivilcourage und Hinsehen ist daher unerlässlich. „Es ist wichtig auf die Signale von Kindern zu achten. Denn Gewalt passiert leider tagtäglich in den Familien und dem nahen Umfeld der betroffenen Kinder – Hinschauen und den Mut haben, sich für die Kinder stark zu machen, kann Leben verändern“, so Christine Exner, Leiterin der neuen Gewaltschutzberatungsstelle vom SOS-Kinderdorf Worpswede.

Zahlen der Kriminalstatistik zwingen zum Handeln

Christine Exner

Christine Exner, SOS-Gewaltschutzberatungsstelle

Das Team um Einrichtungsleiter Joachim Schuch und Bereichsleiter Niels Meyring ist froh, mit Christine Exner eine ausgebildete Fachkraft gefunden zu haben, die sich seit knapp 20 Jahren in der Jugendhilfe mit dem Schwerpunkt Kinderschutz beschäftigt. Die Diplom-Pädagogin ist gleichzeitig Kinderschutzfachkraft und Traumatherapeutin und freut sich auf die neue Herausforderung. Denn die traurigen Zahlen der Kriminalstatistik zwingen zum Handeln. SOS- Kinderdorf Worpswede unterstützt daher den Ausbau der Versorgung Betroffener und den Zugang zu einer fachlich fundierten Fachberatung neben dem bereits bestehenden Beratungsangebot für Fachkräfte und Ratsuchende durch das Jugendamt.

Neben dem Beratungsangebot für betroffene Kinder, Jugendliche und deren Vertrauenspersonen, richtet sich das Angebot der Fachberatung auch an Personen, die im Bereich Erziehung und Bildung, Sozialarbeit, Psychologie, Medizin, Seelsorge, in Sportvereinen oder in der Jugendarbeit tätig sind – ganz gleich, ob sie selbstständig oder angestellt, haupt-, neben- oder ehrenamtlich arbeiten. Sobald der Verdacht einer Kindeswohlgefährdung besteht, haben Fachkräfte einen Rechtsanspruch auf Beratung durch eine Kinderschutzfachkraft. Aber auch die Nachbarin von nebenan oder der aufmerksame Kioskbesitzer können sich Unterstützung im Verdachtsfall suchen. Eine solche Beratung hilft, mit gefährdeten Kindern und hochbelasteten Familien besonnen und kompetent umzugehen und entsprechende Handlungsstrategien zu entwickeln. Umsichtiges Vorgehen ist dabei unerlässlich, um das Vertrauen des Kindes nicht zu verlieren und die Tür zur Hilfe offen zu halten. „Es ist die gesellschaftliche Verpflichtung, Kinder zu schützen, sie zu unterstützen und ihre Stimme lauter zu machen. Wir müssen sie stärken und ihnen ihre Rechte aufzeigen, denn oftmals fühlt sich ein Kind verzweifelt, allein gelassen mit seinen Problemen, und solidarisch mit den Gewaltausübenden. Es fühlt sich regelrecht zerrissen zwischen dem Leid und dem Zugehörigkeitsgefühl“, so Exner weiter. Schon Hermann Gmeiner, Gründer von SOS- Kinderdorf, sagte einmal: „Zum Gutsein gehört Mut.“ Und Hinschauen und initiativ werden kann jeder – manchmal rettet es sogar Leben.

Daten & Kontakt: SOS-Gewaltschutzberatungsstelle
SOS-Kinderdorf Worpswede Gewaltschutzberatung für Kinder und Jugendliche

  • Christine Exner Lange Straße 28 27711 Osterholz-Scharmbeck Telefon:+49 4791 9658819 Gewaltschutz.KD-Worpswede@sos-kinderdorf.de
  • Offene Sprechstunde am Dienstag von 9 bis 12 Uhr und Mittwoch von 14 bis 17 Uhr. Weitere Termine nach Vereinbarung.

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SOS-Kinderdorf Worpswede

Weyerdeelen 4
27726 Worpswede

Telefon: 04792 9332-0*
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