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Die Ukraine-Hilfe im SOS-Kinderdorf Vorpommern

06. Oktober 2022

Zahlreiche SOS-Einrichtungen engagieren sich momentan für in Not geratene Menschen aus der Ukraine, so auch das SOS-Familienzentrum in Grimmen, wo aktuell 333 Ukrainer in der Region leben.

Bereits während der ersten Flüchtlingswelle 2015/16 war das SOS-Familienzentrum Anlaufstelle für zahlreiche Hilfesuchende. Die während dieser Zeit aufgebauten Strukturen, haben die Arbeit in der jetzigen Krise um einiges erleichtert, weiß Hannes Masloboy, Leiter des SOS-Familienzentrums in Grimmen, zu berichten. Dennoch gab es auch große Herausforderungen: „Zu den größten Herausforderungen zählte zu Beginn das fehlende Personal vor Ort. Der hiesige Landkreis Vorpommern-Rügen ist schnell auf uns zugekommen und hat gefragt, ob wir die Flüchtlingsbetreuung für den Sozialraum Grimmen übernehmen. Wir haben uns erstmal mit dem bestehenden Personal beholfen - aus den ambulanten Hilfen, der Migrationssozialberatung - haben aber relativ schnell gemerkt, das schaffen wir nicht.“  Unterstützung erhielten die Mitarbeiter des SOS-Familienzentrums in der Anfangsphase von vielen vor allem ukrainischen Ehrenamtlichen, die als Sprachmittler halfen.
 
Mit Hochdruck wurden in den ersten Wochen nach Kriegsbeginn Ende Februar 2022 zahlreiche Hilfsmaßnahmen vorbereitet und umgesetzt – sei es die Unterbringung, Vermittlung und Beratung von Geflüchteten, zahlreiche Spendenaufrufe, die Bereitstellung von Hilfsgütern oder die Kooperation mit Behörden. „In dieser ersten Phase der Hilfe ging es vor allem darum, den Geflüchteten etwas zu Essen und eine Unterkunft zur Verfügung zu stellen“, so Hannes Masloboy. Hilfe erhielten die Mitarbeiter:innen vor Ort auch vom ansässigen Ukraine-Verein, der bereits vor  Ausbruch des Krieges Kontakte vor allem in die Ost- und Südukraine, weshalb viele Menschen von dort sich entschlossen, direkt nach Grimmen zu fliehen. Die Gemeinnützige Wohnungsbau Gesellschaft mbH in Grimmen stellte zügig Wohnraum zur Verfügung, durch zahlreiche Spendenaufrufe und eine hohe Spendenbereitschaft sowie ehrenamtliches Engagement in der Region, konnten die Wohnungen in Grimmen schnell ausgestattet werden.
Im nächsten Abschnitt, dem „Rechtskreiswechsel“, ging es vorrangig um bürokratische Hürden – das Ausfüllen von ALG II-, Kranken-und Familienkassen- Anträgen oder das Begleiten von Bankterminen. Durch das bereits seit 2015 bestehende Integrationsnetzwerk „Runder Tisch Integration“ – das vom SOS-Familienzentrum aus koordiniert wird - und die bereits vorhandenen Strukturen konnten auch hier schnell Ergebnisse erzielt und den Menschen effizient geholfen werden. „Trotzdem war die Masse an Anträgen natürlich eine Herausforderung.“ so Masloboy.
In dem aktuellen Hilfsstadium geht es vor allem darum, Leute langfristig zu integrieren –die Unterbringung in den Kitas, in der Schule, die Jobvermittlung, Mitgliedschaften in Vereinen usw. „Jetzt zeigt sich allmählich wer hier bleiben möchte.“, meint Hannes Masloboy. „Einige Ukrainer haben sich entschieden die Stadt Grimmen als “neue Heimat“ zu akzeptieren, viele wissen es aber noch nicht, sodass es immer schwierig ist, wenn es um die Vermittlung von Jobs oder Kita-Plätzen geht, wo Langfristigkeit natürlich eine Rolle spielt. Wir merken einfach, dass ungefähr die Hälfte der Ukrainer*innen sich nicht sicher sind, ob sie bleiben wollen. Verständlicherweise möchten die meisten gern wieder zurück in ihre Heimat.
Zu den positiven Entwicklungen der Ukraine-Hilfe im SOS-Familienzentrum gehört neben den täglich angebotenen Sprachkursen und das gut genutzte Angebot des dortigen Café-Besuches nun auch ein wöchentliches Sportangebot für Jugendliche und Kinder ab 6 Jahren, das ebenfalls sehr gut angenommen wird. „Grimmen ist Stadt der Vereine – daher haben wir  jede Woche einen Verein eingeladen, sich vorzustellen. Es findet eine Art ‚Talentsichtung‘ statt – wir schauen, wo die Ressourcen bei den Kindern liegen, um dann zu den hiesigen Vereinen zu vermitteln, immer in Hinblick auf eine langfristige Integration. Des Weiteren integrieren wir Jung und Alt in die offenen Kurse der Familienbildung wie das Töpfern oder die Babymassage. Auch im SOS-Familienstützpunkt in Barth finden interkulturelle Spielkreise und tägliche Möglichkeiten des Austausches statt.“.
Zusätzliche Personalstellen im SOS-Familienzentrum Grimmen und im SOS-Familienstützpunkt in Barth konnten mittlerweile durch den Kinderdorfverein und die Ukraine-Task Force geschaffen werden. Seit August ist Marcel Fraude neu im Grimmener Team - er leitet das Sportangebot und hat einen Großteil der Betreuung der ukrainischen Flüchtlinge übernommen. Zwei mal wöchentlich können so offene Sprechzeiten angeboten werden. „Die Sprechzeiten werden sehr gut genutzt“ ist Hannes Masloboy froh: „Trotz aller Herausforderungen und Schwierigkeiten - es ist ein gutes Gefühl, zu sehen, dass unsere Hilfe so gut angenommen wird und tatsächlich auch dort ankommt, wo sie dringend benötigt wird.

Sprechzeiten für alle Anliegen rund um eine gelungene Integration:

Mittwoch 14 – 17 Uhr und Freitag 14 – 16 Uhr
Sport für Kids: Dienstag 14 – 15 Uhr in der Sporthalle Südwest (Leningrader Str. 24a)