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Aktuelles

Schulsozialarbeit in Zeiten von Corona

9. Juli 2020

Eike Gudegast erzählt, wie sich ihr Arbeitsalltag in Zeiten von Corona gewandelt hat

Eike Gudegast musste als Schulsozialarbeiterin zu Corona-Zeiten kreativ werden

Eike Gudegast musste als Schulsozialarbeiterin zu Corona-Zeiten kreativ werden

Seit September 2015 bin ich die Schulsozialarbeiterin an der Rodomstorschule in Plön. Normalerweise bin ich ansprechbar für rund 240 Schülerinnen und Schüler, deren Eltern sowie das gesamte Kollegium. Wenn ich in meinem Büro bin und gerade kein Beratungsgespräch habe, steht meine Tür offen und oft kommen Menschen spontan auf ein Gespräch vorbei. Falls ich nicht im Büro bin, begleite ich Klassenräte oder den Klassensprecherrat, bin während der Pausen auf dem Schulhof, mache Hausbesuche oder unterstütze Eltern bei Behördengängen.

„Normalerweise“ – gibt es nicht mehr

Zurzeit ist nichts „normal“, nicht so, wie wir es vor „Corona“ gewohnt waren. Einige Wochen lang habe ich nur telefonisch Kontakt zu Schülerinnen und Schüler sowie Eltern halten können. Nach und nach kommen mehr Kinder in die Notbetreuung der Schule und die vierten Klassen sind wieder da. Auf dem Schulhof sind Kreise auf den Asphalt gemalt, damit es den Kindern leichter fällt, den vorgegeben Abstand zueinander einzuhalten, während sie darauf warten, von der Lehrkraft abgeholt zu werden. Die Sitzplätze in den Klassenräumen sind mehr als Armeslänge voneinander entfernt, was ein kurzes Anstupsen, ein kleines Gerangel verhindern soll. Viele Menschen tragen einen Mund-Nasen-Schutz, der einen wesentlichen Teil des Gesichtsausdruckes verbirgt. Berührungen sind tabu, Nähe und Trost müssen ohne Körperkontakt vermittelt werden. Und dabei weiß ich, dass es vielen Kindern und ihren Familien schwerfällt, sich mit der derzeitigen Situation und ihren Anforderungen zu arrangieren, dass finanzielle Sorgen, räumliche Enge, Schule in den eigenen vier Wänden und das Fehlen eines geregelten Tagesablaufs sowie die Ungewissheit, wie es weitergeht, neue Nöte aufwerfen und schon bestehende verschärfen.

So oft wir alle auch schimpfen über das frühe Aufstehen, die vielen alltäglichen (Haus-) Aufgaben, den straffen Zeitplan während der Schulzeit und manchmal auch über Mitmenschen, die wir uns nicht aussuchen können: Ich bin mir sicher, all diese Umstände fehlen vielen Menschen. Ich kann für mich sagen, mein Alltag fehlt mir, die Schule fehlt mir, der direkte Kontakt zu den Kindern, Eltern, Lehrkräften, das Gewusel und das pralle Leben fehlen mir. Ich hoffe, dass all das bald wieder so stattfindet, dass wir sowohl einen verlässlichen Rahmen als auch die Freiheit haben, um unser Leben, den Alltag, die Schule, und unsere Begegnungen wieder selbstbestimmter zu gestalten.