Zum Warenkorb 0

Zum Warenkorb hinzugefügt:

Schutzgebühr:

Zum Warenkorb
Praktikum bei SOS-Kinderdorf e.V.
Erfahrungsberichte

Ein Praktikum im SOS-Kinderdorf Sauerland

Hier finden Sie spannende Berichte unserer Praktikant*innen im SOS-Kinderdorf Sauerland. Neugierig geworden? Dann sehen Sie sich gerne hier nach offenen Praktikumsstellen um.

Praktikum in einer Wohngruppe

Lass dich ein auf einen neuen Weg - und du bekommst ganz viel zurück!

Anna Gosiewski hat ein sechswöchiges Praktikum im SOS-Kinderdorf Sauerland im Bereich Wohngruppen absolviert.

Praktikumsbericht Anna

Das Angebot der Wohngruppen richtet sich an Kinder und Jugendliche beider Geschlechter ab dem Grundschulalter. In Ausnahmefällen können auch jüngere Kinder aufgenommen werden. Die Aufnahme erfolgt in der Regel aufgrund massiver Krisen, die ein Verbleiben der Kinder in ihrem bisherigen Lebensumfeld zumindest mittelfristig unmöglich machen. Der Aufnahmeprozess wird in Absprache mit dem Jugendamt und der Herkunftsfamilie sorgfältig vorbereitet und die Kinder leben dann hier in der dörflichen Struktur des SOS-Kinderdorf Sauerland.

KD: Warum hast du dich für das SOS-Kinderdorf Sauerland als Einsatzort für dein Praktikum entschieden?

Anna: Davor stand eigentlich noch eine andere Entscheidung und zwar war ich an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich mich gefragt habe „Was möchte ich eigentlich wirklich?“ Ich habe 13 Jahre als Hotelfachfrau gearbeitet und verspürte schon damals den Wunsch Erzieherin zu werden. Corona war auch für mich wie ein Brennglas und es hat sich gezeigt, dass ich nicht länger in meinem alten Job arbeiten möchte. Im Fokus standen hier nur monetäre und zeitliche Faktoren. Durch Zufall bin ich – auf Empfehlung einer Freundin – auf das SOS-Kinderdorf Sauerland gestoßen.

KD: Was hat dich am meisten überrascht?

Anna: Das ich nicht auf kleinen Stühlen sitzen muss. :-) Davon ging ich früher immer aus, wenn ich an die Ausbildung zur Erzieher*innen gedachte habe.

Ich habe mir die Art des gemeinsamen Wohnens anders vorgestellt – dass die Kinder hier wie in einem Internat in einem großen Haus zusammenleben – das Kinderdorf ist aber wie ein richtiges Dorf mit vielen Häuschen aufgebaut. Und mir ist sofort die entspannte Atmosphäre aufgefallen – auch wenn viele Kinder traurige Dinge erlebt haben, ist das Kinderdorf voller Leben und Zuversicht.

Herausforderung: Authentizität

KD: Was war für dich die größte Herausforderung?

Anna: Authentisch zu sein – ich bin noch dabei mich in meiner pädagogischen Rolle zu finden: Ich möchte meine ganz eigene Art entwickeln, wie ich mit den Kindern und Jugendlichen umgehe – zu Anfang war ich unsicher und habe versucht das Verhalten der Kolleg*innen zu kopieren – das merken die Kinder nur leider sofort und nehmen dich nicht ernst.

KD: Wie hast du dich selbst erlebt während des Praktikums?

Anna: Neben den ersten Anflügen von Unsicherheit habe ich auch realisiert, dass ich von meinem alten Job zehren kann – meine Organisations-Fähigkeit und meine IT-Kenntnisse waren mir schon sehr nützlich. Durch meine private Erfahrung im Bereich häusliche Pflege und Haushaltsführung hatte ich schon einiges im Gepäck, was ich zusätzlich beisteuern konnte im alltäglichen Miteinander im Haus.

KD: Was empfiehlst du anderen?

Anna: Lasst euch ein. Geht durch jede Tür durch, die euch geöffnet wird und probiert aus! „Learning by doing“ ist hier angesagt. Lasst euch diese Chance nicht entgehen!

KD: Gab es etwas, wovor du am Anfang Bedenken hattest?

Anna: Ich hatte ein bisschen Bedenken, dass ich das emotional nicht schaffe, aber ich habe gemerkt, dass ich mich durch meine persönlichen Erfahrungen leichter in die Kinder hineinversetzen kann und bin ihnen dadurch auch ein Stück näher gekommen.

Ein typischer Tag

KD: Beschreib doch mal einen typischen Praktikumstag!

Anna: Mein Dienstbeginn ist um 12 Uhr – ich schaue als erstes, was heute ansteht – welches Kind hat wann welchen Termin? Findet ein Besuchskontakt mit den Eltern statt? Sind besondere Termine vorgemerkt? Gegen 12:30h bereite ich unser kaltes Mittagessen vor und wir essen dann gemütlich alle zusammen. Nach dem Essen ist Zimmerzeit für die Kids, das heißt für uns Erzieherinnen eine kleine Pause oder wir erledigen Dinge für die wir besonders Ruhe brauchen wie wichtige Telefonate. Danach geht’s für alle raus – wir haben ja gerade Sommerferien und die Kinder strömen aus zu ihren Ferienprogrammen. Wir begleiten nachmittags auch öfters Kinder zu Ärzten und Psychologen und helfen ihnen zu ihren Förderprogrammen zu kommen. Abends um 18h essen wir zusammen warm, danach startet das Gewusel mit den diversen Duschzeiten. Gegen 19:45h gehen die Kinder ins Bett, wir lesen dann noch eine Geschichte vor. Wir Erzieherinnen können zum Abschluss des Tages noch etwas in das SOS-Kinderdorf-Tagebuch eintragen – wie z.B. Was war heute gut? Was kann ich besser machen? Um ist 20:30h ist Dienstende und dann falle ich ins Bett. :-)

KD: Was fällt dir an kleinen Dingen ein, die du bei deiner Arbeit bewegt hast?

Anna: Die Kinder merken sich, wie man an Sachen rangeht oder Probleme löst – hier kann man bei ganz kleinen Dingen auch Werte vorleben und den Kindern zeigen, dass sie so wie sie sind gut sind und ihnen auch Wege aufzeigen, die sie nicht kennen – es ist schön zu sehen, wie begeistert und neugierig die Kinder sind.

Unterstützung im Praktikum

KD: Wie wurdest du denn unterstützt in deiner Arbeit? Insbesondere in der Praxisanleitung?

Anna: Es gibt regelmäßige Praktikantenrunden, die von einem Fachdienst-Mitarbeiter– er ist auch zuständig für die Praxisberatung - einberufen werden. Hier hat jeder die Möglichkeit in einem geschützten Rahmen über seine Erfahrungen und vielleicht auch Probleme zu sprechen und man kann sich mit anderen Praktikantinnen austauschen. Im SOS-Kinderdorf Sauerland gibt es in jedem Team einen Praxisanleiter*in. Außerhalb des Teams ist noch ein Praxisberater*in installiert, so dass man noch einen neutralen Ansprechpartner außerhalb des Teams hat. Im SOS-Kinderdorf Sauerland hat man erkannt, wie wichtig ein wertschätzender Umgang mit Praktikantinnen ist: man nimmt sich viel Zeit, um eventuelle Ängste zu besprechen und schaut genau hin, wie sich die/der jeweilige Praktikant*in entwickelt

Zukunftspläne

KD: Wie sehen denn deine zukünftigen Pläne aus?

Anna: Ich werde nach meinem Praktikum die praxisintegrierte Ausbildung zur Erzieherin (PIA) absolvieren und zwar in einer U3-Gruppe. Ich bin gespannt, wie sich das anfühlt, wenn man mit ganz kleinen Menschen arbeitet. Mein Traum wäre ein Kinderheim im Ausland zu installieren. Ich finde das Konzept spannend, wie läuft so etwas und wie baut man so eine Einrichtung auf…Mal sehen, ob ich das schaffe.

KD: Wir werden dich besuchen. :-) Vielen Dank Anna für die ehrlichen Worte und das Teilen deiner Erfahrung!

Praktikum im Bereich Ambulante flexible Hilfen und Betreutes Wohnen

Alina Pagouridis, Studierende der Angewandten Sozialwissenschaften hat ein halbjähriges Praktikum im SOS-Kinderdorf Sauerland im Bereich Ambulante flexible Hilfen und Betreutes Wohnen absolviert.

SOS-Kinderdorf Sauerland hilft bedürftigen Kindern und Jugendlichen

Praktikantin Alina

KD: Warum hast du dich für das SOS-Kinderdorf Sauerland als Einsatzort für dein Praktikum entschieden?

Alina: Weil mich das pädagogische Konzept von SOS-Kinderdorf e.V. überzeugt hat und ich die Aufgabenvielfalt in den Ambulanten flexiblen Hilfen / Betreutes Wohnen herausfordern fand.

KD: Was hat dich am meisten überrascht?

Alina: Wie eng verzahnt das Team zusammenarbeitet, welche Wertschätzung man unter- einander zeigt und wieviel Vertrauen man mir entgegengebracht hat.

Balance zwischen Nähe und Distanz

KD: Was war die größte Herausforderung?

Alina: Die richtige Balance zu finden zwischen Nähe und Distanz. Die Jugendlichen sind nicht viel älter als ich und deswegen ist es manchmal schwierig die Gratwanderung zwischen „Kumpel“ und Mitarbeiterin zu schaffen.

KD: Wie hast du dich selbst erlebt während des Praktikums?

Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich so viel mitnehmen und machen darf. Das fühlt sich gut an, weil mir so viel zugetraut wird. Ich konnte in den kompletten Bereich reinschnuppern und wurde ein Teil des Teams, das war eine tolle Erfahrung. Ich hatte auch einen eigenen Arbeitsplatz mit beruflicher Erreichbarkeit.

KD: Was empfiehlst du anderen?

Alina: Man muss in dem Bereich zeitlich flexibel, spontan und offen für Neues sein. Man sollte sich gerne mit jungen Menschen umgeben, teamfähig sein und das Wichtigste: Fragen stellen!

KD: Gab es etwas, wovor du am Anfang Bedenken hattest?

Alina: Ich dachte, dass es vielleicht problematisch werden kann, weil ich genauso alt bin, wie die Jugendlichen, die ich betreue. Aber ich habe gemerkt, dass ich ihnen eher durch die Themen, die uns verbinden nah bin und habe so schnell einen Zugang zu ihnen bekommen.

Ein typischer Tag

KD: Beschreib doch mal einen typischen Praktikumstag!

Alina: Als erstes besprechen mein Praxisanleiter und ich alles, was aktuell und wichtig ist. Danach bin ich involviert in die Mitgestaltung der Berichte und Tagesdokumentationen, die die Grundlage für die Hilfeplangespräche bilden. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Digitalisierung der Biografie-Arbeit: wir erstellen Genogramme (Darstellungsform familiärer Zusammenhänge) für die betroffene Familie, um die Beziehungen und Problematiken, die meist tief verankert sind, zu verstehen. Dadurch erhalten wir Rückschlüsse für die systemische Arbeit. Auch die wöchentlichen Teamsitzungen haben mir viel gebracht, weil ich hier den fachlichen Austausch miterlebt habe.

Tagesablauf

KD: Was steht noch auf deinem Plan?

Alina: Im Bereich Betreutes Wohnen haben wir eine Kochgruppe, hier treffen sich die Jugendlichen einmal in der Woche um alltagspraktische Fähigkeiten zu erlernen. Einer hat den Hut auf und bestimmt, was gekocht wird und muss dafür auch einkaufen und alles organisieren. Man erreicht eine andere Ebene mit den Jugendlichen – jeder bringt ein, was er gerne kocht und man unterhält sich in einem entspannten Rahmen über alles, was einen gerade bewegt.

KD: Greift ihr auch mal zu ungewöhnlichen Maßnahmen in eurer Arbeit?

Alina: Wir hatten mal einen komplizierten Fall und wussten nicht so recht, wie wir weiterkommen. Dann haben wir ganz spontan in einem Rollenspiel den Fall nachgestellt – das hat uns allen geholfen die verschiedenen Perspektiven aller Beteiligten zu beleuchten und danach hatten wir einen Ansatz.

KD: Ihr habt auch eine Reise nach Berlin gemacht, oder?

Alina: Genau, wir sind zur Botschaft für Kinder in Berlin gefahren – das Motto der Veranstaltung war „Mach dein Ding!“ – genau mein Motto! Ich habe schöne Begegnungen beobachtet: da war z.B. ein IT-Manager aus Guinea, der perfekt Deutsch gesprochen hat – wir hatten einen Landsmann unter den Jugendlichen und der war natürlich ähnlich wie die anderen sehr beeindruckt. Ein Vorbild für die Jugendlichen. Er hat etwas geschafft, was sie sich noch erträumen. Diese Entwicklungen und Denkanstöße zu sehen, das ist total schön. Es gibt bei SOS e.V. immer wieder die Möglichkeiten an solchen Freizeitaktionen teilzunehmen – ich war aber auch Teil des Dorflebens und war z.B. auch auf der Mitarbeiter-Weihnachtsfeier, wo sich alle nach einem witzigen Motto verkleidet haben. Hier hat konnte man auch mal mit Mitarbeiter*innen aus anderen Bereichen entspannt quatschen.

Die kleinen Dinge des Lebens

KD: Was fällt dir an kleinen Dingen ein, die du bei deiner Arbeit bewegt hast?

Alina: Einfach die alltägliche Hilfe – zusammen mit einem Jugendlichen eine SIM-Karte einrichten oder ihn /ihr bei der Suche nach passenden Hilfsangeboten, bei Anträgen und Behördengängen, Arztbesuchen oder beim Einkaufen zu unterstützen - es sind die kleinen Schritte, die das große Ganze ausmachen.

Enge Betreuung der Praktikanten

KD: Wie wurdest du denn unterstützt in deiner Arbeit? Insbesondere in der Praxisanleitung?

Alina: Es gibt regelmäßige Praktikantenrunden, die von einem Fachdienst-Mitarbeiter – er ist auch zuständig für die Praxisberatung - einberufen werden. Hier hat jeder die Möglichkeit in einem geschützten Rahmen über seine Erfahrungen und vielleicht auch Probleme zu sprechen und man kann sich mit anderen Praktikantinnen austauschen. Im SOS-Kinderdorf Sauerland gibt es in jedem Bereich diese Anleitung und Beratung, so dass man noch einen neutralen Ansprechpartner außerhalb des Teams hat. Hier gibt es Hilfestellungen für die Aufgaben der Berufsschulen und man erhält auch Praxisanleitung. Man hat hier erkannt, wie wichtig ein wertschätzender Umgang mit Praktikantinnen ist: man nimmt sich viel Zeit, um eventuelle Ängste zu besprechen und schaut genau hin, wie sich die jeweiligen Praktikanten entwickeln.

Zukunftspläne

KD: Wie sehen denn deine zukünftigen Pläne aus?

Alina: Ich würde gerne nach dem Studium eine Fortbildung in Sachen „Tiergestützte Pädagogik“ machen, weil mich dieser Ansatz sehr interessiert. Hier im SOS-Kinderdorf Sauerland gibt es ja die Möglichkeit für Kinder die ergänzende Arbeit mit den Tieren wahrzunehmen. Ich kann mir vorstellen als Teamkoordinatorin in einer Wohngruppe zu arbeiten. Wenn ich später im Bereich von TiP arbeiten könnte, dann möchte ich auch wissen, wie die Kinder, die zu TiP kommen leben und aufgestellt sind. Ich habe jetzt ganz frisch einen Vertrag als Honorarkraft im Bereich Umgangsbegleitungen unterschrieben und freue mich sehr darüber – mehr Wertschätzung für meine Arbeit geht ja nicht!

KD: Das klingt nach einer spannenden Perspektive – was würdest du gerne noch im SOS-Kinderdorf Sauerland installieren?

Alina: Ich würde gern ein theaterpädagogisches Konzept anbieten – weil man sich im Spiel ausprobieren kann, man muss sich trauen und wenn man diesen Moment überwunden hat, dann kann man über sich hinaus wachsen…

KD: …und das ist ansteckend. Vielen Dank Alina für die ehrlichen Worte und das Teilen deiner Erfahrung!

Begriffserklärungen

Ambulante flexible Hilfen

Ambulante flexible Hilfen

Die Angebote der Ambulanten flexiblen Hilfen sind Hilfsangebote für Familien, Kinder und Jugendliche, die eine Unterstützung in der elterlichen Erziehung oder der individuellen Entwicklung benötigen – stets an den Ressourcen und individuellen Bedarf der Familien orientiert. Die Mitarbeitenden in den Ambulanten flexiblen Hilfen unterstützen Familien dahingehend, dass erzieherische Kompetenzen zur Entfaltung gelangen und förderliche Entwicklungen für die Kinder erreicht werden.

Betreutes Wohnen

Betreutes Wohnen

Betreutes Wohnen wird in der Regel im Anschluss an einen Aufenthalt in einer Wohngruppe oder Kinderdorffamilie im Rahmen des Verselbstständigungsprozesses angeboten. Im SOS-Kinderdorf Sauerland bewohnt jeder Jugendliche ein eigenes kleines Appartement und führt selbstständig seinen Haushalt und erfährt stundenweise individuelle Betreuung und Beratung. Durch die Verbindung von pädagogischer Betreuung, eigenständiger Wohnform und selbstständiger Alltagsgestaltung sollen die Jugendlichen ihre Selbstständigkeit entwickeln und festigen sowie eine adäquate Lebensperspektive entfalten.

Hilfeplangespräche

Hilfeplangespräche

Hilfeplangespräche: Das sind Treffen, wo alle Personen zusammen kommen, die den Jugendlichen Unterstützung geben wie seine Betreuer, das Jugendamt, der Vormund oder die Eltern, Pädagogen und Psychologen und natürlich der Jugendliche selbst – hier wird geschaut, wie man am besten helfen und unterstützen kann und wohin der Weg zukünftig gehen kann. Diese Gespräche sind gesetzlich vorgeschrieben und verpflichtend nach Paragraph 36 im KJHG und finden mindestens einmal in 6 Monaten statt.