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Wie umarme ich einen Kaktus?

17. Oktober 2018

Nicht selten erscheinen Jugendliche bzw. junge Erwachsene zwischen zehn und 20 Jahren ihren Eltern wie ein Kaktus: Die Pubertät verlangt ihnen ähnlich viel ab wie ihren Sprösslingen und auch sie müssen lernen, mit dem Spannungsfeld zwischen Nähe und Loslösen zurechtzukommen. Mit einem Vortrag zum Thema Pubertät hat Thomas Bornemann, Sozialarbeiter und systemischer Therapeut im SOS-Kinderdorf Sauerland, interessierte Eltern über Entwicklungsstufen während der Pubertät aufgeklärt und Hilfestellungen benannt.

Thomas Bornemann ist ein erfahrener Vermittler zwischen Eltern und "pubertieren"

Thomas Bornemann ist ein erfahrener Vermittler zwischen Eltern und "pubertieren"

"Wenn Ihre Kinder sich nicht immer an Absprachen halten, muss das nicht unbedingt Rebellion sein"

„Wenn Ihre Kinder sich nicht immer an Absprachen halten, muss das nicht unbedingt Rebellion sein. Es kann sein, dass sie das einfach vergessen haben. Denn das Gehirn von Jugendlichen gleicht während der Pubertät einer Großbaustelle“, klärt der erfahrene Sozialarbeiter auf. Tatsächlich findet zwischen dem zehnten und zwanzigsten Lebensjahr eine Umstrukturierung des Gehirns statt, bei der Synapsen zum Teil abgebaut sind. Das führe phasenweise zu einer verstärkten Vergesslichkeit, so Thomas Bornemann. Daher sei es wichtig, dass Eltern gelassener gegenüber ihren Kindern auftreten. „Gießen Sie bitte nicht noch zusätzlich Öl ins Feuer mit Sätzen wie, ‚so lange du deine Füße unter meinen Tisch stellst‘ oder ‚wie siehst du denn schon wieder aus?‘.“ Vielmehr gehe es darum, Jugendlichen als Gegenüber zu dienen, an dem sie sich reiben können, immer jedoch mit einer respektvollen Haltung. 

Klare Regeln und Konsequenz sind wichtig

„Verständnis zu haben, bedeutet nicht, jedes Verhalten zu akzeptieren“, so Thomas Bornemann. „Setzen Sie Ihren Töchtern und Söhnen klare Regeln und Grenzen und bleiben Sie dabei auch konsequent.“ Das sei ein wichtiger Baustein, um den Jugendlichen während der Pubertät eine Orientierungsmöglichkeit zu bieten. Außerdem sollten vier Fragen immer vom Jugendlichen beantwortet werden: Wo bist du? Mit wem bist du unterwegs? Was habt ihr vor? Wann bist du wieder zurück? Das habe nichts mit Kontrolle zu tun, sondern sei vielmehr Ausdruck elterlicher Fürsorge und könne zu mehr Vertrauen untereinander führen. Denn Privatsphäre und das Loslösen von den Eltern werde gerade während der Pubertät immer wichtiger für Mädchen und Jungen. 
Zum Schluss gibt Thomas Bornemann den Eltern noch einen weiteren Rat mit auf den Weg: „Seien Sie ruhig wütend oder sorgenvoll. Ein wütender Vater und eine sorgenvolle Mutter zeigen dem Jugendlichen ‚hier ist alles in Ordnung‘. Auch das ist eine Orientierungshilfe.“