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Aktuelles

Offene Arbeit mit Kontaktbeschränkung – wer kann denn sowas?

30. Juni 2020

Unterstützung für Familien durch das SOS-Mütterzentrum in Saarbrücken auch in Zeiten von Corona 

„Ich bin so froh, dass ich mit den Kindern wieder raus darf! Gerade in der anstrengenden Zeit der Kontaktbeschränkung waren die Mitarbeitenden von SOS eine große Unterstützung für mich“, berichtet Fatima, eine regelmäßige Besucherin des Mütterzentrums, als sie nach langer Zeit wieder eine Tasse Kaffee im Mütterzentrum des SOS-Kinderdorf Saarbrücken genießen kann. Entspannt und gelöst berichtet sie Yvonne Abellard, der zuständigen Koordinatorin des Mütterzentrums, über die Familie und ihr persönliches Empfinden in dieser ungewöhnlichen Situation, die durch die Pandemie ausgelöst wurde. „Ich dachte manchmal, dass ich verrückt werde. Den ganzen Tag saßen wir nur in der Wohnung und hatten nicht mal die Möglichkeit auf den Spielplatz zu gehen.“

3 Zimmer, 4 Personen, unterschiedliche Arbeitszeiten – da ist Stress vorprogrammiert

Fatima lebt mit ihrem Mann und den beiden Kindern in einer 3-Zimmer-Wohnung auf 70 Quadratmetern. Einen Balkon oder Garten gibt es nicht und der Weg in den Wald war mit zwei kleinen Kindern zu anstrengend. Während die ältere Tochter zu Hause ihre Schularbeiten erledigen musste, wollte die kleine Tochter lieber nach draußen. Hinzu kam der Umstand, dass Fatimas Ehemann oft Nachtschichten übernahm und tagsüber schlafen musste. „Auch das heizte die Stimmung zusätzlich an,“ sagt sie und erzählt weiter, dass sie sich alleine um die Kinder und den Haushalt kümmern musste und kaum Zeit für sie selbst blieb. „An manchen Tagen war mir wirklich alles zuviel. Sonst konnte ich immer auf den Spielplatz gehen oder ins Mütterzentrum kommen, wenn mein Mann geschlafen hat. Plötzlich war das alles anders.“ Umso dankbarer war sie, als sie einen Anruf vom Mütterzentrum bekam und endlich jemand ein offenes Ohr für ihre Nöte hatte.

Beschäftigungsboxen erfreuen sich großer Beliebtheit

Abellard stellte ihr das geänderte Angebot des Mütterzentrums vor: „Familien, die unter der Kontaktsperre besonders leiden, können Spielanregungen und Beschäftigungsboxen von uns bekommen!“ Das hörte Fatima gern und bestellte gleich am Telefon. „Als die erste Beschäftigungsbox kam, war das ein richtiges Fest für die Kinder und mich. Sie waren intensiv beschäftigt und ich konnte auch mal aufatmen. Als dann noch einfache Spielideen per Video kamen, wurde es richtig lustig. Plötzlich war wieder ein befreites Lachen von Allen zu hören, als wir die Anregungen umgesetzt haben. Das waren absolute Lichtblicke in dieser anstrengenden Zeit“, berichtet Fatima mit Tränen in den Augen.

Basteltipp

Die pädagogische Mitarbeiterin Susanne Kriesamer ist für die Vorbereitung der Beschäftigungsboxen zuständig. Sie ist Erzieherin und hat diese gemeinsam mit den KollegInnen alters- und geschlechtsspezifisch zusammengestellt. Von einfachen Bewegungsideen für kleine Räume über Tanzwettbewerbe per Video bis hin zu fertigen Bastelsets war alles dabei und wurde mit Anleitungen und Materialien in eine Beschäftigungstüte gepackt. Diese Tüten konnten die BesucherInnen des Mütterzentrums nach Terminabsprache im Mütterzentrum abholen oder sich nach Hause liefern lassen. „Als ich die Tüte zu Huda brachte, hat diese angefangen zu weinen“, erzählt Susanne Kriesamer. „Einerseits weil sie sich über die Ideen und Bastelmaterialien gefreut hat, andererseits weil sie einfach ergriffen war, wieder ein vertrautes Gesicht zu sehen und die Möglichkeit einer kurzen Unterhaltung im Hausflur hatte“.

Kinderbeaufsichtigung startet im Mai

Seit Mitte Mai haben sich die Aufgaben der Mitarbeitenden im Mütterzentrum erneut verändert. Neben dem regelmässigen Kontakt zu den BesucherInnen steht nun auch die der Kinderbeaufsichtigung der TeilnehmerInnen in den Bildungsangeboten auf dem Programm. Täglich gibt es neue Herausforderungen, um die Betreuung unter den aktuell geltenden Hygienevorschriften anzupassen und gleichzeitig die oft noch kleinen Kinder so mit einzubeziehen, dass es wirklich klappt. „Es war toll, wie gut die Kinder die Vorgaben angenommen haben und mit welcher Ernsthaftigkeit sie bei der Sache waren“, berichtet Kriesamer weiter. „Sie waren so froh, endlich wieder mit anderen Kindern zusammen zu sein, dass die neuen Regeln wie selbstverständlich beachtet wurden. Schließlich war allen klar, dass niemand sich während der gemeinsamen Zeit anstecken darf.“

Kleiderpakete werden zusammengestellt

Die Kleidertauschbörse des Mütterzentrums lief, wenn auch unter anderen Bedingungen, während der Zeit der Kontaktbeschränkung kontinuierlich weiter. Mitarbeiterin Sabine Theis nahm telefonisch den Bedarf der BesucherInnen auf und suchte passende und jahreszeitgemäße Kleidung aus. „Leider können die Familien nicht selbst in der Tauschbörse schauen, was sie benötigen und was ihnen gefällt“, erklärt sie und fügt lächelnd hinzu: „Aber da ich viele der Kinder und Mütter ja persönlich kenne, versuche ich den entsprechenden Geschmack zu treffen“. Sind die Kleiderpakete abholbereit, wird mit den Familien ein Termin zur Abholung vereinbart. „Die Übergabe musste anfangs vor der Tür erfolgen“, erklärt Theis und ergänzt: „Es fühlt sich schon etwas seltsam an, aber die Familien haben Verständnis und sind froh, dass die Tauschbörse weiterläuft.“ Die Abgabe von Kleidung erfolgt nach dem gleichen Prinzip und nach den erfolgten Lockerungen dürfen die Besucher – unter Beachtung der Hygienevorgaben - auch wieder vor Ort sein.

„Wir sind stets im Austausch mit den BesucherInnen geblieben“, erklärt Mitarbeiterin Sawsan Mohammad und ergänzt: „Die Belastungssituation in den Familien ist groß. Die Frauen benötigen jemanden, der ihnen zuhört und mit Verständnis und Unterstützung zur Seite steht“.

Jede Lockerung ändert alles: Neue Bestimmungen werden umgesetzt

Aktuell sind in den Räumlichkeiten des Mütterzentrums maximal 10 Personen zugelassen und jeder Besuch wird registriert. Trotz dieser Beschränkungen sind Mütter wie Kinder froh über diese Möglichkeit. „Es ist einfach etwas anderes, mit jemandem zu reden, wenn ich der Person direkt gegenüber sitze, zumal sich viele Themen ja auch erst im Gespräch ergeben“, erklärt Besucherin Claudia. „Für mich sind die Mitarbeitenden des Mütterzentrums ein Stück Familie. Man fragt um Rat, teilt Sorgen, ärgert sich auch mal, weil nicht jeder Ratschlag gefällt. Hier ist Leben! Das alles habe ich sehr vermisst und bin froh, dass wir uns jetzt wieder regelmäßig treffen können, wenn auch nur in bestimmten Zeitfenstern und mit Hygienauflagen. Ich habe alle so vermisst! Wie gerne hätte ich sie in die Arme geschlossen… Aber ich bin voller Hoffnung, dass auch das bald wieder möglich sein wird.“