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SOS-Kinderdorf Saar feiert 60-jähriges Jubiläum
Das Leben in einer SOS-Kinderdorffamilie

Zwei SOS-Kinderdorfmütter berichten über ihre Erfahrungen

Zurzeit leben zwei aktive Kinderdorfmütter im SOS-Kinderdorf Saar. Früher war auch Beate Brecht eine von ihnen. Letztes Jahr ist sie in Altersteilzeit gegangen, hält aber weiterhin innigen Kontakt zu ehemaligen, inzwischen erwachsenen SOS-Kindern. Sie hat die Veränderungen der letzten Jahrzehnte im Kinderdorf hautnah miterlebt. In ihrer 30-jährigen Laufbahn als Kinderdorfmutter hat sie 20 Kinder, die aus verschiedenen Gründen nicht in ihrer Herkunftsfamilie bleiben konnten, auf ihrem Lebensweg begleitet. Nach wie vor ist sie vom ursprünglichen Konzept einer voll stationären Unterbringung mit konstanter Bezugsperson überzeugt.

Ich kann Kindern Halt geben und sie ein Stück in ihrem Leben begleiten. Das ist unglaublich bereichernd.

SOS-Kinderdorfmutter Marianne Liebscher

Ich habe die richtige Entscheidung getroffen!

SOS-Kinderdorf Saar feiert 60-jähriges Jubliäum

Eine der beiden noch aktiven Kinderdorfmütter ist Marianne Liebscher. Mit Mitte 30 las sie eine Anzeige ihres heutigen Arbeitgebers: ‚Kinderdorfmütter gesucht!‘ „Da dachte ich: Das ist es! Ich habe mich trotz privater Widerstände bei SOS-Kinderdorf beworben. Intuitiv habe ich geahnt, dass mir dieser Beruf mehr  Erfüllung bringen wird, als meine frühere Tätigkeit. Heute weiß ich: Ich habe die richtige Entscheidung getroffen. Ich kann Kindern Halt geben und sie ein Stück in ihrem Leben begleiten. Das ist unglaublich bereichernd.“ 

„Oft bin ich auch an meine Grenzen gekommen!“

Während ihrer vierjährigen Ausbildungs- und Vorbereitungszeit konnte sich Marianne Liebscher einen ausgiebigen Einblick in den Alltag anderer Kinderdorfmütter verschaffen und entschied sich dann bewusst für dieses Lebens- und Arbeitsmodell. Sie macht keinen Hehl daraus, dass es auch Phasen gab, die sehr belastend waren. „Ehrlich gesagt, bin ich schon oft an meine Grenzen gekommen. 

Aber mein Lebensmittelpunkt ist in diesem Haus und ich will das auch so haben. Es gibt auch sehr viele schöne Seiten, sonst würde ich es nicht machen.“ Da die Kinder aus schwierigen Verhältnissen kommen und daher besonders viel Liebe und Zuwendung brauchen, werden die Kinderdorfmütter von einer pädagogischen Fachkraft und einer Hauswirtschaftskraft unterstützt. 

Momente, die glücklich machen

Mit Marianne Liebscher leben derzeit vier Kinder zwischen vier und 19 Jahren im Haus. Bei den gemeinsamen Ausflügen, wenn sie zusammen kochen oder die Freunde der Kinder sagen: „Oh, ist das schön hier, am liebsten würden wir mit einziehen!“ - das sind für Marianne Liebscher die Momente, in denen sie für ihre Arbeit belohnt wird. „Dass diesen Weg nicht mehr viele Menschen gehen wollen, finde ich schade und traurig, weil ich nach wie vor überzeugt bin, dass es ein gutes Konzept ist.“ 

Gleich von Anfang an habe ich mich im Dorf wohlgefühlt

SOS-Kinderdorfmutter Beate Brecht

Lehramt war nicht das Richtige

Auch Beate Brecht wollte schon immer im sozialen Bereich arbeiten, bemerkte aber bald, dass ihr Lehramtsstudium nicht das Richtige für sie war. Sie bewarb sich 1987 beim SOS-Kinderdorf Saar. „Gleich von Anfang an habe ich mich im Dorf wohlgefühlt. Vor allem die Zeit als Familienhelferin bei einer erfahrenen Kinderdorfmutter hat mich sehr geprägt.“ Diese gehörte noch zur Generation der Kinderdorfmütter, die ursprünglich mit neun bis zehn Kindern lebten und sich eine Familienhelferin mit mehreren anderen Familien teilen mussten. Das Leben dieser Kinderdorfmutter hat Beate Brecht imponiert: „Sie hat das so gelebt, wie ich es mir vorgestellt hatte: Es waren „ihre“ Kinder, ganz viele haben auch ‚Mama‘ oder ‚Mutti‘ zu ihr gesagt.“ 

SOS-Kinderdorf Saar feiert 60-jähriges Jubiläum

SOS-Kinderdorfmutter Beate Brecht

Beate Brecht erlebte diese persönliche Investition in die Kinder direkt mit, besonders auch bei den häufigen Besuchen der ehemaligen, inzwischen erwachsenen Kinder: „Da war ein sehr großer Zusammenhalt, auch über die Kindergenerationen hinaus. Die älteren Kinder, die schon stabiler waren, haben den jüngeren geholfen“, erzählt sie rückblickend. 

Die Anfangszeit ist für alle schwierig

Gerade am Anfang müssen sich Kinderdorfmütter und Kinder erst mal finden. Da die Kinder nicht freiwillig kommen, laden manche ihren Frust, ihre Wut und Trauer stellvertretend bei der Kinderdorfmutter ab, die das überwiegend auffangen muss. Manche Kinder reagieren aber auch zunächst angepasst, genießen die regelmäßigen Mahlzeiten und die liebevolle, verlässliche Rundumversorgung. Erst später zeigen sich Verhaltensauffälligkeiten. 

„Trotz allem glaube ich fest, dass dieses Konzept der langfristigen Beziehungen für viele Kinder genau das Richtige ist. Bei manchen Kindern ist das gut geglückt, bei anderen weniger, das hängt von verschiedenen Faktoren ab“, fasst Beate Brecht zusammen. „Alle haben jedenfalls ein respektvolles, stabiles Miteinander erlebt, auf das sie später im Leben zurückgreifen können.“