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SOS-Kinderdorf Saar feiert 60-jähriges Jubiläum
Interview mit Herrn Ollinger

Ein Dorfmeister für alle Fälle

Herr Olliger, was genau macht ein Dorfmeister im SOS-Kinderdorf? 

Ein Dorfmeister ist überall zur Stelle, wo es hakt. In den Häusern und auf dem Außengelände fällt ja viel Arbeit an. Wir kümmern uns um die ganz normalen Hausmeistertätigkeiten, wie reparieren, streichen, Rasen mähen oder Möbel räumen. Dabei unterstützen mich jedes Jahr zwei bis drei Bundesfreiwilligendienstler. Als Dorfmeister-Team helfen wir bei allen Veranstaltungen im Kinderdorf, beispielsweise bei unseren Apfelfesten, Sankt-Martins- und Weihnachtsfeiern, ebenso beim Nikolaus. Und weil wir keine gute Busanbindung haben, fahren wir die Kinder auch zum Fußball, Volleyball- oder Schwimmtraining, zur Logopädie oder zum Arzt. Es kann aber auch mal vorkommen, dass wir sie auf dem Traktor eine kleine Runde durchs Dorf mitnehmen.

Für mich ist das hier mehr Berufung als Beruf. Mein Vorgänger war 23 Jahre hier und diese Zahl plane ich auch vollzumachen.

Dorfmeister Frank Olliger

Sie arbeiten nun schon 10 Jahre für das SOS-Kinderdorf Saar. Wie haben Sie diese Zeit erlebt? 

Für mich als gelernter Elektromechaniker war es schon eine Umstellung von meinem früheren Produktionsbetrieb zum SOS-Kinderdorf. Hier ticken die Uhren anders, es dreht sich eben alles um die Kinder. Den Wechsel habe ich aber keine Sekunde bereut. Mein Vorgänger war 23 Jahre hier und diese Zahl plane auch ich vollzumachen. 

Wie erleben Sie die Entwicklung der Kinder? 

Selbst ohne pädagogische Tätigkeit baut man hier Beziehungen zu den Kindern auf. Am Anfang sind sie oft sehr zurückhaltend. Bald aber begrüßen sie mich mit „Hallo Herr Olliger!“ Mit der Zeit werden sie immer aufgeschlossener und wollen beim Apfelkeltern mithelfen oder dabei, Blätter zusammenzukehren. 

Was ist herausfordernd an Ihrer Arbeit und was bereitet Ihnen am meisten Freude? 

SOS-Kinderdorf Saar feiert 60-jähriges Jubiläum

Mit der Zeit werden die Kinder immer aufgeschlossener

Die Dorfmeisterei selbst sehe ich mehr als eine Berufung, die über einen Achtstundenjob hinausgeht. Emotional nehme ich vieles mit nach Hause. Jedes Kind hat ja seine eigene Geschichte, mit der es zu uns kommt. Das kann manchmal recht anstrengend sein. Aber es ist klasse zu sehen, wenn die jungen Menschen ihren Weg finden. Und es ist eine Wahnsinnssache, was die Kinderdorfmütter, Betreuer und Erzieher alles leisten. Wie viel Mühe und Liebe sie in die jungen Menschen stecken.

Welcher konkrete Fall eines Kindes hat Sie besonders berührt? 

Wir hatten mal den Fall eines kleinen Mädchens, das mit etwa vier Jahren zu uns kam. Als ich das Kind so auf einer Bank sitzen sah, habe ich ihr ein Biene Maja-Bilderbuch geholt. Doch was dann geschah, hat mich geschockt: Es hat versucht, die Seite größer zu machen, wie am Handy oder Tablet. Was muss da im Elternhaus los gewesen sein, habe ich mich gefragt? Bald schon konnte ich die positive Entwicklung des Mädchens miterleben, wie es in der Matschanlage gespielt, die Kletterspinne und irgendwann auch die Kreativräume für sich entdeckt hat.

Erinnern Sie sich an einen Vorfall, der Sie besonders zum Schmunzeln gebracht hat? 

Zu uns kam eine fröhliche junge Frau mit lockigen Haaren als Bundesfreiwilligendienstler. Ein kleiner Junge himmelte sie an, traute sich aber nicht, ihr seine Zuneigung zu gestehen. Also bat er mich um Hilfe und so wurde ich auch noch zum Liebesbrief- Überbringer – eine ganz neue Funktion für mich als Dorfmeister. (lacht)

Wie sehen die Beziehungen im SOS-Kinderdorf aus? 

Ich erlebe hier eine große Wertschätzung untereinander. Vor kurzem bin ich 50 Jahre alt geworden. Als Glückwünsche gab es nicht einfach gekaufte Karten, sondern meine Kollegen und die Kinder
haben sie selbst gebastelt und Gedichte geschrieben. An so etwas merkt man: Da ist ein ganz besonderer Zusammenhalt, das kannte ich nicht in dieser Art. Auch unter den Kindern ist das so, die kommen angerannt und helfen, wenn jemand vom Rad gefallen ist.

Was ist für Sie das Schönste hier? 

Neben meiner Arbeit gefällt mir besonders das Miteinander mit den Kindern und Jugendlichen. Die Dorfmeisterei mit ihren ganzen Werkzeugen und Geräten ist für sie immer ein Abenteuer. Wenn sie auf dem Trecker mitfahren dürfen oder die handwerklich Interessierten in der Dorfmeisterei mit mir hämmern und schrauben, dann strahlen ihre Augen – und das ganz ohne Spielekonsole.