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Tierische Helfer: Datscho hilft Kindern und Jugendlichen im Rahmen der tiergestützten Pädagogik
Einblicke: Tiergestützte Pädagogik

Stark dank Datscho

Wenn Datscho Sophia kommen sieht, begrüßt er sie schon aus der Ferne. Mit einem lauten Wiehern läuft der Wallach dann zum Zaun, streckt seinen Kopf nach der 17-Jährigen aus und lässt sich kraulen. Seit sechs Jahren kommt Sophia nun schon regelmäßig zu dem Bauernhof und zwischen ihr und ihrem Lieblingspferd hat sich eine enge Beziehung aufgebaut. Doch mit einer klassischen Reitstunde haben diese Besuche nur wenig gemein. Denn Sophias Ausflüge auf den Reiterhof finden im Rahmen der tiergestützten Pädagogik statt – ein Angebot des SOS-Kinderdorfs Saar, in dem die 17-Jährige seit acht Jahren mit ihren drei Geschwistern lebt.

„Ich komme zweimal die Woche her, aber am liebsten würde ich jeden Tag kommen“, sagt Sophia. Bei den Tieren fühlt sie sich wohl und geborgen, mit Menschen hat der Teenager dagegen nicht nur gute Erfahrungen gemacht. Als sie ins Kinderdorf kam, war Sophia schüchtern. Für sich selber einzustehen und auch mal Nein zu sagen, fiel dem Mädchen sehr schwer. Um an diesen Fähigkeiten zu arbeiten, empfahlen ihre Betreuer deshalb die tiergestützte Pädagogik.

„Am liebsten würde ich jeden Tag kommen“

Denn der Kontakt mit Tieren kann für Kinder und Jugendliche, die sich aufgrund vergangener schlechter Erfahrungen, im Umgang mit Menschen schwer tun, eine gute Übung sein, erklärt Janina Klauck, Fachkraft für tiergestützte Pädagogik bei SOS-Kinderdorf Saar: „Die Grundidee ist, dass Kinder im Umgang mit den Tieren Selbstwirksamkeit erfahren, Selbstbewusstsein aufbauen und positive Bindungserfahrungen sammeln,“ erklärt sie. „Die Arbeit mit den Tieren ist deshalb so wertvoll, weil ihre  Zuneigung und Aufmerksamkeit nicht an Bedingungen geknüpft ist. Sie reagieren stets authentisch und geben ein ganz klares Feedback durch Körpersprache, das für Kinder leicht verständlich ist.“

„Kinder können von Tieren unheimlich viel lernen“

Auf dem Hof, den SOS-Kinderdorf für die tiergestützten Angebote nutzt, leben neben den Pferden auch noch mehrere Meerschweinchen und auch Klaucks eigene Hündin Mali kann, dank einer einjährigen Ausbildung zum Therapiehund,  für pädagogische Zwecke eingesetzt werden. Welches Tier sich am besten eignet, kommt auf das Kind und seine Ausgangssituation an. Die scheuen Meerschweinchen sind zum Beispiel gut geeignet für Kinder, die Schwierigkeiten haben, die Grenzen anderer wahrzunehmen. Denn mit forschem Verhalten kommen sie bei den scheuen Nagern nicht zum Ziel. Mit Hunden kann unter anderem ein souveränes Auftreten und Empathie trainiert werden. „Die meisten Kinder lieben es mit Mali zu tricksen oder einen Parcours zu durchlaufen. Damit das funktioniert brauchen sie eine klare Körpersprache, Geduld und Einfühlungsvermögen für den Hund“, erklärt Klauck.

Und Pferde helfen den Kindern ihre eigenen Grenzen besser einzuschätzen und selbstbewusst für sich einzustehen. „Kommt ihnen ein großes Pferd zu nahe, müssen die Kinder es auch mal wegschicken“, so Klauck. Einige Kinder nutzen die Pferde aber auch, um zur Ruhe zu kommen. „Beim Putzen der Pferde und allgemein beim Kuscheln mit Tieren wird ein wertvolles Bindungshormon ausgeschüttet“, erklärt die Pädagogin.

Wenn Sophia auf den Hof kommt, hilft sie vor allem dabei die Tiere zu versorgen und trainiert Tricks mit Datscho, Reiten spielt eher eine Nebenrolle. Doch auch die sogenannte Bodenarbeit verlangt Sophia viel Souveränität ab. Und Datscho muss der 17-Jährigen vollkommen vertrauen, um sich von ihr durch Parcours und über Hindernisse führen zu lassen. So arbeitet Sophia nicht nur an ihrem Auftreten sondern sammelt auch immer wieder kleine Erfolgserlebnisse: „Wenn Datscho etwas neues hinbekommt, macht mich das immer sehr glücklich und stolz“, sagt sie.

„Ich habe gelernt, nein zu sagen!“

Die Fähigkeiten, die Sophia mit dem Wallach über die Jahre trainiert hat, wendet sie mittlerweile auch immer öfter im Alltag an: „Ich habe gemerkt, dass es ok ist nein zu sagen, wenn ich etwas nicht will“, sagt die 17-Jährige selbst, und auch Janina Klauck sind an dem Teenager Veränderungen aufgefallen: „Wenn man Sophia heute sieht, merkt man, dass sie an Selbstbewusstsein gewonnen hat, ihre Bedürfnisse klarer formulieren und vertreten kann und gelernt hat, sich abzugrenzen“, findet sie.

All das sind Fähigkeiten die Sophia auch auf ihrem weiteren Weg begleiten werden. Denn bald wird sie volljährig und aus dem Kinderdorf ausziehen. Wie es dann weitergeht, weiß sie noch nicht genau, aber einen großen Wunsch hat die 17-Jährige schon jetzt: „Wenn ich meine eigene Wohnung habe, möchte ich auf jeden Fall Tiere haben.“


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SOS-Kinderdorf Saar
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