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Aktuelles

PART-Training im SOS-Kinderdorf Saar

23. Juni 2021

Professionell handeln in Gewaltsituationen (PART):
ein Training zur Verbesserung der Arbeitssicherheit

„Das Training hat mir sehr geholfen, einen klaren Blick für die Wahrnehmung und Interpretation zu gewinnen sowie auch für meine eigene Handlungssicherheit“

Mit diesem Feedback ging eine Kollegin nach zwei vollen Tagen PART-Training unter besonders herausfordernden, coronabedingten Einschränkungen aus dem Schulungsraum. Sie hatte die Möglichkeit, zusammen mit anderen neun Teilnehmenden in Ruhe anhand des PART Trainings ihr eigenes, professionelles Handeln in ihrer Arbeit zu reflektieren. Sie konnte Neues lernen, Altbewährte Handlungsansätze wiederbeleben und sich mit anderen über bereits erlebte, krisenhafte Situationen in ihrer Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen austauschen.

Fachdienstmitarbeiterin und Part Trainerin Steffi Pfaff unterstützte den Referenten beim Training vor Ort

Fachdienstmitarbeiterin und Part Trainerin Steffi Pfaff unterstützte den Referenten beim Training vor Ort

Konkret ging es um die alltägliche Arbeit in den Wohngruppen und Kinderdorffamilien, wenn die allgemeinen sowie auch die auf das einzelne Kind abgestimmten Handlungsweisen nicht mehr greifen und ausreichen. Wenn ein Notfallplan für krisenhafte Situationen da sein muss, aber keiner vorhanden ist.

Hintergrundinformationen zu PART

PART - „professional assault response training“ oder „Professionell handeln in Gewaltsituationen“ - ist ein über mittlerweile 40 Jahre erprobtes und evaluiertes Trainingskonzept ursprünglich aus der Psychatrie in Amerika, das in den 1990er nach Deutschland kam und hier in verschiedenen sozialpädagogischen Arbeitsfeldern Fuß gefasst hat. Es hat unter den gängigen „Deeskalationskonzepten“, die in Deutschland geschult werden, seine größte Stärke im präventiven und somit schützenden Bereich in der Interaktion zwischen dem Betreuten und dessen BetreuerIn/ BegleiterIn.

Somit ist das Training auch in der Arbeitssicherheit eines jeweiligen Trägers angesiedelt und wird bestenfalls bereichsübergreifend geschult mit dem Ziel, dass in Krisensituationen zum einen ruhig, bedacht und professionell gehandelt werden kann und zum anderen die Würde und Sicherheit für Klienten und Mitarbeitende erhalten bleibt.

PART setzt in seinen 10 aufeinander aufbauenden Kapiteln an bei der Motivation der MitarbeiterInnen: die eigene Motivation, die eigene innere Einstellung und Haltung als den tragenden Baustein innerhalb der eigenen Arbeit zu begreifen ist erster Schritt in der Vorbereitung der täglichen Arbeit. Darauf aufbauend geht es um das eigene persönliche Auftreten, die eigene Stimmung, die eigene Professionalität und wie diese im Arbeitsalltag wirken können.

In der Vorbereitung auf den täglichen Dienst geht es z.B. um Fragen wie: „Wie bin ich gekleidet? Kann meine Kleidung mir hinderlich sein, wenn ich in den Nahkontakt zu einem Kind aufgrund einer Krise gehen und handeln muss?

Im Bereich der vorausschauenden Vorsichtsmaßnahmen geht es z.B. um all die Informationen, die ich über sich potentiell krisenhaft entwickelnde Situationen in meinem Dienst haben muss? Wer ist im Nachbarhaus im Dienst, wenn ich alleine bin und ein Kind in meiner Gruppe habe, dass in Laufe meines Dienstes all meine Aufmerksamkeit benötigt, wenn es sich in eine krisenhafte Situation schaukelt?

Die ursprüngliche, tatsächliche Beobachtung der zu betreuenden Kinder, deren aktuelles Befinden zu eruieren ohne zu beurteilen und die eigene Beobachtungsgabe immer wieder zu schulen ist ein weiterer Baustein zur Erhöhung und zum Beibehalten der eigenen Selbstsicherheit und Selbstkontrolle.

Selbstkontrolle und Krisenintervention- die Herzstücke des Konzeptes- wurden zusammen mit 7 Erklärungsmodellen, was potentiell gewaltbereiteres Handeln begünstigen kann vorgestellt, in Erinnerung gerufen und in Beispielen der eigenen Praxis bearbeitet. Anhand von klar definierten Gefahrengraden lernten die TeilnehmerInnen, wann welche Intervention in ihrem Handeln umgesetzt werden muss, um in der eigenen Handlungssicherheit bleiben zu können.

Der Leitsatz ist durchgehend: die Würde und Sicherheit der Klienten und der MitabeiterInnen aufrecht zu erhalten.

Je länger man in seiner Selbstkontrolle bleiben kann und mit dem sich in der Krise befindenden Gegenüber nicht mitschwingt und gleichzeitig in der Krisenkommunikation bleibt, kann die Kontrolle über das eigene Handeln und die Situation bestehen bleiben. Nach der Reflektion eigener vergangener Situationen, die in der Arbeit erlebt wurden, konnten erste konkrete Handlungsweisen für den ureigenen Selbstkontrollplan entwickelt werden.

Am Folgetag ging es in den Handlungsrahmen der Krisenintervention als zweites Herzstück des Konzeptes. Darin wurden zunächst drei Gefahrengrade für ein potentiell aggressives und gewaltbereites Verhalten vorgestellt und anhand von bereits erlebten Situationen im Plenum besprochen und reflektiert. Selbstschutz- und Befreiungstechniken, die ebenfalls auf dem Grundsatz Würde und Wiedererlangung von Sicherheit für alle Beteiligten beruhen, wurden kurz vorgestellt und für das praktische Einüben aufgrund der coronabedingten Abstandsregeln auf einen späteren Termin Anfang Sommer 2021 gelegt.

Die Schritte der Nachsorge in Form einer schriftlichen Dokumentation, die Nachbesprechungen mit Klient und Team sowie die Mitarbeiterfürsorge rundeten mit sehr engagierten und interessierten TeilnehmerInnen die Schulung des PART Konzeptes in drei Schulungsblöcken zu je zwei Tagen ab.