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Niklas Friedel, Erzieher im SOS-Kinderdorf Niederrhein
Arbeiten als Erzieher

„Hier will ich hin – hier will ich bleiben“

Niklas Friedel ist seit 2011 Erzieher im SOS-Kinderdorf Niederrhein. Als Teamleiter der Intensivwohngruppe ist ihm eine tragfähige Beziehung zu den Kindern und Jugendlichen, die im Kinderdorf aufwachsen, ganz besonders wichtig. 


Wenn Niklas Friedel über seinen Job erzählt, strahlt er über sein ganzes Gesicht, seine Augen leuchten und das, obwohl er über Wutausbrüche berichtet, über körperliche und verbale Angriffe, die ihn in den letzten Jahren zwar nicht häufig, aber doch immer mal wieder getroffen haben. Und über Schicksale, die ihm beim Abendbrot von den Kids und Jugendlichen quasi aufgetischt werden, als würden sie über das letzte Fußballspiel mit Freunden berichten. Nur, dass es nicht ums Fußball spielen geht, sondern um Vernachlässigung, Überforderung oder auch Gewalt, die sie in jungen Jahren vor ihrer Zeit im Kinderdorf durchlebt haben.

Das Leben in die eigene Hand nehmen

Schon mit 21 Jahren kam Niklas Friedel nach seiner Ausbildung zum Erzieher, die er am Berufskolleg in Bocholt und bei einer Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe in Wesel absolvierte, ins SOS-Kinderdorf. Nebenberuflich hat er den Bachelor im Bereich Gesundheit und Soziales an der FOM Hochschule für Ökonomie und Management in Duisburg absolviert. Im Kinderdorf leitet der heute 30-Jährige das Team von Haus p, der Intensivwohngruppe, in der psychisch belastete und traumatisierte Kinder und Jugendliche leben. In Haus p kümmern sich sechs Pädagog*innen im Schichtdienst, eine studentische Hilfskraft und eine Reinigungskraft um das Wohl der sieben Kids im Alter zwischen fünf und 18 Jahren. Für Niklas Friedel ist klar, was der pädagogische Auftrag ist: „Wir wollen den Kindern und Jugendlichen die Sicherheit geben, die sie in ihren ersten Lebensjahren nicht bekommen haben. Unser Ziel ist es, dass sie ihr Leben trotz ihrer schlechten Startchancen so eigenständig wie möglich in die Hand nehmen können.“

Das SOS-Kinderdorf arbeitet in seinen Wohngruppen mit dem Bezugserziehersystem. Mit sehr viel Geduld und Professionalität bauen die Pädagog*innen eine tragfähige und belastbare Beziehung zu den häufig traumatisierten Kindern auf. Jedes Kind hat eine Person, die sich ganz besonders kümmert.

„Ich bin ein Beziehungsmensch“

Das erste Bezugskind von Niklas Friedel war damals zwölf Jahre alt, in der geistigen Entwicklung beeinträchtigt. Der Junge habe gerne alle aufgemischt und hatte doch das Herz am rechten Fleck. „Heute ist er erwachsen und lebt in einer anderen Einrichtung, aber wir sind immer noch miteinander verbunden, er fragt mich um Rat und ich bin weiter für ihn da.“ Zu jung habe sich Niklas Friedel damals nicht gefühlt. Schon als Pfadfinder und in der Jugendarbeit habe er früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen und Gruppen anzuleiten. Und es war ihm von Anfang bewusst, dass es um die Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit schwierigen Vergangenheiten geht.

Dass ihm die Kinder- und Jugendhilfe liegt, hatte er bei Praktika und im Anerkennungsjahr in einem Kinderheim festgestellt: „Ich bin ein Beziehungsmensch und kann Beziehung auch vermitteln.“ Zum Berufsstart bekam er dann den Tipp einer Freundin, sich doch beim SOS-Kinderdorf in Kleve zu bewerben. Bei der Hospitation war für ihn klar: „Hier will ich hin, hier will ich bleiben“.

In Materborn an der Kuhstraße hat er seine berufliche Heimat gefunden, privat lebt er mit seiner Frau in Bocholt, wo er auch aufgewachsen ist: „Im Kinderdorf haben mich die familiäre und offene Atmosphäre, die ländliche Lage am Reichswald und der einladende Charakter des Dorfes total angesprochen. Hier ist jede Kinderdorffamilie, jede Wohngruppe im eigenen Haus für sich, die Kids haben ihr eigenes Zimmer, Individualität wird gefördert. Und doch sind wir eine Gemeinschaft, die einander unterstützt, zusammen Feste feiert und das Miteinander hochhält.”

„Kindern eine Stimme geben“

Für die Kids würde mit Fußball- und Tanz-AG, Kreativem Werken und einer hauseigenen Fahrradwerkstatt jede Menge im geschützten Rahmen geboten. Als Mitarbeiter schätze er die vielen Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie die regelmäßigen Teambesprechungen. „Auch im Bereich Beteiligung sind wir recht weit. So kann jeder über alle Hierarchieebenen hinweg seine Ideen und Vorschläge äußern. Wir versuchen, die Herkunftsfamilien bestmöglich einzubinden und die Kids füllen im Hilfeplangespräch, bei dem Jugendamt, Fachkräfte, Sorgeberechtigte und Kinder an einem Tisch sitzen, auch eigene Kinderfragebögen aus.“ Dies sei ein wichtiges Instrument, um Kinder in ihrer Lebenslage ernst zu nehmen und ihnen eine Stimme zu geben. 

Und wenn diese Stimme auch mal in stressigen oder belastenden Situationen lauter würde, Niklas Friedel stört das nicht: „Nur weil wir einmal streiten, stelle ich nicht die ganze Persönlichkeit eines Kindes in Frage. Viel wichtiger ist es, dass es uns als Pädagogen gelingt, eine belastbare Beziehung aufzubauen. Denn sie ist es, die Halt gibt und trägt.“ Und wenn dann am Abendbrottisch die Kids stolz von ihren Erlebnissen des Tages berichten, sei es vom Tanzen, von der Schule oder auch vom Fußball spielen mit Freunden, dann leuchten nicht nur die Augen der Kids, sondern auch die von Niklas Friedel. 

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