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Zum Heranwachsen und Wohlfühlen.

21. März 2019

An der Kermisdahlstraße 1 zieht das SOS-Kinderdorf mit Gruppen ein.

Von Sabrina Peters // www.niederrhein-nachrichten.de

Die Lage ist die Gleiche, ihr neues Zuhause wird aber wesentlich größer und moderner sein: Sechs junge Erwachsene zwischen 18 und 20 Jahren, die derzeit in einer Einrichtung des SOS-Kinderdorfes Niederrhein an der Kalkarer Straße 2 leben, können bald in den Neubau an die Kermisdahlstraße 1 ziehen. Dort entstehen nämlich für sie unter anderem sechs Einzelappartements. Der Rohbau ist bereits fertig. Bauherr und Vermieter Rolf Schmitz aus Kleve hat den Schlüssel zum neuen Wohngebäude schon an SOS-Einrichtungsleiter Peter Schönrock übergeben.

Schlüsselübergabe

Bauherr Rolf Schmitz (3. v.l.) übergibt den Schlüssel an SOS-Einrichtungsleiter Peter Schönrock (4. v.l.)

Das SOS-Kinderdorf Kleve hat die Immobilie langfristig angemietet. Sie wurde sogar extra für ihre Zwecke gebaut. „Wir haben geschaut, dass wir aus der uns zur Verfügung stehenden Fläche das Maximale an praktischem Wohnraum rausholen. Dass rundherum bereits Häuser standen und wir dadurch natürlich Abstände einhalten mussten, war die Herausforderung an der Planung“, sagt Architekt Michael Rau. Auf der insgesamt 680 Quadratmeter großen Nutzfläche entstand ein dreieinhalbgeschossiger Wohngebäudekomplex, der den Kindern und Jugendlichen ideale Bedingungen zum Heranwachsen schafft.

Jede Etage wird vom SOS-Kinderdorf in Zukunft individuell genutzt. Unterm Dach gibt es Platz für Bürotätigkeiten der beiden Sozialpädagoginnen, Beratungsgespräche und gemeinsame Treffen mit den jungen Erwachsenen der Verselbständigung. „In diesem Raum können sich alle jungen Erwachsenen, die bei uns in der Verselbstständigung sind, auch mal zusammentreffen und zum Beispiel eine Fußball-Weltmeisterschaft gemeinsam schauen“, sagt Sozialpädagogin Inge Walter. Und führt weiter aus: „Die Jugendlichen sollen in der Verselbstständigung lernen, wie sie ein eigenes Leben führen können mit allem was dazu gehört. Also von der Verwaltung der Finanzen bis hin zum Kochen“, sagt Walter.

SOS-Mitarbeiterinnen Bianca Turek (links) und Inge Walter

Freuen sich schon auf die neuen Räumlichkeiten – die SOS-Mitarbeiterinnen Bianca Turek (links) und Inge Walter

Auf der zweiten Etage befinden sich die sechs Appartements für die Jugendlichen zwischen 18 Jahren und Anfang 20, die in der Verselbstständigung beim SOS-Kinderdorf leben. Die 20 bis 22 Quadratmeter großen Appartements verfügen jeweils über ein Badezimmer und einen Wohnraum mit Küche. Auf den Fluren befinden sich zudem kleine Abstellräume für das Unterbringen von Haushaltsutensilien aller Art. Große Fenster bringen viel Licht in die Räume. Einige ermöglichen sogar einen Blick draußen auf die Klever Schwanenburg.

Dass alle Räume hell und gemütlich gestaltet werden, lag dem Team vom SOS-Kinderdorf Niederrhein besonders am Herzen. „Wenn die jungen Erwachsenen am Ende zu uns sagen, dass das ihr Zuhause ist, dann ist das ein wunderschönes Gefühl. Denn wenn sie das sagen, dann meinen sie das auch so“, sagt Bianca Turek, ebenfalls Sozialpädagogin in der neuen Einrichtung an der Kermisdahlstraße 1. Ebenfalls wichtig war den Verantwortlichen auch die Lage, die sehr zentral liegen sollte. „Für junge Erwachsene ist die Nähe zur Innenstadt im Verselbstständigungsprozess besonders wichtig. Sie sollten die Möglichkeit haben, die Innenstadt und eine Bushaltestelle etwa für den Weg zur Ausbildungsstelle fußläufig erreichen zu können“, sagt Turek. All‘ das sei an der Kermisdahlstraße 1 gegeben.

Wohngebäudekomplex Kermisdahlstraße 1

Der Wohngebäudekomplex bietet für das SOS-Kinderdorf optimale Bedingungen – auf aufgrund der Nähre zur Kleves Innenstadt.

Diese zentrale Lage sei insbesondere auch für die Arbeit in der weiteren Wohngruppe von Bedeutung, die ebenfalls im neuen Wohngebäudekomplex einziehen wird. Diese Wohngruppe richtet sich an zwölf bis 17-jährige Jugendliche, „die zum Beispiel in ihrem Elternhaus gerade eine schwierige Zeit haben und deshalb zu uns kommen“, sagt Bereichsleiter Clemens Selter. Schwerpunkt der Arbeit in diesem Bereich sei die Rückführung ins Elternhaus, weshalb manche Jugendliche auch nur für einige Monate einziehen werden. „Für uns ist an dem neuen Gebäude aber auch schön, dass Jugendliche, die nicht zurück ins Elternhaus wollen, eine Etage höher in die Verselbstständigung ziehen können und dabei in ihrer gewohnten Umgebung bleiben“, sagt Selter. Das erleichtere die Arbeit insgesamt enorm.

Ein Team aus fünf pädagogischen Fachkräften (Sozialpädagogen und Erziehern) kümmern sich im Schichtdienst rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr um bis zu sieben Jugendliche. Jedem Bewohner steht jeweils ein 13 bis 16 Quadratmeter großes Zimmer zur Verfügung. Außerdem gibt es zwei Schlafbereiche für Eltern, die das Wochenende mit ihrem Kind verbringen.

Im Erdgeschoss können sich die Jugendlichen der Wohngruppe nach Herzenslust aufhalten. Hier gibt es reichlich Platz für Gemeinschaftsaktivitäten und zum Kochen. „Unter der Woche, wenn die Jugendliche zur Schule gehen und ihre Hobbys betreiben, kocht eine Hauswirtschafterin für sie das Mittagessen. Am Wochenende sollen die Jugendlichen aber auch gemeinsam kochen, um es zu lernen“, sagt Selter. Der Außenbereich soll bis zum Sommer außerdem noch fertiggestellt werden.

Bereichsleiter Clemens Selter und Einrichtungsleiter Peter Schönrock des SOS-Kinderdorfs Niederrhein

Bereichsleiter Clemens Selter (links) und Peter Schönrock, Einrichtungsleiter des SOS-Kinderdorfs Niederrhein, schauen sich die Zimmer der neuen Wohngruppe für 12 bis 17-Jährige an.

Für das Haus an der Kalkarer Straße 2, in dem bisher die jungen Erwachsenen der Verselbstständigung in Wohngruppen gelebt haben, wird das SOS-Kinderdorf Niederrhein übrigens weiterhin Mieter bleiben. Es gibt auch schon Ideen, wie sie das Objekt künftig nutzen wollen. „Die jungen Erwachsenen bei uns aus der Verselbstständigung sollen ja irgendwann in ihre eigenen Wohnungen ziehen. Leider war es in der Vergangenheit oft so, dass sie es im hart umkämpften Wohnungsmarkt schwer hatten. Deshalb würden wir dort gerne Wohnungen für sie errichten“, sagt Einrichtungsleiter Peter Schönrock. Derzeit werde noch an einem Konzept zusammen mit Bauherr und Eigentümer Rolf Schmitz gefeilt.

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