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SOS-Umschulungen in Kleve

13. September 2018

[---Image_alt---] Foto von der NRZ

Wilhelmin van Lutterveld, Hallit El Bachiri, Daniel Decker und Koordinatorin Petra Dicks (von links) im Schulungsraum.

Das SOS-Kinderdorf schult Erwachsene jetzt auch zu Kaufleuten für Büromanagement um. Teilnehmer: „Es ist ein guter Anfang.“

Wilhelmin van Lutterveld hatte angefangen, Wirtschaftspädagogik zu studieren, machte ein Auslandssemester, traf die Liebe, heiratete, fuhr um die Welt, lebte zwölf Jahre in Brasilien. „Als ich dann wieder nach Deutschland zurück kam, musste ich feststellen, dass ich ‘ungelernt’ bin“, erzählt die weltgewandte Frau. Drei Jahre lebt sie nun in Kleve, ihr Mann arbeitet in den Niederlanden. Da hörte sie von ihrer Nachbarin Bouchra El Bachiri Hallit, dass das SOS Kinderdorf professionelle Umschulung zu „Kaufleuten für Büromanagement“ anbiete. Beide Frauen haben es gewagt, beide haben jetzt bestanden. Insgesamt 17 haben begonnen, alle haben es geschafft.

Die Ansprüche sind hoch

„Kaufleute für Büromanagement’ hört sich einfach an“, findet Kurs-Kollege Daniel Decker. Aber die Ansprüche sind hoch. Die Umschüler lernen in zwei Jahren, was drei Jahre Ausbildung für junge Leute beinhalten und machen die gleiche IHK-Prüfung. Andererseits erlebten die drei auch: „Bessere haben Schwächere mitgezogen“, schildert Wilhelmin van Lutterveld.

Bouchra El Bachiri Hallit hatte in Spanien vor 20 Jahren den Beruf der Bekleidungstechnikerin erlernt, kam 1997 nach Deutschland, bekam drei Kinder, war zwölf Jahre aus dem Beruf raus. „Als Mutter fühlte ich nicht die Wertschätzung.“ Nach zwei Jahren Ausbildung habe sie nun aber das Gefühl von Erfolg.

„Mit kleinen Kindern war ich in der ersten Woche der Umschulung abends einfach platt“, gesteht sie. „Mir ging es nicht anders und ich habe keine Kinder zu Hause,“ ergänzt Daniel Decker. „Wenn man eine Zeit lang nicht in der Schule war, muss man den Kopf erst wieder auf ‘Aufpassen’ stellen“, beschreibt er.

Decker kommt aus Baden-Württemberg, machte seinen Realschulabschluss, ging in die Kfz-Lehre. „Das war nicht mein Job!“ stellte er fest. Er machte das Fachabitur in Sozialwesen, ging ein halbes Jahr nach Kanada, jobbte in Zeitarbeit. Jetzt also absolvierte er noch eine Ausbildung. „Das Kaufmännische macht mir im Vergleich zu Kfz wesentlich mehr Spaß. Wo das hinführt... lassen wir uns überraschen.“

Zumindest während der Umschulung aber „muss man ein Ziel vor Augen haben,“ ist Bouchra El Bachiri Hallit sicher. „Es geht um die Motivation“.

Petra Dicks, Koordinatorin der Maßnahme, bestätigt: „Es ist so ausschlaggebend im Erwachsenen-Bildungsbereich. Wer keine persönliche Motivation hat, für den ist es ratsam, eher nicht teilzunehmen“. Wer es aber tut, dessen Entwicklung sieht sie mit Freuden: „Selbstzweifel verschwinden mit der Erfahrung. Es ist schön zu sehen, wie die Menschen sich geben, wenn sie etwas erreicht haben.“

Decker sagt: „Das hier macht man nicht ‘just for fun’, sondern weil man es absolvieren will“. Und van Lutterveld ergänzt: „Es ist ein guter Anfang, sich an einen Arbeitsrhythmus zu gewöhnen.“

Sein Chef im Praktikum – das zur Umschulung gehört – hatte Daniel Decker geraten, so gut wie möglich die Prüfung abzuschließen, weil er mit jungen Azubis auf dem Arbeitsmarkt konkurrieren werde. Andererseits: „Wir setzen etwas mehr Lebenserfahrung gegen deren Berufserfahrung“, weiß Decker.

Wegen der „Werteveränderung und Sozialstrukturveränderung“ in der Gesellschaft suchten Betriebe oft gern nach älteren Arbeitnehmern, bestätigt Petra Dicks. „Es gibt immer wieder Firmen, die auch von sich aus bei uns nach Praktikanten anfragen“. Die Schüler der Maßnahme waren bisher zwischen 22 und 50 Jahre alt.

Daniel Dicks rät: „Wenn man die Möglichkeit hat, egal in welchem Alter, würde ich solch eine Umschulung empfehlen. Es ist vielleicht die zweite Chance oder ein zweites Standbein, besonders für Leute, die lang aus dem Beruf raus sind“.

Wer gerne im Büro arbeitet, organisiert, Termine koordiniert, Besprechungen vorbereitet und Schriftverkehr erledigt, kann sich zum Kauffrau/zum Kaufmann für Büromanagement umschulen lassen. Beate Koppers, Bereichsleiterin Berufliche Bildung beim SOS-Kinderdorf Niederrhein, erklärt: „Wer die Umschulung erfolgreich absolviert hat, kann sich auf Sekretariats- und Assistenzstellen bei Unternehmen und in der Verwaltung bewerben“, in Industrie, Handel, Handwerk und dem öffentlichen Dienst.

Umschulung wird gefördert

Die Umschulung wird mit einem Bildungsgutschein von der Agentur für Arbeit, dem Jobcenter oder der Deutschen Rentenversicherung gefördert. Die Umschulung läuft 24 Monate wochentags 8 bis 15 Uhr inclusive zwei mal drei Monate Praktikum mit einem Berufsschultag wöchentlich. Dem SOS-Kinderdorf ist es ein Anliegen, die berufliche Qualifikation weiter mit eigenen Angeboten zu verzahnen, zum Beispiel mit der Kinderbetreuung an der Kalkarer Straße. Nach der Ausbildung gehört eine Nachbetreuung durch die Berufliche Bildung / SOS Kinderdorf dazu.

Quelle: Astrid Hoyer-Holderberg, Neue Rhein Zeitung, https://www.nrz.de/staedte/kleve-und-umland/sos-schulungen-in-kleve-id215023545.html


Anmeldungen noch bis Ende September 2018 möglich

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