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Aktuelles

Digital lernen und zu Hause kochen

11. Mai 2020

Wie die Schulmensa in Kevelaer mit alternativen Lernformen ihre Aus- und Weiterbildungsangebote organisiert

Wer am Vormittag die Schulmensa in Kevelaer betritt, hört in normalen Zeiten die Kochlöffel klappern, das rhythmische Tackern der Schneidemesser auf den Küchenbrettern rattern und das emsige Treiben der Auszubildenden, Umschüler und Teilnehmenden in der Berufsvorbereitung. Sie alle packen tatkräftig in Küche und Hauswirtschaft an, um im Regelbetrieb bis zu 700 Schulessen pro Tag frisch zuzubereiten und an die Schülerinnen und Schüler des Schulzentrums auszugeben. Doch seit Mitte März ist es ruhig geworden in der Mensa, der Publikumsverkehr zum Schutz vor der Ausbreitung des Coronavirus auf Eis gelegt.

Einmal wöchentlich gibt es frische Warenkörbe für zu Hause

Ganz und gar nicht auf Eis gelegt wurden jedoch die Aus- und Weiterbildungsangebote, die das SOS-Kinderdorf Niederrhein als Betreiber der Mensa hier für Jugendliche und junge Erwachsene mit besonderen Bedarfen anbietet. „Wir haben unsere Lehrgänge digitalisiert und die Praxisanteile nach Hause verlagert. Wir geben einmal wöchentlich Warenkörbe mit frischen Zutaten aus. Unsere Jugendlichen und jungen Erwachsenen bereiten dann die Mahlzeiten nach einer Anleitung zu, fotografieren ihre Ergebnisse und schicken sie uns zu“, erklärt Ausbilder und Arbeitspädagoge Peter Becker.

Bereichsleiterin Sabine Hanke ergänzt: „In Rücksprache mit unseren Kostenträgern wie der Agentur für Arbeit und den Jobcentern haben wir all unsere Bildungsangebote auf alternative Lernformen umgestellt. Das gilt zum Beispiel auch für unser Projekt ‚Fit durch den Arbeitsalltag‘, das wir normalerweise  gleich nebenan in den Gebäuden der ehemaligen Virginia-Satir-Schule anbieten“. Auch hier bekommen die Teilnehmer*innen einen Warenkorb überreicht. Denn wie man sich gesund ernährt, steht auch dort weiterhin auf dem Programm.

Wertschätzende Rückmeldung per Telefon und Email

Neben den Warenkörben gibt es Arbeitsaufträge per Email, deren Ergebnisse dann telefonisch besprochen werden. Jeder Teilnehmende erhält so regelmäßig eine wertschätzende Rückmeldung. Das ist Ausbilderin Heidi Korgel ganz besonders wichtig: „Wenn ein Teilnehmer viele Rückfragen hat, dann weiß ich, dass er meine Unterstützung besonders braucht. Und die bekommt er dann auch. Denn das, was wir normalerweise im laufenden Betrieb an persönlicher Begleitung und Vermittlung von Fachkenntnissen leisten, müssen wir jetzt anders organisieren. Gerade unsere Teilnehmenden, die häufig psychische Erkrankungen oder Lernschwierigkeiten haben, brauchen Struktur, Regelmäßigkeit und individuelle Hilfe.“

Das sagen auch die Teilnehmenden selbst. Sabine Stahl ist eine von ihnen. Sie steht kurz vor dem Abschluss ihrer Umschulung zur Hauswirtschafterin, Mitte Mai finden die Prüfungen statt. Die 48-Jährige ist gelernte Fleischereifachverkäuferin und hatte seit ihrer ersten Ausbildung nicht mehr die Schulbank gedrückt. „Ich musste erst das Lernen wieder lernen und dabei hat mir meine Ausbilderin Heidi sehr geholfen. Jetzt in der Coronazeit war das schon eine große Umstellung für mich, zu Hause die Aufträge zu erledigen.“ Geschafft hat sie es trotzdem, auch dank der Warenkörbe, die sie für die Praxisaufgaben wöchentlich abgeholt hat. So hat sie in der eigenen Küche ein Drei-Gänge-Menü gezaubert: Spargelcremesuppe, Zander mit Schmörkes und ein Erdbeerdessert mit Haselnussstreuseln.

Hygienemaßnahmen einüben

Zum Wochenbeginn wurden die Vorgaben seitens der nordrhein-westfälischen Landesregierung für berufliche Bildungsangebote gelockert. Die Teilnehmer*innen beim SOS-Kinderdorfs Niederrhein dürfen jetzt wieder bei Einhaltung aller Hygienevorgaben zum Praxisunterricht erscheinen. „Für uns als Ausbilder*innen und Anleiter*innen ist klar, dass wir tageweise mit Kleingruppen starten und zu Beginn erst einmal die neuen Hygienevorschriften vermitteln und trainieren“, sagt Heidi Korgel und erklärt weiter: „Wir zeigen auf, wie breit 1,50 Meter Abstand sind, was unsere neuen Laufwege sind und wie wir die Arbeitsplätze in der Küche gestalten, damit auch dort ausreichend Abstand gewahrt werden kann.“

Wann der reguläre Mensabetrieb wieder aufgenommen wird, ist noch unklar. Aber spätestens dann werden die Schülerinnen und Schüler des Schulzentrums wieder Kochgeschirr klappern und Küchenmesser rattern hören.