Zum Warenkorb 0

Zum Warenkorb hinzugefügt:

Schutzgebühr:

Zum Warenkorb
Aktuelles

Corona-Pandemie mit Nebenwirkungen

19. Juli 2021

„Endlich einmal feiern dürfen“, wünscht sich Vanessa*, die während der Corona-Pandemie 16 Jahre alt geworden ist. Eigentlich dürfte sie jetzt an Wochenenden bis Mitternacht mit Freundinnen und Freunden eine Diskothek besuchen. Natürlich würde sie dabei nicht über die Stränge schlagen wollen, wie sie gleich hinzufügt, aber einfach mal das erleben, was man mit 16 sonst so macht. Doch Partys sind im Moment nicht angesagt.

Home-Schooling: Ein ständiges Hin und Her

Die Schülerin einer Klever Gesamtschule wächst gemeinsam mit fünf Kindern und Jugendlichen in einer Kinderdorffamilie im SOS-Kinderdorf in Kleve-Materborn auf. Während der Corona-Pandemie hat sie auch ihren Abschluss nach der zehnten Klasse gemacht und nimmt jetzt Kurs auf das Abitur. „Die Abschlussarbeiten waren durch das Home-Schooling schon stressig für mich. Obwohl wir ja mehr Präsenzunterricht als die anderen Jahrgänge hatten, war es ein ständiges Hin und Her. Mal ein paar Stunden Schule, dann war die andere Gruppe dran und dann wieder meine Gruppe. Wir haben uns zwar erst über das Home-Schooling gefreut, aber dann schnell gemerkt, dass richtige Schule besser ist.“

Auch für die 15-jährige Elvira* war das Home-Schooling eine Umstellung. Sie geht in die achte Klasse und wächst in der Jugendwohngruppe des SOS-Kinderdorfs auf. „Im ersten Lockdown gab es zwar viele Aufgaben, aber wenig Kontakt zu den Lehrern. In der ganzen Zeit haben mir am meisten meine Freundinnen gefehlt. Manche Freundschaften haben durch die Distanz aber auch abgenommen“, wie sie kritisch feststellt. Schade sei auch gewesen, dass sie ihren Freund eine Zeitlang nicht sehen konnte. „Aber das ist jetzt ja zum Glück wieder möglich“, sagt Elvira erleichtert.

Die Corona-Zeit wird Kinder und Jugendliche nachhaltig prägen

Für Erzieherin Sabine Naumann ist die Corona-Zeit eine Phase, die Kinder und Jugendliche nachhaltig prägen wird: „Ich denke, dass die Mädchen und Jungen jetzt auf viele Dinge anders schauen. Wir hatten auf einmal viel mehr Zeit mit- und füreinander, weil ganz viele Termine weggefallen sind. Und auch Schule macht ja nicht nur Spaß, sondern kann auch Druck erzeugen und belastend sein.“ Die Teamleiterin einer altersgemischten Wohngruppe arbeitet seit 31 Jahren im Kinderdorf. „Nicht nur die Kinder mussten sich umstellen, sondern auch wir Pädagogen. Als Team haben wir uns zu Beginn neu organisiert. Mit mehr Personal für den Vormittag konnten wir die Kinder bei ihren Aufgaben besser unterstützen. Zudem haben wir auf Nachhilfskräfte zurückgegriffen, die die Einrichtung schon früh organisiert hatte.“ Naumann weiter: „Bei uns war nie ein Kind alleine. Wir sind rund um die Uhr im Dienst. Das unterscheidet uns natürlich von Familien, in denen die Eltern berufstätig sind. Und trotzdem war für uns alle die schwierigste Zeit kurz vor Weihnachten. Während wir zu Beginn der Pandemie noch mit ganz vielen kreativen Aktionen ein Wir-Gefühl geschaffen haben, ein Gefühl, dass wir es gemeinsam schaffen werden, war es im Winter durch die lange Lockdown-Zeit für uns alle belastend und bedrückend. Aber auch diese Zeit haben wir im Nachhinein betrachtet, gut hinbekommen.“

68010_Erzieherin Sabine Naumann (l) und Einrichtungsleiter Peter Schönrock (m) mit zwei Jugendlichen aus dem Kinderdorf (2).jpg

Erzieherin Sabine Naumann (links) und SOS-Einrichtungsleiter Peter Schönrock (Mitte) meistern die Corona-Pandemie gemeinsam mit den Kindern und  Jugendlichen, die im SOS-Kinderdorf Niederrhein aufwachsen.

Im Kinderdorf haben die Kinderdorffamilien und Wohngruppen in den Lockdown-Zeiten jeweils in den Gruppen für sich gelebt. Später durften die Kinder einen festen Spielpartner in einer anderen Gruppe haben. Jetzt, wo Lockerungen möglich sind, gibt es auch wieder mehr Besuche und Aktivitäten außer Haus. „Den Kontakt zu den Herkunftsfamilien haben wir allerdings schnellstmöglich aufgenommen, auch mit Testungen oder Treffen auf Abstand“, wie Einrichtungsleiter Peter Schönrock betont. Er findet ohnehin, dass „die Kinder und Jugendlichen, die Herkunftsfamilien, aber auch unsere Pädagoginnen und Pädagogen, die Corona-Zeit herausragend meistern.“ Bei einem Infektionsgeschehen in einer Wohngruppe sei das infizierte und geimpfte Personal freiwillig in eine bis zu 14-tägige Arbeitsquarantäne mit den Kindern gegangen, hätten sie versorgt und betreut. „Das ist alles andere als selbstverständlich.“

Unterstützung von Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Familien

Die Kolleginnen und Kollegen anderer Bereiche seien ebenso engagiert, um bestmöglich Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Familien zu unterstützen. In der Beruflichen Bildung habe man mit alternativen Lernformen wie Online-Unterricht und Spaziergängen den Kontakt zu den Teilnehmenden gehalten, im Kinder- und Jugendcafé Hope in der Klever Unterstadt habe es immer wieder wechselnde Aktionen an der Café-Türe und Einzelberatungen gegeben, um Kinder und Jugendlichen einen festen Programmpunkt für den Tag anzubieten. Für Viele der einzige Moment, die eigenen vier Wände zu verlassen und rauszugehen an die frische Luft. 

In einer der beiden Kitas des Sozialträgers gab es im vergangenen Herbst ein größeres Infektionsgeschehen, Kinder und Erzieherinnen waren betroffen. „Als Arbeitgeber ist es schmerzhaft zu sehen, dass einige Beschäftigte noch heute mit Long-Covid-Folgen zu kämpfen haben“, so Schönrock. Es sei für alle eine Erleichterung gewesen, als die pädagogischen Fachkräfte schon recht früh geimpft werden konnten. Inzwischen haben alle SOS-Mitarbeitenden ein Impfangebot erhalten und die meisten hätten es wohl auch wahrgenommen, wenngleich das natürlich jeder und jede Mitarbeitende selbst entscheiden würde.

„15- bis 17-Jährige können sich selbst für oder gegen Impfungen entscheiden“

Vanessa und Elvira würden sich auf jeden Fall impfen lassen. „Ich denke schon, dass es dann zum Beispiel Reisen erleichtert, auch wenn wir bei unserem Urlaub in der letzten Woche doch keinen Negativ-Test brauchten“, so Vanessa. Elvira betont: „Ich sehe auch nur Vorteile durch die Impfung. Denn dann kann ich ja nicht nur mich selbst, sondern auch die Menschen in meiner Umgebung schützen. Das fände ich schon gut.“

Für SOS-Einrichtungsleiter Peter Schönrock ist klar: „15 bis 17-Jährige sind reif genug, um sich selbst für oder gegen eine Impfung zu entscheiden. Aber schlussendlich müssen auch bei uns die Sorgeberechtigten und Vormünder ihr Einverständnis geben, damit sich Jugendliche impfen lassen können.“