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50 Jahre Kinderbetreuung durch das SOS-Kinderdorf

18. Juli 2019

Peter Schönrock und Katrin Wißen präsentieren gemeinsam die Chronik

Peter Schönrock und Katrin Wißen präsentieren gemeinsam die Chronik und freuen sich über den Kita-Ausbau

SOS-Kinderdorf Kleve feiert in diesem Jahr ein großes Jubiläumsfest

Seit 50 Jahren betreut das SOS-Kinderdorf in Kleve Kinder und Jugendliche und bietet diesen ein familiäres, tragfähiges Umfeld sowie ein freundliches, alternatives Zuhause an. Dieses Jubiläum wurde in diesem Jahr intern bereits mehrfach gefeiert – die große Feier mit Festakt in der Stadthalle und anschließendem Tag der offenen Tür für alle folgt im September.
Nach der Gründung des Kinderdorf-Vereins im Jahre 1955 beginnen bereits 1966 die Planungsarbeiten für das SOS-Kinderdorf Niederrhein, bis es zwei Jahre später fertig errichtet ist 1968 wird Johannes Buss als erster Dorfleiter eingestellt und bezieht am 13. Mai zusammen mit seiner Familie das erste fertiggestellte Familienhaus.
Bis zu 80 Kinder leben hier heute. Insgesamt waren es in den 50 Jahren 400. „Klingt vielleicht wenig, ist aber mit der Langfristigkeit des Angebots zu erklären“, sagt Peter Schönrock, Leiter des Klever Kinderdorfs. Oft bleiben die Kinder viele Jahre in der Einrichtung – bis sie erwachsen sind und auf eigenen Füßen stehen können.
Mit den Jahren ist das Angebot des Kinderdorfs um das weite Feld der Beruflichen Bildung und offenen Angebote gewachsen. Heute agiert das SOS Kinderdorf Niederrhein an mehr als zehn Standorten im Kreis Kleve, zählt über 300 Beschäftigte und zahlreiche ehrenamtliche Helfer.

Zukunft gestalten

Zur Zeit arbeitet man am Familienforum an der Kalkarer Straße an einem Anbau und einer Erweiterung der Inklusiven Kindertagesstätte, in dem die Kindergartengruppen von drei auf fünf erweitert werden.  Ab dem 1. August treten dort neue Öffnungszeiten in Kraft, die Kita wird dann regulär von 6 bis 20 Uhr geöffnet sein. Damit ist sie im Kreis Kleve die einzige Kita, die vor 7 Uhr morgens und nach 17 Uhr abends geöffnet sein wird. 
In ganz NRW decken nur vier Prozent der Einrichtungen mehr als die Kernzeiten ab. Laut Schönrock geht es darum,  dass den Eltern Entscheidungsfreiheit geboten werden soll: „Es gibt sicherlich Situationen, in denen die Eltern aus verschieden Gründen ihre Kinder früher unterbingen müssen oder sie erst spät abholen können.“ Man möchte auf die Bedürfnisse der Eltern eingehen und breiter aufgestellt sein. Dabei bleibt die maximale Betreuungszeit von 45 Stunden bestehen – die ist aber flexibel nutzbar. Außerdem ist gleich nebenan an der Kalkarer Straße ein weiteres Bauprojekt fertiggestellt worden. Zum einen sind hier Einzelappartments für junge Erwachsene entstanden. Die Appartments sind komplett ausgestattet – natürlich gibt es auch Gemeinschaftsräume. 


In der unteren Etage ist eine neue Wohngruppe für Kinder und Jugendliche im Alter von zwölf bis 17 Jahren entstanden. „Die Pubertät ist eine schwierige Phase“, weiß Schönrock, dass professionelle Unterstützung helfen kann. Die enge Zusammenarbeit  mit den Eltern ist hier besonders wichtig, „damit die Kinder auch in ihre Familien zurückkehren können“, sagt Schönrock. Im Juni übernahm das SOS-Kinderdorf am Regenbogen das Cafe Hope.  Dieses passt laut Schönrock und SOS-Sprecherin Katrin Wißen zum Konzept des Kinderdorfs und zur Quartiersentwicklung in der Unterstadt. Das Cafe Hope bietet Kindern nach der Schulzeit einen Aufenthaltsort an und fördert sie mithilfe von mehreren Projekten rund um das Thema Jugendarbeit. Im Cafe Hope wird durch das SOS-Kinderdorf in den Sommerferien ein sechswöchiges Ferienprogramm angeboten. Schönrock: ,,Ob wir in den Räumlichkeiten am Regenbogen bleiben oder auf lange Sicht zum Gelände an der Kalkarer Straße wechseln, sollen letzlich die Jugendlichen entscheiden.“

Wir möchten unser Festjahr auch nutzen, um Probleme anzusprechen

„Wir möchten unser Festjahr auch nutzen, um Probleme anzusprechen“, betont Schönrock. Dabei geht er auf die Fachtagung in Kevelaer ein, bei der vor allem die Probleme  der Alleinerziehenden im Kreis Kleve angesprochen und diskutiert wurden.  Man stelle immer wieder fest, dass die Hilfen nicht bekannt und die Betreuungsangebote nicht ausreichend sind.  ,,Leider gibt es hier in Kleve zu viele verschiedene Anlaufstellen – da findet man sich schwer zurecht“, so Schönrock. Er stellt zudem eine deutliche Forderung an die Politik: „Die unteren Einkommensgruppen sollte man von den Kitabeiträgen befreien.“
Schönrock stuft auch die Wohnungssituation im Kreis Kleve als kritisch ein, da Studenten mit anderen jungen Leuten um günstigen Wohnraum konkurrieren. ,,Eigentlich ist es nicht unsere Aufgabe, sozialen Wohnungsbau zu betreiben“, sagt Schönrock. Er hofft, dass die Stadt Kleve hier mehr unternimmt.


Quelle: Julian Trausch/Verena Schade https://www.niederrhein-nachrichten.de/ vom 10. Juli 2019