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„Wir fühlen uns willkommen und sicher“

11. Mai 2023

Seit über einem Jahr hilft das SOS-Kinderdorf Niederrhein geflüchteten Familien aus der Ukraine mit Wohnraum, Sprachlern-Angeboten und Traumahilfe. Die Sorgen um die ukrainische Heimat halten an.

Peter Schönrock, Einrichtungsleiter des SOS-Kinderdorf Niederrhein kann sich noch genau erinnern, wie es war, die ersten geflüchteten Familien im Frühjahr 2022 im Kinderdorf zu begrüßen: „Offen und freundlich, aber auch müde und verunsichert haben die Mütter mit ihren Kindern auf mich gewirkt, die wir nur wenige Tage nach Ausbruch des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine bei uns im Kinderdorf in Kleve-Materborn aufgenommen haben.“
In Windeseile wurden Zimmer, Appartements und Häuser an der Kuhstraße hergerichtet, damit in den ersten Kriegswochen rund 30 Frauen mit ihren Kindern sowie alleinstehende Seniorinnen eine Bleibe finden konnten. „Viele brauchten erst einmal Ruhe, mussten wieder Kraft gewinnen“, so Schönrock.

Hilfe zur Selbsthilfe

Schnell habe man sich um Muttersprachlerinnen bemüht, die unterstützen konnten. Schönrock erklärt: „Wir wollten von Anfang Hilfe zur Selbsthilfe bieten. Denn die Geflüchteten aus der Ukraine standen ja in ihrem Heimatland mitten im Leben. Sie können sich selbst versorgen, sind sehr zupackend.“ Und so haben die Muttersprachlerinnen bei allen Dingen des täglichen Bedarfs unterstützt – vom Brillenersatz beschaffen über Busfahrpläne lesen bis hin zur Begleitung von Behördengängen. Ob Aufenthaltsbescheinigungen, Arbeitsgenehmigungen oder  Sozialleistungen – alle Anträge konnten dank der zupackenden Hilfe der Muttersprachlerinnen schnell erledigt werden.
Doch das SOS-Kinderdorf Niederrhein hat noch mehr getan und unterstützt weiterhin. „Für die schulpflichtigen Kinder haben wir uns schnellstmöglich um Plätze an den Klever Schulen bemüht. Insbesondere mit der Joseph Beuys Gesamtschule gab es eine engere Kooperation. Für die Erwachsenen organisieren wir Sprachlern-Angebote im Kinderdorf und im Familienforum Kermisdahl in der Klever Unterstadt, um die Zeit bis zum offiziellen Integrationskurs zu überbrücken. Gleichzeitig bieten wir Kinderbetreuung für die Kleinsten an. Im Auftrag der Jobcenter führen wir ein berufliches Bildungsangebot zur aktiven Integration in den Arbeitsmarkt durch und bieten ein Ukraine-Café als lockeren Treff zum Austausch in der Community an“, sagt Schönrock.

„Traumahilfe Niederrhein“

Mit der Traumafachberaterin und -pädagogin Barbara Mühlenhoff sowie der Dolmetscherin und Psychologin Daria Stetsenko hat das SOS-Kinderdorf Niederrhein zudem die „Traumahilfe Niederrhein“ ins Leben gerufen. In einem Beratungsraum im Franziskushaus, der Erstaufnahme-Einrichtung der Stadt Kleve, wird hier „Hilfe für die Seele und den Alltag“ angeboten.
Mühlenhoff beschreibt es so: „Wir helfen unseren Klientinnen und Klienten, die aktuelle Lebenssituation als ein Kapitel des eigenen Lebens anzunehmen. Dabei ist teilweise noch unklar, wie lange das Kapitel hier in Deutschland andauern und was alles drinstehen wird. Wir beraten, stabilisieren und unterstützen schnell und an einem angenehmen Ort - für innere und äußere Stabilität und Zuversicht.“
Finanziert werden all die verschiedenen Hilfen über öffentliche Fördermittel der Stadt Kleve und über Spendengelder, die das Kinderhilfswerk für die Ukraine-Hilfe von Unternehmen, Organisationen und Privatpersonen bekommt.
Für Alina Myhkailenko war es ein Glücksfall, ins SOS-Kinderdorf zu kommen. „Ich fühle mich hier mit meinen Kindern sehr wohl. Ich arbeite inzwischen als Lehrerin. Die Sorgen um die ukrainische Heimat, meine Freunde, meine Familie sind natürlich weiter da. Und wir wissen nicht, wann wir wieder zurückkönnen. Das zermürbt. Aber hier in Kleve fühlen wir uns willkommen und sicher.“