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„Einen sicheren Ort schaffen“

27. November 2018

Erweiterung und Modernisierung für die Aufnahme- und Klärungsgruppe im SOS-Kinderdorf Niederrhein in vollem Gang

Seit dem Frühjahr 2018 wird im SOS-Kinderdorf Niederrhein kräftig gebaut. Ein bestehendes Wohnhaus wird dank einer großzügigen Förderung durch die 2003 gegründete SOS-Kinderdorf-Stiftung erheblich erweitert. Dadurch entstehen zusätzlich vier weitere Kinderzimmer und ein lichtdurchfluteter Wintergarten, in dem das Wohnzimmer eingerichtet wird. Der Umbau soll im Frühjahr 2019 fertiggestellt werden.

In Ruhe ankommen

Einziehen werden voraussichtlich sieben Kinder im Alter von sechs bis sechzehn Jahren. Sie alle gehören zur Aufnahme- und Klärungsgruppe. Das Konzept dieser Aufnahme- und Klärungsgruppe ist für die pädagogische Arbeit im SOS-Kinderdorf Niederrhein ein voller Erfolg. „Wir haben die Gruppe im Oktober 2014 gegründet. Hintergrund sind die zunehmenden Belastungen und Auffälligkeiten der Kinder, die neu zu uns kommen. Hier können die Kinder erst einmal in Ruhe ankommen. Sie bleiben in der Regel zwischen sechs und zwölf Monaten in der Gruppe“, erklärt Claudia Braß-Wissink, Bereichsleiterin Wohngruppen beim SOS-Kinderdorf Niederrhein. 

Sechs Fachkräfte kümmern sich rund um die Uhr um die Kinder und Jugendlichen. Sie haben spezielle pädagogische Qualifikationen. Die SozialpädagogInnen oder ErzieherInnen verfügen teilweise über Mediatoren- oder traumapädagogische Zusatzausbildungen. Sie alle nehmen sich intensiv Zeit, um die Kinder und Jugendlichen ganzheitlich zu verstehen. Dabei beobachten sie das Verhalten der Kinder sehr genau und führen viele Gespräche mit ihnen. Darüber hinaus gibt es einen regen Austausch mit Eltern, Jugendämtern, Ärzten und Therapeuten.

Das optimale Umfeld finden

„Ziel in der Aufnahme- und Klärungsgruppe ist es, ein optimales Umfeld und ein passgenaues Angebot zu finden. Denn wir sind überzeugt, dass ein sicherer Ort wichtige Ausgangsbasis für gutes Aufwachsen ist“, so Braß-Wissink. Die Zeit in der Aufnahme- und Klärungsgruppe wird auch genutzt, um zu schauen, wo das Kind künftig am besten aufgehoben ist. Manchmal kann das Kind oder der Jugendliche nach der Klärungsphase zurück zu den Eltern, wenn sich die Bedingungen verändert haben. Für manche Kinder und Jugendlichen ist eine Kinderdorffamilie zur Unterbringung geeignet, für andere ist das Leben in der Wohngruppe besser. Durch den Dorfcharakter finden sich dauerhafte Lösungen auch von ganz alleine. Wenn die Kinder und Jugendlichen sich bei bestimmten Kinderdorffamilien oder Wohngruppen besonders gut zu Recht finden, dann wird dies in die nächsten Schritte miteinbezogen. In einigen Fällen stellt sich auch heraus, dass eine Vermittlung in eine andere Einrichtung sinnvoller ist.

„Jedes Kind, das zu uns kommt, trägt seinen eigenen Rucksack. Dieser kann mit unterschiedlichen Problemen gefüllt sein. Mal ist der Rucksack größer, mal kleiner.  Deshalb müssen wir immer wieder individuelle Entscheidungen treffen. Dabei ist es unsere Überzeugung, dass dauerhafte Lösungen eine positive Entwicklung erst möglich machen. Viele Veränderungen oder auch Abbrüche verringern die Chancen auf ein selbstbestimmtes, eigenverantwortliches Leben“, so Braß-Wissink.

Bald werden die Umzugskisten gepackt

Mit der Erweiterung und Modernisierung von Haus a steht jedem Kind und jedem Jugendlichen demnächst ein eigenes Zimmer zur Verfügung, dass nach eigenen Wünschen gestaltet werden kann. Die pädagogischen Fachkräfte bekommen auch mehr Platz und es gibt mehr Gemeinschaftsfläche. So sind auch die baulichen Grundlagen für einen sicheren Ort bei der Aufnahme- und Klärungsgruppe gelegt. Dass die SOS-Kinderdorf-Stiftung den Erweiterungs- und Modernisierungsbau im SOS-Kinderdorf Niederrhein finanziell unterstützt, freut Braß-Wissink sehr: „Wir möchten mit der neu gestalteten Aufnahm- und Klärungsgruppe Kindern von Beginn an Geborgenheit vermitteln und Vertrauen schenken.“

Das gesamte Team und die Kinder und Jugendlichen des SOS-Kinderdorfs Niederrhein freuen sich schon sehr auf den Umzug in ein paar Monaten. Dann werden die Kisten eingepackt, durchs Kinderdorf transportiert und schnell wieder im neuen Haus ausgepackt.

Claudia Braß-Wissnik

Bereichsleiterin Claudia Braß-Wissink vor dem im Umbau befindlichen Haus a im SOS-Kinderdorf Niederrhein.