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Aktuelles

In der Krise war von Anfang an Kreativität gefragt

28. Mai 2020

Besondere Wege gehen

Mit den vor rund zehn Wochen verordneten Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen sowie Hygienemaßnahmen aufgrund der Corona-Krise mussten von einem Tag auf den anderen auch in unserem  SOS-Beratungszentrum im Münchner Osten neue  Beratungswege gefunden werden.

Eine Familie mit Straßenkreide gemalt

Dabei stellten wir schnell fest, dass die Lösung, zunächst erst einmal  telefonisch zu beraten, nicht immer ideal war. Vor allem bei strittigen Themen, zu denen wir Familien oder Paare bislang im Rahmen der systemischen Beratung gemeinsam betreut hatten, stießen wir bald an unsere Grenzen. Andererseits wurden am Telefon aber durchaus auch heiklere Themen angesprochen, die unsere Klienten offensichtlich im persönlichen Kontakt nicht thematisieren wollten. In manchen Fällen war die Videoberatung mittels WhatsApp, Skype oder Face time eine echte Alternative zum Telefon und ermöglichte einen etwas persönlicheren Kontakt.

Kontakt zu den Flüchtlingsfamilien

Besondere Wege mussten unsere Berater*innen anfangs finden, um den Kontakt zu den Flüchtlingsfamilien aufrecht zu erhalten. Hier war die Sorge besonders groß, wie sich die Ausgangsbeschränkung auf die Klienten auswirken würde. Zusammengedrängt in kleinen Räumen und unter Umständen ohne Kontakt zur Außenwelt und gleichzeitig ohne unsere Sprache zu sprechen, erschien die Lage sehr prekär. Dank einer Telefonkonferenzschaltung konnten wir Dolmetscher in das Gespräch mit einschalten und so den Kontakt zumindest auf diese Weise aufrechterhalten.

Nachdem die technischen Voraussetzungen dafür geschaffen worden waren, haben wir alle Familien proaktiv kontaktiert, um nachzufragen, wie es ihnen in der ungewohnten häuslichen Zurückgezogenheit geht bzw. wie wir sie unterstützen können. Die Familien nahmen diese Form des Kontakts gerne an, da sie sich so nicht vergessen und allein gelassen fühlten. Innerhalb kürzester Zeit wurden die Familien und Kinder mit Beschäftigungstipps oder Videos mit Bastelangeboten versorgt. Zum Teil wurden Anträge für die Anmeldung in der Kindertagesstätte via WhatsApp ausgefüllt, fotografiert und dann telefonisch besprochen, damit sie fristgerecht fertig gestellt werden konnten. Für einige Klient*innen wurden Pakete gepackt und mit Spielmaterial oder Kleidung vor die Wohnung oder Unterkunft gebracht.

Kreative Lösungen für Familien

Viele Familien waren in der ersten Phase der Ausgangsbeschränkung sehr verängstigt und verunsichert. Wir bestärkten sie darin, eine Struktur für den „neuen Alltag in der Krise“ zu schaffen, also gemeinsame Essens-, Arbeits- und Spielzeiten zu finden und auch einzuhalten, um nicht den bisher gewohnten Tagesrhythmus zu verlieren. Dennoch spitzten sich Konflikte in den Familien aufgrund der Mehrfachbelastung durch Homoffice, Homeschooling und Erziehung, Haushalt, Einkauf, Kochen sowie aufgrund der Unsicherheit, ob der Arbeitsplatz erhalten bleibt, deutlich zu. Manche Eltern sind inzwischen in Sorge, ob ihre Kinder die Versetzung oder den Abschluss schaffen. Die Kinder und Jugendlichen wiederum fragen sich, wann sie ihre Freunde und Klassenkameraden wieder regelmäßig sehen können. Diese Unsicherheit belastet die ganze Familie. Viele Jugendliche reagieren darauf mit Rückzug.

Wir stellen inzwischen fest, dass viele Familien in den vergangenen Monaten auch mehr Ängste vor einer Ansteckung oder vor der unsicheren Zukunft generell entwickelt haben. Chronische Probleme und Suchtthemen haben sich deutlich verstärkt. Personen, die ursprünglich schon an sozialer Isolation litten, sind jetzt noch stärker betroffen.

„Walk an talk“

Wir begrüßen deshalb jede Lockerung der Ausgangsbeschränkung, die dazu dient, wieder mehr soziales Leben und Kontakte zuzulassen. Um den Klienten in dieser Krisensituation möglichst rasch ein Beratungsgespräch anbieten zu können, gibt es während unserer Öffnungszeiten die Möglichkeit sofort telefonisch beraten zu werden. Geöffnet ist von Montag bis Freitag von 9 bis 12.30 Uhr und von Montag bis Donnerstag von 13.30 bis 17 Uhr sowie am Freitag bis 15 Uhr. Seit kurzem bieten wir außerdem im Freien den „Walk and talk“ für Einzelpersonen an und führen in Krisenfällen auch persönliche Beratungen unter Einhaltung des Sicherheitsabstands und der Hygieneregeln durch.

Sorgen ernst nehmen

Unsere Klienten mit ihren Sorgen ernst zu nehmen und sie auch in der Corona-Krise zu begleiten und ihnen das Gefühl zu vermitteln, dass sie mit ihren Ängsten und Problemen nicht allein gelassen werden, sowie mit ihnen neue Lösungsstrategien zu erarbeiten, sehen wir auch in den kommenden Wochen und Monaten als unsere Hauptaufgabe in der Beratung.