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Aktuelles

Bündnis München Sozial

23. Dezember 2020

Als Mitglied des Bündnisses München Sozial möchten wir über die aktuelle Pressemitteilung informieren. Es ist uns wichtig, dass die Menschen, die Hilfe brauchen, auch in der Corona-Krise gut weiter unterstützt werden können.

Wir halten die Stadt zusammen – jetzt erst recht!

Die Corona-Pandemie stellt viele Menschen vor neue und große Herausforderungen. Das Bündnis München Sozial, in dem sich seit 2009 inzwischen 66 Organisationen, Verbände und Initiativen und Hochschulen zusammengeschlossen haben, hat es sich zum Ziel gesetzt, die gesellschaftliche Aufmerksamkeit noch stärker auf den sozialen Bereich zu lenken. Der regelmäßige, gemeinsame Austausch ist wichtig, die wesentlichen Bedürfnisse und Wünsche der Zielgruppen und betroffenen Menschen sowie der Akteur*innen Sozialer Arbeit zu benennen und Lösungen zu finden. Aber auch die Politik sollte sich mehr denn je mitverantwortlich fühlen, die sozialen Akteur*innen in ihrer wichtigen Arbeit zu unterstützen. Dabei muss sie auch sicherstellen, dass die Kommunen ihre bisherige Finanzkraft behalten, um dadurch auch während der Corona-Pandemie die finanzielle Förderung im sozialen Bereich in der notwendigen Höhe zu sichern.

Wie geht es den Menschen in der Corona-Pandemie? Und wie kann Soziale Arbeit unter den neuen Rahmenbedingungen aufrechterhalten werden? Das sind die drängendsten Fragen, die sich im Austausch des Bündnisses nach dem strengen Lockdown im Frühjahr ergeben hatten. Dabei zeigte sich schnell, welche ersten Schwierigkeiten bestanden: Manche Einrichtungen hatten damals nicht die notwendige digitale Ausstattung, um sich mit den betreuten Familien, Kindern und Erwachsenen auf Online-Kanälen auszutauschen. Aber auch vielen Klient*innen fehlte aufgrund ihrer finanziellen Situation das Rüstzeug dafür. Viele leiden zudem bei virtuellen Kontakten unter der mangelnden Lebendigkeit, die ein Präsenztreffen auszeichnet. Auch die fachübergreifende Zusammenarbeit der Träger und Einrichtungen Sozialer Arbeit gestaltete sich im Online-Format ohne Präsenzveranstaltung deutlich schwerer.

So mussten zum Beispiel die Mitarbeiter*innen viel Überzeugungsarbeit leisten, damit neue Angebote überhaupt wahrgenommen wurden und schließlich auch angenommen werden konnten. Manche Bereiche wie der Mieterverein haben ihre Beratung inzwischen zu rund 70 bis 80 Prozent auf digitale Kontakte umgestellt. Andere wechseln – soweit es möglich ist – zwischen Präsenz- und Online-Veranstaltungen.

Deutlich verschärft hat sich während der Corona-Pandemie auch das Thema „Prekäre Arbeitsverhältnisse“. Viele Klient*innen verglichen während der ersten Wochen des Lockdowns im Frühjahr Jobcenter und Arbeitsagenturen mit Festungen: „Viele Menschen, die wir beraten, hatten nicht die Möglichkeit zur digitalen oder telekommunikativen Kontaktaufnahme und haben von einer regelrechten Abschottung der Behörden gesprochen“, berichten Mitgliedsorganisationen. Dadurch habe sich die aufgrund von coronabedingten Kürzungen auf dem Arbeitsmarkt und einem vielfach drohenden Arbeitsplatzverlust ohnehin schon angespannte Situation bei vielen nochmal deutlich verschärft.

Auch Flüchtlingsunterkünfte wurden wie Festungen empfunden. Menschen mit Fluchthintergrund seit Beginn der Corona-Lage zu integrieren, wurde fast unmöglich, weil sehr häufig wegen Corona-Fällen die gesamte Unterkunft geschlossen werden musste. Auch bei der Gruppe der Geflüchteten hat sich die schon hohe Belastung dadurch deutlich erhöht. Auch hier ist die digitale Versorgung in den Unterkünften „freundlich ausgedrückt suboptimal“, beschreibt es ein Mitarbeiter der Inneren Mission. Ein weiteres Beispiel für die negativen Auswirkungen der Corona-Krise auf benachteiligte gesellschaftliche Gruppen ist die Tatsache, dass der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) seit Beginn der Corona-Krise nur noch am Telefon aufgrund der Aktenlage berät und den Pflegegrad beurteilt. „Das wird den Patient*innen in keinem Fall gerecht“, sagen die Akteur*innen.

Besonders betroffen sind auch die Kinder und Jugendlichen. Viele Schulen verfügen noch immer nicht über eine adäquate digitale Ausstattung, aber auch viele Familien können es sich nicht leisten, für mehrere Kinder ad hoc Tablet oder Notebook und Drucker anzuschaffen. Vielfach fehlt es auch an einem Internetzugang zuhause. Strenge Hygiene- und Abstandsregeln in den Schulen und sozialen Einrichtungen belasten junge Menschen und führen dazu, dass diese in ihrer Freizeit Nischen suchen, in denen Maskenpflicht und Desinfektionsmittel nicht allgegenwärtig sind. So etablieren sich neue Treffpunkte, wie öffentliche Parks oder Plätze; Freizeitstätten, für viele vor der Corona-Pandemie noch eine Art zweites Zuhause, sind aufgrund der strengen Hygieneregeln auf einmal für Jugendliche nur noch wenig attraktiv. Große Sorgen machen sich Kinder und Jugendliche um ihre Zukunft. Gemäß einer aktuellen Studie von SOS-Kinderdorf e.V. fragen sich viele, ob sie einen Ausbildungs- oder Studienplatz finden werden. Eine Studie der Universität Tübingen hat einen erschreckenden Rückgang der Lebenszufriedenheit bei Kinder und Jugendlichen von 95 Prozent vor der Pandemie auf nur noch 53 Prozent ermittelt.

Besorgniserregend ist, dass mehr als die Hälfte der befragten Grundschulkinder in der Zeit der Schulschließungen fast keinen Kontakt zur Lehrkraft hatten. Und das Kolping-Werk berichtet, dass Jugendliche im dritten Ausbildungsweg oder in Fördermaßnahmen in diesem Jahr sehr lange auf staatliche Hilfen warten mussten oder zum Teil gar nicht berücksichtigt wurden. Auch an den Hochschulen werden Stimmen laut, die ebenfalls Kürzungen und deren negative Auswirkungen auf die Bildungschancen der Studierenden befürchten.

Die Tatsache, dass die Steuereinnahmen der Kommunen aufgrund der Corona-Pandemie sinken, darf sich nach Ansicht des Bündnisses nicht auf die bestehenden Förderungen im sozialen Bereich auswirken, damit die Träger und Einrichtungen sozialer Dienste gerade in der für alle sehr belastenden Situation weiter ihre essentielle Arbeit zum Zusammenhalt der Gesellschaft leisten können und die soziale Schere in München nicht noch weiter auseinander geht. Daher appelliert das Bündnis an Bund und Land, den Sozialbereich der Kommunen massiv und auskömmlich zu unterstützen.

Die Mitgliedsorganisationen im Bündnis München Sozial werden auch weiterhin intensiv zusammen arbeiten und ein Sprachrohr sozialer Einrichtungen und benachteiligter gesellschaftlicher Gruppen sein: „Wir sind in den vergangenen Monaten mit unseren Klient*innen durch Höhen und Tiefen gegangen. Das hat uns dazu gebracht, kreative neue Angebote und Unterstützungsformen zu entwickeln“, sagen die Partner*innen.

Mit weiteren Pressemitteilungen und gezielten Aktionen wird das Bündnis die Öffentlichkeit in den nächsten Wochen stärker einbeziehen. „Wir halten die Stadt zusammen – Jetzt erst recht!“, dafür setzt sich das Bündnis weiterhin mit voller Kraft ein.