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Aktuelles

Verabschiedung aus dem Ehrenamt

16. September 2020

SOS-Kinderdorf Lippe dankt Walter Oetting für langjähriges Engagement

Schieder-Schwalenberg, 10.09.2020 - Seit 15 Jahren engagiert sich Walter Oetting ehrenamtlich für das SOS-Kinderdorf Lippe. Als Leiter der dorfeigenen Fahrradwerkstatt hat der Steinheimer im Kinderdorf in Schwalenberg viele Mädchen und Jungen auf ihrem Weg zur eigenen Mobilität begleitet. Nun wurde der 74-Jährige von den Kindern, Jugendlichen und Mitarbeitenden herzlich in den Ehrenamtsruhestand verabschiedet.

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Das Bild zeigt (v.l.n.r.) Walter Oetting, Bereichsleiter Benjamin Hillemeyer und Kinderdorfmutter Gabriele Marquardt mit ihrer Kinderdorffamilie vor der Fahrradwerkstatt im SOS-Kinderdorf Lippe.

Wenn Walter Oetting in der Fahrradsaison zweimal wöchentlich die Garagen auf dem Gelände des SOS-Kinderdorfes öffnete, standen die Kinder und Jugendlichen oft schon Schlange. Zwischen März und November ist die Fahrradwerkstatt fester Bestandteil ihrer Freizeitgestaltung. Bei allen Fragen rund ums Rad war Walter Oetting immer zuverlässig für die Kinder und Jugendlichen da und kümmerte sich mit viel Sorgfalt um den Fuhrpark, der ihnen allen zur Verfügung steht. Um sein Engagement zu würdigen und ihn so feierlich zu verabschieden, wie es in Zeiten der Corona-Pandemie möglich ist, hat das SOS-Kinderdorf Lippe für Oetting eine kleine Abschiedsfeier im Freien organisiert. „Ich bleibe natürlich heute auch bis 17 Uhr da und lasse den Fuhrpark so lange für die Kinder geöffnet“, sagt Walter Oetting, als er, eigentlich als Gast, auf dem Vorplatz der Fahrrad-werkstatt erscheint. Aus allen Kinderdorffamilien und Wohngruppen sind Kinder, Jugendliche und Mitarbeitende gekommen, um sich persönlich von ihm zu verabschieden.

Verantwortung für das eigene Fahrrad übernehmen

Stellvertretend für das ganze Kinderdorf bedankt sich Bereichsleiter Benjamin Hillemeyer bei Walter Oetting für das langjährige Engagement: „Besonders danken wir dir für die Verlässlichkeit und Verbindlichkeit, mit der du all die Jahre dein Ehrenamt ausgeübt hast. Das ist alles andere als selbstverständlich und wir wissen das sehr zu schätzen“, sagt Hillemeyer. Walter Oetting hat im Kinderdorf oft gesehen, wie wichtig verlässliche Beziehungen und Strukturen sind, um den Kindern und Jugendlichen Halt zu geben. Häufig erleben sie diese Zuverlässigkeit in ihrer Kinderdorffamilie oder Wohngruppe zum ersten Mal, da es sie in ihrer leiblichen Familie einfach nicht gab. Walter Oetting weiß, dass auch die Besuche in der Fahrradwerkstatt den Kindern und Jugendlichen Stabilität geben. Manche von ihnen nahmen jede Woche an dem Angebot teil. Deshalb war es ihm immer wichtig, verlässlich für sie da zu sein. Bei einem kaputten Fahrrad konnten die Kinder und Jugendlichen sich nicht nur auf Oettings handwerkliches Geschick verlassen, sondern auch darauf, dass er sie ernst nimmt und einbezieht. Oetting legte stets Wert darauf, dass die Fahrrad-besitzer*innen bei Reparaturen nicht nur zuschauen, sondern ihrem Alter entsprechend auch mithelfen. „Ein selbst geflickter Reifen ist für die Kinder und Jugendlichen ein Erfolgserlebnis, durch das sie wieder ein Stück selbständiger werden und ihr Selbstvertrauen stärken können“, erinnert sich Walter Oetting an die Mädchen und Jungen, die stolz seine Werkstatt verließen. „Mir war immer wichtig, dass die Kinder neben den praktischen Fertigkeiten auch lernen, Verantwortung für das eigene Fahrrad zu übernehmen“, ergänzt er. Dabei geht es dem pensionierten Kriminalbeamten nicht nur um einen wertschätzenden Umgang der Kinder mit ihrem Eigentum, sondern auch um ihre Verantwortung als Teilnehmende am Straßenverkehr. Weil ihm die Sicherheit der Kinder und Jugendlichen ein besonderes Anliegen ist, hat er das Kinderdorf im vergangenen Jahr auch bei der Umsetzung eines neuen Verkehrskonzepts beraten, das für mehr Sicherheit auf dem Gelände sorgen soll.

Neues ausprobieren und Grenzen austesten

Wenn die Mädchen und Jungen bei ihren Runden durchs Kinderdorf mal wieder zu rasant unterwegs waren, brauchte Oetting starke Nerven und musste regelmäßig zur Vorsicht und Umsicht mahnen. Bei der Fahrradwerkstatt sind deshalb immer auch Betreuer/-innen aus den Kinderdorffamilien und Wohngruppen dabei, die besonders die kleineren Kinder im Blick halten. Ohne dies wäre es nicht möglich, dass die Kinder sich an den unterschiedlichen Fahrzeugen ausprobieren können, und genau darum geht es in dem Angebot: „Die Fahrradwerkstatt ist für die Entwicklung der Kinder in mehrfacher Hinsicht ein wichtiges Freizeitangebot“, sagt SOS-Kinderdorfmutter Gabriele Marquardt, die mit ihrer Kinderdorffamilie zur Abschiedsfeier gekommen ist. Die fünf Mädchen und Jungen machen regelmäßig und sehr gern bei der Fahrradwerkstatt mit. „Die Kinder trainieren hier nicht nur ihre Motorik und Geschicklichkeit, sondern erfahren auch die eigene Selbstwirksamkeit. Damit ein Kind mutig und selbstbewusst werden kann, muss es lernen, dass es Dinge bewirken und schaffen kann. In der Fahrradwerkstatt erleben die Kinder das zum Beispiel wenn sie zum ersten Mal ohne Stützräder fahren oder selbst einen Reifen aufpumpen“, erklärt die Kinderdorfmutter. Neben der Selbständigkeit und Mobilität der Kinder fördere das Freizeitangebot auch ihre Ausdauer, erklärt Bereichsleiter Benjamin Hillemeyer: „Die Möglichkeit, etwas neues auszuprobieren motiviert die Kinder und sie lernen dranzubleiben, wenn sie etwas erreichen wollen. Gleichzeitig können sie hier ihre Grenzen austesten“, schmunzelt er und deutet auf ein fünfjähriges Mädchen, das hartnäckig versucht, ein sehr großes Gokart zu steuern dessen Pedale es mit den Füßen kaum erreichen kann.

Freude der Kinder war die Mühe wert

Hartnäckig kann auch Walter Oetting sein, besonders wenn es um die Entwicklung der Fahrrad-werkstatt geht, berichtet Benjamin Hillemeyer. Oetting kam im Jahr 2006 zum ersten Mal ins Kinderdorf, um ehrenamtlich das Dach eines Fahrradschuppens zu decken. Kurz darauf entstand die Idee der Fahrradwerkstatt, die Oetting von da an maßgeblich mitgestaltete. Nach mehreren Umzügen hat er die Werkstatt in einer von mehreren Garagen eingerichtet, die genug Platz bieten für den Fuhrpark, der Fahrzeuge in allen Größen umfasst. Zur Verfügung stehen Tretroller, Laufräder und Fahrräder in allen Größen, aus denen die Kinder aus dem Dorf herausgewachsen sind oder die an die Einrichtung gespendet wurden. Jeder Neuzugang wurde von Oetting auf Fahrsicherheit geprüft und wenn nötig repariert. Die Werkzeuge stellte ihm das SOS-Kinderdorf zur Verfügung. Den Fuhrpark instand zu halten macht eine Menge Arbeit. Aber die Kinder glücklich damit umherfahren zu sehen, war Walter Oetting die Mühe immer wert. „Ich habe bei so vielen Kindern miterlebt, wie gut sie sich im Kinderdorf entwickeln und entfalten können, nachdem sie zuvor wahrscheinlich schlimme Erfahrungen gemacht hatten. Diese positive Entwicklung zu sehen, hat immer wieder gut getan. Das nehme ich aus dieser Zeit mit“, zieht Oetting Bilanz.

In seiner 15. Fahrradsaison im SOS-Kinderdorf Lippe hat Walter Oetting sich entschieden, sein Ehrenamt zukünftig ruhen zu lassen. Es ist zugleich die kürzeste Saison, denn in diesem Jahr konnte er wegen der Corona-Pandemie die Fahrradwerkstatt erstmals im Juni öffnen. Da war der Andrang natürlich besonders groß. Er findet, dass es jetzt an der Zeit ist, etwas mehr für sich zu tun. Damit die Mädchen und Jungen aus dem Kinderdorf weiterhin viel Freude an der Fahrradwerkstatt haben, wünscht sich Oetting, dass bald jemand seine Nachfolge antritt. Bis es soweit ist, führt ein Mitarbeiter aus dem pädagogischen Fachdienst das Angebot weiter. Bis es soweit ist, führt ein Mitarbeiter aus dem pädagogischen Fachdienst das Angebot weiter. Walter Oetting hat den Kindern und Jugendlichen zum Abschied ein neues Fahrzeug für den Fuhrpark geschenkt. Es ist das Gokart, die aktuell größte Herausforderung für das fünfjährige Mädchen, das nicht so aussieht, als würde es gleich aufgeben. Walter Oetting freut sich schon auf seinen nächsten Besuch im Kinderdorf, dann klappt das sicher schon viel besser. 

Fotos: SOS-Kinderdorf Lippe

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Neben vielen guten Wünschen hat Walter Oetting bei seinem Abschied auch ein Gedicht über die Fahrradwerkstatt mitgenommen. Ein achtjähriger Junge aus der Kinderdorffamilie von Gabriele Marquardt hat es für ihn gedichtet hat, um sich für die schöne Zeit zu bedanken.