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„Essen wie früher bei Mama“

10. Dezember 2018

Ein City-Trip nach Frankfurt und der Geschmack von Heimat

Ich heiße Sarah und arbeite als pädagogische Mitarbeiterin in einer Wohngruppe der Jugendhilfen in Detmold. Gemeinsam mit zwei meiner Bezugsjugendlichen habe ich in den Herbstferien einen dreitägigen Trip nach Frankfurt am Main unternommen. Einer der beiden Jugendlichen heißt Samuel, ist 18 Jahre alt und kommt aus Eritrea. Im Jahr 2013 ist Samuel allein aus seiner Heimat nach Deutschland geflohen. Seit zwei Jahren lebt er in einer unserer Wohngruppen.

Unsere Wohngruppe

Dort leben bis zu acht Jungen und Mädchen zusammen, die von ErzieherInnen und SozialpädagogInnen betreut werden. Samuel hat sich bei uns schnell eingelebt und im Kreis seiner MitbewohnerInnen mittlerweile seinen festen Platz gefunden. Der Alltag wird in unseren Wohngruppen als soziales Lernfeld genutzt. Wir kochen gemeinsam, es gibt Gruppenabende, Gruppenbesprechungen, hausinterne Freizeiten und weitere Aktivitäten. Ziele der Betreuung in einer Wohngruppe sind entweder die Rückkehr in die Familie oder die Verselbstständigung. Da Samuels Familie in Eritrea geblieben ist, arbeiten wir gemeinsam auf seine Verselbstständigung hin.

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Unser erstes Selfie am Main


Unser Reiseziel Frankfurt am Main

Die Reise haben wir unternommen, weil Samuel wegen seines Aufenthaltsstatus Deutschland nicht verlassen darf und er leider nicht zusammen mit den anderen Jugendlichen zur Sommerfreizeit nach Italien fahren konnte. Frankfurt hat Samuel als Reiseziel ausgewählt, weil er überlegt, später dort zu leben und zu arbeiten.

Um unser Ausflugsziel möglichst gut kennenzulernen, haben wir tagsüber die Stadt zu Fuß erkundet und eine Touristen-Bootsfahrt auf dem Main unternommen. So konnten wir die Stadt vom Wasser aus betrachten.  Anschließend waren wir shoppen. Abends haben wir am Main „gechillt“ und  die Aussicht auf dem Main Tower bei Nacht genossen. Die Nächte haben wir in der Jugendherberge verbracht.

Essen wie früher bei Mama

Das größte Highlight für Samuel war unser Essen in einem eritreischen Restaurant. Dort konnte er, erstmals seit seinem Aufbruch in Eritrea vor fünf Jahren, wieder so lecker essen „wie früher bei Mama“. Samuel freute sich darüber, dass er uns die typische Küche seines Heimatlandes näherbringen konnte und war zufrieden, dass es auch uns sehr gut schmeckte. Dass er ausgerechnet in Hessen auf ein Stück Heimat treffen würde, hatten wir nicht erwartet. Umso größer war bei uns allen die Freude über diesen gelungenen kulinarischen Abend.

Wir hatten drei tolle Tage in Frankfurt und haben viele Eindrücke mit nach Hause genommen. Bei unserer Abreise waren wir uns einig, dass Frankfurt eine schöne und unterschätzte Stadt ist – mit kultureller Vielfalt.

Text: Sarah Schäfermann, Pädagogische Mitarbeiterin im SOS-Kinderdorf Lippe

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Vor dem Brockhaus-Brunnen auf der Zeil