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Es war einmal… Wie mir der Froschkönig im Unterricht geholfen hat

14. Mai 2019

Deniz lernt gemeinsam mit dem Froschkönig
Deniz Ahmad, Teilnehmerin des Projekts „Get Started“, berichtet uns davon, wie „Der Froschkönig“ sie beim Kennenlernen der deutschen Sprache und Kultur unterstützt hat

„Ich heiße Deniz Ahmad und bin Teilnehmerin im Projekt „Get Started“ beim SOS-Kinderdorf Lippe. Im Projekt arbeiten junge Menschen aus verschiedenen Ländern für drei Monate zusammen, um das Leben in Deutschland zu verstehen. Wir lernen etwas über die deutsche Geschichte, haben aber auch viel Spaß miteinander. Hier verbessere ich meine deutschen Sprachkenntnisse. Die deutsche Sprache ist ziemlich schwer, so wie meine Muttersprache arabisch. Alle Leute, die Deutsch lernen, haben Schwierigkeiten mit der Aussprache und mit dem Schreiben.

Im Flur vor unserem Unterrichtsraum steht ein Tauschregal. Hier kann man Sachen wie Bücher, Kleidung, Dinge für den Haushalt und zur Dekoration mitnehmen oder, wenn man möchte, gegen einen anderen Gegenstand eintauschen. Der Froschkönig aus Plüsch lachte mich schon am zweiten Tag aus dem Tauschregal an. Ich nahm ihn mit in den Unterricht. Dort saß er dann neben mir oder auf dem Regal.

Im Unterricht hatten wir viele verschiedene Themen, bei denen uns der Froschkönig fortan unterstützte:

  • bei der Grammatik hat er mir mit den Adjektiven geholfen,
  • beim Thema Märchen kannte er die Geschichte vom Froschkönig besonders gut,
  • als es um Politik ging, hatte er leider keine Ahnung.      

Er war auch ein Freund, ich konnte mich mit ihm unterhalten, wenn mir langweilig war. Er hat mir gesagt, dass es kein „langweilig“ gibt. Er sagte, ich muss Ziele haben, die Sprache besser lernen, eine Ausbildung finden oder arbeiten. Dann ist mir nicht langweilig.“

Über „Get started“

Ziel des Projekts „Get started“ ist es, jugendlichen erwerbsfähigen Leistungsberechtigten, die in den letzten zwei Jahren nach Deutschland geflohen sind, eine berufliche Orientierung sowie das Kennenlernen ihres Aufnahmelandes näher zu bringen. Neben der deutschen Sprache lernen die jungen Menschen hier auch Berufe und Ausbildungsmöglichkeiten in Deutschland kennen, schreiben  Bewerbungen und Lebensläufe und besuchen Unternehmen in der Region. Die Mitarbeitenden im Projekt unterstützen sie bei der Wohnungssuche und beim Stellen von Anträgen und geben auch Tipps zu Freizeitangeboten in Detmold und Umgebung. Persönliche Kompetenzen, die die Teilnehmenden während ihrer Flucht unter Beweis gestellt haben, wie etwa Mut und Organisationstalent, werden dabei immer wieder in den Fokus genommen und positiv herausgestellt. Ein wesentliches Element ist die aktive Einbeziehung der Betroffenen in die Planung, Zielvereinbarung und Umsetzung des Projekts. Die Teilnehmenden sollen erleben, dass sie auch ihre persönlichen Themen und ihre Erfahrungen in das Projekt einbringen können. So erleben sie sich als selbstwirksam und erfahren Anerkennung.