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Aktuelles

Beziehungsarbeit an der Nähmaschine

4. Juni 2020

Beziehungsarbeit an der Nähmaschine im SOS-Kinderdorf Niederrhein

Besondere Zeiten, besondere Projekte: Auszubildende und SOS-Mitarbeiter*innen aus unterschiedlichen Bereichen der Jugendberufshilfen haben sich zum Nähen von Alltagsmasken zusammengetan.

Besondere Zeiten erfordern besondere Aufgaben! Das gilt auch für den Bereich Ausbildung bei den Jugendberufshilfen in Detmold. Grundsätzlich sind hier die Inhalte durch den Ausbildungsrahmenlehrplan vorgegeben. Deshalb setzen wir nur selten außergewöhnliche Projekte um. Aber in Zeiten der  Corona-Pandemie ist eben auch bei uns alles anders.

Im Mittelpunkt unseres Stütz- und Förderunterrichts steht die Aufarbeitung des Berufsschulstoffes. Von daher stellte die Corona-Krise für den Ausbildungsbereich eine besondere Herausforderung dar. Nach wochenlangem Zutrittsverbot (währenddessen wir nur per Telefon, E-Mail, Messenger oder Post mit den Auszubildenden kommunizieren konnten), haben wir Ende April mit den diesjährigen Prüflingen und seit dem 6. Mai auch mit den restlichen Auszubildenden den Ausbildungsbetrieb vor Ort wieder aufgenommen.

Mit der Rückkehr der Azubis in unsere Einrichtung kam zeitgleich die Verpflichtung zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Bei Bedarf verteilten wir Einwegprodukte. Aber schon bald zeigten sich im Kollegenkreis die verschiedensten selbstgenähten Modelle. Es dauerte nicht lange bis die Idee entstand, im Rahmen von Alltagshilfe auch mit interessierten Auszubildenden Masken zu nähen.

Beziehungsarbeit an der Nähmaschine im SOS-Kinderdorf Niederrhein

Überrascht  von der starken Resonanz, insbesondere bei den männlichen Auszubildenden, galt es zunächst das große Interesse unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsvorschriften zu koordinieren, bevor es an die eigentliche Arbeit gehen konnte. Mithilfe eines YouTube-Videos wurden die verschiedenen Arbeitsschritte besprochen und nach Do-it-Yourself-Manier erlernt. Schnell wurde allen Beteiligten klar, dass es sich nicht ausschließlich um die Tätigkeit an der Nähmaschine handelt. Messen, Aufzeichnen, Zuschneiden, Falten, Bügeln – das alles stand nun auf der Tagesordnung der Auszubildenden, die üblicherweise, je nach Berufszweig, Nahrungsmittel zubereiten, Maschinen bedienen oder mit Computerprogrammen arbeiten. So sah man die jungen Auszubildenden aus dem Metallbereich in Arbeitshose am Bügelbrett stehen. Auch zwei Auszubildende aus dem kaufmännischen und hauswirtschaftlichen Bereich haben fleißig und mit besonderer Ausdauer zugeschnitten und genäht. Erlernte Arbeitsschritte wurden schnell verinnerlicht und selbständig an neue Nähbegeisterte weitergegeben – vom  Lernenden zum Lehrenden. Da waren die theoretischen Anleiter*innen, alias SOS-Mitarbeiter*innen, zwischenzeitlich überflüssig.

In heiterer und lockerer Atmosphäre tauschten sich alle Beteiligten über Musikvorlieben, Rezeptvorschläge und sportliche Aktivitäten aus. So berichtete ein Auszubildender von seiner Situation in der Zeit des Ramadans und dem damit verbunden Verzicht auf Essen und Trinken zwischen Sonnenaufgang und -untergang. Der Verzicht wurde von den Mitauszubildenden hoch angesehen und honoriert, besonders vor dem Hintergrund der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie. Denn viele in der Runde bestätigten, dass Essen für sie selten so wichtig und bedeutend war wie in den letzten Wochen – ein Hoch auf Naschereien während der langen Zeit zuhause, beim Home Schooling oder im Home Office.

Beziehungsarbeit an der Nähmaschine im SOS-Kinderdorf Niederrhein

Beim Einfädeln des Fadens zum Beispiel hörten die Verwaltungsfachkraft und die Sozialpädagogin gespannt zu, wie die Auszubildenden die letzten Wochen erlebt und wahrgenommen haben. Schnell fiel auf, dass die Emotionen, Einstellungen und Verhaltensweisen sehr unterschiedlich waren – in einem Punkt waren die Auszubildenden und Mitarbeiter*innen sich aber von Grund auf einig: „Es ist schön, wieder hier sein zu dürfen!“

Das Maskennähen hat den Auszubildenden und den Mitarbeitenden, die sich als Projektgruppe alle aus unterschiedlichen Berufs- und Arbeitsbereichen zusammengetan haben, viel Freude bereitet und Lust gemacht auf weitere übergeordnete Projekte.

Text:
Jennifer Haferbeck, Verwaltungsfachkraft 
Janine Rogos, Sozialpädagogin
SOS-Kinderdorf Lippe

Ihre Ansprechpartnerin

Eva-Maria Wächter
Koordination Marketing und Öffentlichkeitsarbeit
SOS-Kinderdorf Lippe
Forstweg 1
32816 Schieder-Schwalenberg

Telefon: 05284 9427-21
Fax: 05284 9427-29
eva-maria.waechter@sos-kinderdorf.de