Wilhelmstift

Eine besondere Kooperation

Wenn morgens um halb neun freudestrahlend bei uns ein „Ich fahr jetzt zu Rapunzel!“ oder „Ich freu mich schon so auf Maja!“ ertönt, dann geht es nicht etwa nach Disneyworld und wir denken auch nicht an eine Biene. Seit mittlerweile fast zwei Jahren fahren wir – die Kinder und Jugendlichen der psychiatrischen Tagesklinik Nord des Kinderkrankenhauses Wilhelmstift – zu den Pferden des SOS-Kinderdorfs Harksheide nach Dahmker.

Im Jahr 2011 hat das Kinderkrankenhaus Wilhelmstift im Norden Hamburgs eine psychiatrische Tagesklinik eröffnet, um auch in dieser Region ein professionelles Angebot für belastete Kinder und Jugendliche anzubieten. In dieser Tagesklinik werden acht Patienten im Alter von sechs bis 18 Jahren in einem multiprofessionellen Team betreut. Wir bieten eine Behandlung von montags bis freitags für Kinder und Jugendliche an, dazu gibt es verschiedene Fachtherapeuten, die an unterschiedlichen Tagen Angebote für die Patienten gestalten.

Patienten zu Besuch bei den Kinderdorfpferden

Im Jahr 2014 hatten wir Jerom, einen zwölfjährigen Jungen aus dem SOS-Kinderdorf Harksheide bei uns. Dieser wurde über zwölf Wochen betreut. Es hat sich ein sehr wertschätzender, positiver Austausch mit den Kollegen aus seinem Kinderhaus ergeben. Da Jerom über die Sommerferien bei uns war und wir gerade in den Ferienzeiten die vermehrte Freizeit durch Ferienaktivitäten oder -projekte füllen, machte er den Vorschlag, gemeinsam einen Besuch bei den Kinderdorfpferden mit der ganzen Patientengruppe zu machen. Gesagt getan, wir fragten mit Jeroms Unterstützung an, und los ging es.

Schon in dieser kurzen Zeit waren wir mehr als begeistert! Der Kontakt war durchweg positiv und hat unsere Patienten noch über lange Zeit begleitet. Durch die Weiterbetreuung Jeroms und der gegenseitigen Sympathie aller Kollegen, waren wir noch über längere Zeit im Kontakt. Im gemeinsamen Fachaustausch kam die Idee, wie man die wechselseitigen Kompetenzen bestmöglich nutzen und voneinander lernen kann. Daraus ergab sich eine Kooperation, die seit nun mehr fast zwei Jahren besteht und das gegenseitige Vertrauen stärkt und Ressourcen fördert.

Der Dahmker Hof: ein Ort zum Abschalten 

Einmal pro Woche fahren wir mit drei bis vier Patienten nach Dahmker und besuchen die Pferde und Mona Pelz, Reitpädagogin im Kinderdorf. Wir verbringen dort zwei Stunden und genießen Entspannung und Ruhe fernab von Problemen zu Hause und dem Klinikalltag. Da unsere durchschnittliche Behandlungszeit zwölf Wochen beträgt, können die Patienten eine Beziehung zu Mona und den Pferden aufbauen und davon immens profitieren.

Gerade für unser Klientel, die zum Beispiel mit den Krankheitsbildern Störung des Sozialverhaltens, Angststörung, depressive Episode, suizidale Krisen, PTBS, ADHS kommen, sind verlässliche Beziehungen und ein Ort zum Abschalten und Ausruhen sehr wichtig. Die Kinder und Jugendlichen haben in Dahmker einen sicheren Ort gefunden, bei dem sie eben diese Ruhe finden und bei sich ankommen können. Je nach Patient, Lust, Können oder Stimmung gibt es ein breites Angebot der Pferdearbeit. Ob Stopp-Tanz, Pferde-Fußball, das Erstellen einer Foto-Love-Story, Ausreiten, Pferdezöpfe flechten… Die Patienten sind jedes Mal begeistert und genießen die schöne Zeit mit den Pferden.

Bei den Vorüberlegungen haben wir besprochen, wie wir denn diese tolle und wichtige Arbeit honorieren können bzw. wie wir dem Kinderdorf etwas zurückgeben können. Daraus hat sich eine externe Fallberatung entwickelt. Es fahren einmal im Monat zwei Kollegen aus dem Wilhelmstift ins Kinderdorf Harksheide und bieten dort, wo Bedarf besteht, eine Fallberatung an. Wir haben durchweg motivierte Kollegen kennengelernt, bei denen gerade die Schnittstelle Pädagogik / Psychiatrie und psychiatrische Krankheitsbilder wertschätzend genutzt wird. Wir sind froh, etwas zurückgeben zu können und haben noch mehr Ideen, diese Kooperation zu vertiefen und zu nutzen.

Vielen Dank an alle, die es unseren Patienten ermöglichen, in Zeiten von steigendem sozialem und gesellschaftlichem Druck, Kommunikationsschwierigkeiten und Unsicherheiten, abschalten zu können und so akzeptiert zu werden, wie sie sind. Nirgendwo schmecken Tee und Kekse so gut wie in Dahmker bei Mona.

Ihre Ansprechpartnerin

SOS-Kinderdorf Harksheide

Wilhelmstift
Katholisches Kinderkrankenhaus GmbH
Liliencronstraße 130
22149 Hamburg

Friederike Henn
Gruppenleitung – Kinder- und Jugendpsychiatrische Abteilung
friederike.henn@sos-kinderdorf.de