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Mit Krallengriff ins Berufsleben

15. März 2019

Ausbildung im SOS-Kinderdorf Harksheide

Seit vielen Jahren werden in unserem SOS-Kinderdorf Harksheide benachteiligte junge Erwachsene mit kompetenter Unterstützung sehr erfolgreich zu FachpraktikerInnen der Hauswirtschaft ausgebildet. Weit über 100 Auszubildende erreichten hier schon den Berufsabschluss, jetzt sind noch freie Ausbildungsplätze zu haben. Wir sprachen mit einer aktuellen Auszubildenden Dorothee, 19 Jahre, sowie der Ausbilderin Anika Lubs, 42, über das Besondere dieser Ausbildung.

Ausbilderin Anika Lubs mit Auszubildenden Dorothee

Ausbilderin Anika Lubs (lks.) mit Dorothee in der Ausbildungsküche des Kinderdorfes, einem der Arbeitsplätze in der Hauswirtschaft

Dorothee, Sie sind Auszubildende hier in der Hauswirtschaft im SOS-Kinderdorf Harksheide im 2. Lehrjahr. Mögen Sie uns erklären, was das eigentlich ist, Hauswirtschaft. Was lernt man da?

Man lernt, wie man richtig kocht, also fachlich richtig kocht, mit Schneidetechnik und Krallengriff, dazu Hygienevorschriften und wie man ein Haus korrekt reinigt und Wäsche richtig bearbeitet. Da gibt es fachlich eine Menge zu beachten.

Was bitte ist ein Krallengriff, das habe ich noch nie gehört?

Eine Technik zur Sicherheit beim Schneiden von Nahrungsmitteln. Damit man nach der Arbeit genauso viele Finger hat wie vorher.

Das klingt alles nach Tätigkeiten, die man auch privat ganz gut gebrauchen kann. Hat sich Ihr persönliches, privates Leben durch die Ausbildung denn schon verändert?

Ich koche am Wochenende für die Familie, die gucken mir dann schon auf die Finger und sehen, ach die Dorothee macht das anders. Und meine Schwester interessiert sich auch für die Hauswirtschaft, und da habe ich ihr ein paar Tricks gezeigt, wie man manche Sachen einfacher machen kann. Also die Speisen schön garnieren und dabei auch noch für ein paar Vitamine sorgen.

Aber mal ganz einfach gefragt. Einen Haushalt führt doch jeder, warum muss man da eine Ausbildung machen?

Man kann natürlich Sachen einfach so machen wie man denkt, aber man kann auch viel falsch machen, und wir sind ja Dienstleister, da muss alles richtig sein, vor allem auch hygienisch. Fleisch und Gemüse bereitet man nicht am selben Arbeitsplatz zu, es gibt unterschiedliche Reinigungsmittel für verschiedene Aufgaben und so weiter. Und bei diesen praktischen Sachen werden wir hier toll unterstützt.

Die Hauswirtschaft in Harksheide ist jetzt nicht Teil eines großen gastronomischen Betriebs. Empfinden Sie das als Vor- oder Nachteil?

Das ist schon ein Vorteil. Es ist kleiner, familiärer hier und sehr persönlich. Man hat immer eine Ausbilderin, die man ansprechen kann. Aber dann mache ich ja auch noch immer wieder ein Berufspraktikum in den Betrieben bei mir in der Nähe.

Das heißt, dass Sie einen großen Teil der Ausbildung als Betriebspraktikum absolvieren, richtig?

Ja, genau, die Betriebspraktika sind sehr wichtig und ergänzen das hier prima. Man muss sich da dann schon ein bisschen eingewöhnen, das ist dann ein wenig anders als hier, auch mehr Stress manchmal. Ich habe aber schon drei Praktika gemacht, zweimal im Seniorenheim und einmal in einer Kita, das war sehr gut.

Frau Lubs, wenn wir das richtig verstehen, vermitteln Sie hier die Inhalte einer „normalen“ Ausbildung, aber doch mit anderen Mitteln und für eine besondere Gruppe junger Menschen. Können Sie uns das etwas genauer erläutern, wo sind Ihre Schwerpunkte?

Die Auszubildenden, die bei uns sind, haben alle eine Lernschwäche als individuelles Problem. Man muss dann sehen, wo sie stehen und dann entsprechend individuell die Förderung anlegen. Sie werden sowohl in der Theorie als auch in der Praxis gefördert, wir haben gezielten Förderunterricht, wenn nötig auch als Einzelförderung. Das klappt viel besser, als viele am Anfang befürchten.

Üblicherweise ist man als Azubi bei seinem Arbeitgeber angestellt, und mit dem regelt man dann alles. Bei Ihnen spielt aber auch die Agentur für Arbeit eine tragende Rolle. Wie funktioniert das?

Die Agentur für Arbeit entscheidet über die Ausbildung, denn sie finanziert das ja auch über das sogenannte persönliche Budget. Dann ist hier natürlich erstmal ein Praktikum zum Kennenlernen möglich und auch erforderlich, um sich wirklich einen Eindruck zu verschaffen.

Und die Dauer der Ausbildung?

Ganz normal drei Jahre. Wichtig ist aber auch zu wissen, dass man dann auch den Hauptschulabschluss hat, also den ersten allgemeinen Schulabschluss.

Wenn ich mich jetzt für eine Ausbildung in der Hauswirtschaft des Kinderdorfes interessiere, was muss ich tun, mich schriftlich bewerben?

Einfach anrufen, den Rest bespricht man dann am Telefon oder verabredet sich persönlich. Wer da aber ein bisschen Hemmungen hat, der kann auch einfach eine E-Mail schreiben.

Dorothee. das klingt wirklich verlockend einfach. Bleibt das während der Ausbildung so?

Am Anfang ist es leicht, das stimmt. Aber ab dem zweiten Ausbildungsjahr nehmen die Anforderungen schon zu. Aber darauf ist man dann ja vorbereitet.

Wer in der hauswirtschaftlichen Ausbildung im SOS-Kinderdorf jetzt seine Chance sieht, meldet sich dort am besten gleich, denn es sind noch Ausbildungsplätze zu haben. 

Ihre Ansprechpartnerin ist Frauke Morgenroth, frauke.morgenroth@sos-kinderdorf.de, Tel. 040 – 5897954-111.

Alle anderen Interessenten sollten sich den 15. Mai 2019 vormerken, denn dann findet dort von 14-17 Uhr ein Tag der offenen Tür zum Reinschnuppern statt.