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Wie leben Kinder in 50 Jahren in Hamburg?

29. November 2022

Hamburger Bürgerschaftsabgeordnete wagen Ausblick in das Jahr 2070

Wie leben Kinder in 50 Jahren in Hamburg? Zum 50‑jährigen Jubiläum entwickelte SOS-Kinderdorf Hamburg Szenarien für die zukünftigen Generationen. Gemeinsam mit Z_punkt, dem Beratungsunternehmen für strategische Zukunftsfragen, wurden sechs Ereignisse entlang unterschiedlicher Themenfelder entworfen. SOS-Kinderdorf befragte die Mitglieder der Hamburger Bürgerschaft, wie diese die Zukunft von Kindern und Jugendlichen im Jahre 2070 in Hamburg sehen.

Eine Welt, in der die Herkunft keine Rolle spielt

Die Fraktion DIE LINKE stellt sich eine Zukunft vor, in der die Herkunft und das Familienbudget eines Kindes keine Bildungsbenachteiligung darstellen. So sind die Kitaplätze inklusive Mahlzeiten kostenfrei. Schulen fördern und unterstützen jedes Kind individuell. Kinder können einfach in einen Sportverein eintreten. Wenn sie Museen oder Schwimmbäder besuchen, zahlen sie dafür kein Eintrittsgeld. In dieser Welt finden Familien, die Hilfe benötigen, diese rasch und unkompliziert – ob bei Fachkräften im Stadtteil oder beim Jugendamt.
DIE LINKE ist sich sicher: „Junge Menschen brauchen viel mehr für ein gelingendes Aufwachsen. Sie brauchen offene Treffpunkte, Freiräume und Orte, an denen sie ihre Zeit mit Gleichaltrigen verbringen, sich entwickeln und einbringen können. Die vielfältigen Angebote der Offenen Kinder und Jugendarbeit (Bauspielplätze, Jugendtreffs, Spielhäuser, Mädchentreffs usw.) bieten genau das. Hier können sie mitgestalten und sich beteiligen. Demokratische Bildungsangebote, aber auch Unterstützung durch vertraute Fachkräfte bei Problemen zum Beispiel in der Familie oder in der Schule sind Bestandteil der Arbeit. Gerade für junge Menschen, die in strukturell benachteiligten Verhältnissen aufwachsen, ist ‚ihre‘ Einrichtung oft ein existenziell wichtiges zweites Zuhause.“

Mentoren und Mentorinnen begleiten durch das Leben

Nicht nur gute Orte zum Aufwachsen und auch Ansprechpartner sind Bestandteil eines Kinderlebens im Jahr 2070. Für Sandro Kappe (CDU) sind Mentoren und Mentorinnen, die durch das Leben begleiten, wichtig: „Auch in 50 Jahren wird es Kinder geben, die es nicht so gut haben. Heute wie gestern und auch in der Zukunft werden wir Mentoring-Programme sowie Betreuungsprogramme benötigen. Sie sind ein wichtiger Bestandteil zu helfen. Menschen, denen es gut geht, können Mitmenschen, den es nicht so gut, aktiv unterstützen. Das macht eine gute Gesellschaft aus!“

Jugendbeiräte und Jugendmitwirkungsgesetz

In den Zukunftsvisionen der Politiker/-innen geht es auch um die Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen. Anja Quast (SPD): „Unsere Gesellschaft von morgen wird von denen geprägt und gestaltet, die heute Kind sind. Wollen wir also auch in Zukunft solidarisch und gut zusammenleben, so müssen wir unsere Kinder heute zu liebevollen und verantwortungsbewussten Menschen erziehen. Das geht nur über Bindung und Bildung. Die Stärkung der Mitwirkungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche liegt mir besonders am Herzen; denn über Mitgestaltung wachsen das Gefühl von Selbstwirksamkeit und damit auch der Verantwortung für sich und andere. Daher setze ich mich für ein Jugendmitwirkungsgesetz in Hamburg ein.“
Auch für Alexander Mohrenberg (SPD), ist die Beteiligung der jungen Generation wichtig: „Kinder und Jugendliche müssen intensiver in politische Entscheidungen eingebunden werden, um für sich selbst sprechen zu können. In Hamburg setze ich mich daher unter anderem dafür ein, dass wir Jugendbeiräte schaffen, die in die Entscheidungsprozesse vor Ort eingebunden werden.“

Grünflächen und Parks in allen Stadtteilen

In der Zukunftsvision von Dr. Anke Frieling (CDU) spielen auch Natur und Klimawandel eine große Rolle: „Wichtig ist auch, dass Kinder in Hamburg ausreichend Möglichkeiten haben, Natur hautnah zu erleben – in Naturparks und Wildparks zum Beispiel. In Zeiten des Klimawandels sind ein Bewusstsein und die Liebe zur Natur besonders wichtig – und in der Großstadt entsteht beides nicht im alltäglichen Erleben. Umso wichtiger ist der Erhalt von Grünflächen und Parks in allen Stadtteilen.“
SOS-Kinderdorf Hamburg beschäftigt sich mit den Zukunftsszenarien für das Jahr 2070, um auch weiterhin auf die Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten eingehen sowie auf die Sorgen und Nöte von Kindern sowie Jugendlichen hinweisen zu können. Die Ausgangspunkte der Überlegungen sind sowohl längerfristige Megatrends als auch schwache Signale und die daraus möglichen Entwicklungen für Kinder und deren Familien. Die entstandenen Artefakte und Szenarien sind mehrdeutig interpretierbare Spekulationen. Der Blick in die Zukunft hilft, sich auf Gegebenheiten vorzubereiten und schon jetzt die Auswirkungen auf das Leben von Kindern und ihren Familien zu beachten.