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Aktuelles

Umfrage zur Corona-Krise

21. Januar 2021

Wenn sich die Angst in die Familien schleicht

  • Mehr als die Hälfte der Hamburger Eltern und ein Viertel der Kinder haben Angst vor dem Virus
  • In Hamburg bangt knapp die Hälfte der berufstätigen Eltern um den Arbeitsplatz
Pandemiebedingt steigt in vielen Familien das Stress-Level.

Pandemiebedingt steigt in vielen Familien das Stress-Level.

Kinder leiden besonders stark unter den Folgen der Corona-Pandemie. Dies zeigt eine Umfrage unter Eltern, die von Toluna und Faktenkontor für das SOS-Kinderdorf Hamburg durchgeführt wurde. In vielen Familien spüren die Kinder nicht nur die Angst vor Ansteckung. Auch der Verlust des vertrauten Alltags in Kita und Schule sowie häufig auch finanzielle Sorgen der Eltern machen dem Nachwuchs zu schaffen. In Hamburg sind die Befürchtungen der Befragten, durch Corona den Arbeitsplatz zu verlieren oder in Kurzarbeit zu gehen, groß. 

Die Bedrohung durch das Virus spüren auch die Kinder: So gab ein Viertel der befragten Eltern an, das ihr Kind Angst hat, sich mit Covid-19 anzustecken, ebenso viele Kinder fürchten, nahestehende Verwandte durch das Virus zu verlieren. In Familien, in deren Umfeld Corona aufgetreten ist, sind die Ängste noch größer: Hier fürchtet sich fast jedes dritte Kind davor, ein Familienmitglied zu verlieren. Mehr als jedes fünfte Kind leidet häufiger unter Schlafproblemen oder hat sich durch die Corona-Krise verändert berichten Eltern. Die Kinder würden sich zurückziehen, ängstlicher oder auch aggressiver sein als vor der Krise.

Existenzängste nehmen zu

Nicht nur die Angst vor dem Virus wird zur Belastung. „Die Existenzängste der Erwachsenen gehen nicht spurlos an den Kindern vorbei. Kinder haben ein sehr feines Gespür und merken, wenn die Eltern sich Sorgen machen“, sagt Torsten Rebbe, Leiter von SOS-Kinderdorf Hamburg. „Wir merken das in unserer täglichen Arbeit. Wir spüren die Ängste und den Druck bei unseren betreuten Familien. Die psychischen Probleme nehmen zu beziehungsweise verstärken sich.“

In Hamburg bangt fast jede zweite der befragten Familien um den Arbeitsplatz. 50 Prozent der Eltern haben Angst vor Kurzarbeit und 47 Prozent fürchten sogar den Jobverlust. Etwa jeder Zweite muss durch Corona bereits mit weniger Geld auskommen. 52 Prozent der befragten Selbstständigen mit Kindern sehen ihre Existenz bedroht.

Finanzielle Einbußen und Zukunftsängste setzen Familien unter Druck. Einige kämpfen ums Überleben. Jede fünfte Familie in Hamburg befürchtet, dass das Einkommen durch die Corona-Krise so sehr einbricht, dass es einfach nicht mehr reicht, um alle zu versorgen. Die Umfrage zeigt, dass jüngere Eltern besonders stark betroffen sind. Ältere berufstätige Eltern sind im Job eher etabliert und haben größere finanzielle Rücklagen. Die Einkommenseinbußen fallen bei ihnen geringer aus. So rechnet die Hälfte der Eltern über 40 Jahren nicht mit weniger Geld.

Unsichere Betreuung bedeutet Stress für Klein und Groß

Zu der unsicheren wirtschaftlichen Lage kommen auch Sorgen um die Betreuung der Kinder.  Jede zweite Familie in Hamburg hat Angst davor, die Kinder wieder wochenlang ganztags daheim betreuen zu müssen, wenn Kita und Schule geschlossen sind. Viele Eltern haben bereits im Frühjahr 2020 den Spagat zwischen Kinderbetreuung, Homeschooling und Job meistern müssen. „Aus meiner Sicht ist Homeoffice kein Allheilmittel. Besonders in Kombination mit Homeschooling ist es die Quadratur des Kreises. In Familien, die wir betreuen, nehmen die Spannungen zu“, sagt Torsten Rebbe. „Wenn Schulen und Kitas geschlossen sind oder im eingeschränkten Betrieb, bedeutet das, dass Kinder und Eltern den ganzen Tag auf engstem Raum zusammen sind. Berufstätige Eltern sind zudem auf die Betreuung in Schulen und Kitas angewiesen. Da liegen die Nerven blank.“ Die Umfrage bestätigt, dass fast in jeder zweiten Hamburger Familie (41 Prozent) Streitigkeiten zugenommen haben. Mehr als 60 Prozent der Eltern sorgen sich bei Schul- und Kitaschließungen um die Bildung und Entwicklung ihrer Kinder.

Mehr Spannungen, aber auch mehr Gespräche

„Kein Sport, kein Schwimmbad, Theater oder Kino, kein Freizeitpark oder Rummelplatz - die Corona-Beschränkungen haben das Familienleben ohne Frage stark verändert und beschränkt. Auch wenn es in vielen Familien mehr Reibereien gibt, stellt eine Mehrheit fest, dass mehr miteinander gesprochen oder gespielt wird“, sagt Rebbe. 72 Prozent der Befragten sagen, es würde in der Familie mehr Gespräche geben. Zwei Drittel der Eltern unternehmen mit ihren Kindern mehr Ausflüge in die nähere Umgebung oder machen Spieleabende. Auch sportliche Aktivitäten wie Fahrrad fahren oder Joggen integrieren 63 Prozent in den Familienalltag.

Zur Umfrage:

Für die Umfrage „Coronafolgen für Familien“ wurden 1.030 Bundesbürger aus Haushalten mit mindestens einem minderjährigen Kind online befragt. Davon waren repräsentativ für Hamburg 324 Befragte. Die Umfrage wurde im November und Dezember 2020 von Toluna und Faktenkontor für das SOS-Kinderdorf Hamburg durchgeführt.