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Aktuelles

Homeschooling - Gedanken einer Mutter

4. Februar 2021

Schule zu Hause. Freunde treffen per Video-Chat. „Sport“ im Wohnzimmer. Eine unbeschreibliche Zeit in der meine Kleinen gerade ganz viel Großes vollbringen.

Wir haben wirklich sehr viel Glück. Die Lehrerin meiner 9-Jährigen ist technisch auf Zack, entwickelt Woche für Woche tolle Arbeitspläne und hängt auch noch freiwillige Kompetenzfelder mit Jonglier-Videos, Experimenten zu Superabsorbern oder Fitnessübungen mit Felix Neureuther dran. Langeweile? Fehlanzeige!

Kind beim Homeschooling

Das Programm meiner beiden 5-Jährigen ist deutlich reduzierter. Die Vorgabe der Vorschullehrerin lautet: „Jeden Tag drei Arbeitsblätter“. Das ist zugebener Maßen ein recht kurzes Zeitfenster und trägt dazu bei, dass nach 20 Minuten gemeinsamer Arbeit unter voller Konzentration, um nicht überzumalen, der Geräuschpegel wieder anzieht.

Arbeiten mit schallgedämpften Kopfhörern, ist zum Standard geworden. So kann man gut bei sich bleiben und ist einigermaßen konzentriert in den Video-Konferenzen mit den Kollegen. Spontane Gesangseinlagen im Kinderzimmer rieseln kaum hörbar dahin, das Fluchen über einen Fehler im Deutschdiktat ebenso. Ein großes Manko ist allerdings, dass man eben nicht immer SOFORT hört, wenn einer der Zwerge sich den Kopf gestoßen oder den Finger umgeknickt hat. Sorry!

Wenn „die Große“ mit ihren Tagesaufgaben fertig ist, hilft sie auch gerne mal „den Kleinen“, neue  Buchstaben zu lernen oder erste Zahlen im Einmaleins zu rechnen. Warum sie das tut? Neben der Tatsache, dass sie einfach klasse ist und später gerne Lehrerin werden möchte, scheine ich ab und an den Eindruck zu vermitteln, ein bisschen mehr Ruhe zum Arbeiten zu benötigen. Das Verständnis füreinander wächst in unserer Familie gerade wie ein Gummibaum. Schlechte Stimmungen werden von dem aufgefangen, der gerade mehr Kraft hat. Nonverbal. Und da springen eben die Jüngsten auch mal für die Ältesten ein.

Zwei Tage die Woche bin ich quasi alleinerziehend, weil „Papa“ außerhalb Hamburgs arbeitet („Danke Corona!“, normalerweise sind es 4). Aber auch das kriegen wir mit unterschiedlichen Bettgezeiten und fest verbrieften Ritualen ganz gut hin. 

Ich habe mehr denn je das Gefühl, dass Regeln und klare Strukturen insbesondere jetzt das A und O sind für unsere Kinder. Sie geben ihnen Beständigkeit und Halt. 

Regelmäßig muss ich an die Familien denken, die mit alldem nicht so viel Glück haben wie wir. Ich habe von verzweifelten Eltern gehört, die mit dem Homeschooling von den Lehrern und / oder der Schule völlig alleine gelassen werden. Keine virtuellen Treffen, keine Korrekturen der Arbeitsmaterialen, stumpfes Durcharbeiten von Schulheften ohne jegliche Abwechslung. Uffz. Und was ist mit denen, die wirklich alleinerziehendsind? Die 24 Stunden am Tag rastlos alles wuppen müssen, ohne mal sagen zu können „jetzt brauche ich eine Pause!“? Weil da eben keiner ist, der mal kurz einspringt?!

Ich bin hin- und hergerissen, ob es moralisch vertretbar ist, wenn man an die vielen Familien denkt, die gerade wirklich große Probleme haben und sich dann plötzlich in seiner eigenen Situation besser fühlt.… Oder ist es nur so, dass man sich in solchen Momenten seiner Privilegien klar(er) wird? Solange mein Schmerz darin besteht, während eines Zoom-Meetings mit meinem Chef Kartoffeln zu schälen und gleichzeitig das Wort „dreamhouse“ zu buchstabieren, kann und werde ich mich nicht beschweren.

Heute Abend kommt Papa nach Hause (endlich!) und wir werden gemeinsam mit den Kindern an alle diejenigen denken, die gerade jetzt dringend Hilfe benötigen. Hoffentlich haben sie die Kraft, sich Hilfe zu holen. Und sie anzunehmen.