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Aktuelles

Gedanken einer Sozialpädagogin

13. Mai 2020

Mädchen mit Sonnenblume

Gedanken einer Sozialpädagogin von SOS-Kinderdorf Hamburg aus der Familienhilfe in Eidelstedt

"Beziehungsarbeit versus sozialer Distanzierung. Die Corona- Krise stellt mich als Sozialpädagogin in der Jugend- und Familienhilfe vor erhebliche Herausforderungen, die ich so in meiner langjährigen Berufserfahrung noch nie erlebt habe. Bewährte Instrumente und Methoden der sozialen Arbeit kann ich nicht anwenden, weil das Schlagwort der Stunde Soziale Distanz heißt und das in einem Bereich, der von Beziehung, einem gesunden Nähe-Distanz-Verhältnis und Kontakt lebt.

Hierdurch sammele ich die Informationen und Eindrücke, die meine Arbeit mitbestimmen und einen wichtigen Faktor für mein weiteres Handeln innerhalb und außerhalb der Familie darstellen. Deshalb heißt Soziale Distanz für mich, keinen Zugriff auf diese wichtigen Bausteine zu haben. Mir fehlt der Blick auf die Familien, gerade jetzt, wo das weitgehende Kontaktverbot und die Einschränkungen im Alltag für viele Familien, Kindern- und Jugendliche eine absolute Stresssituation darstellt. Schon jetzt führen die veränderten Lebensbedingungen zu einer Zunahme von familiären Krisen, häuslicher Gewalt und Kindeswohl gefährdeten Situationen im familiären Zusammenleben.

Schulen und Kitas fallen als Regulativ weg, wie wichtig diese Einrichtungen, als ein entlastenden Baustein für belastetet Familien sind, wird gerade jetzt deutlich. Hier verbringen Kinder-und Jugendliche in der Regel, den größten Teil des Tages. Hier haben sie soziale Kontakte, hier erhalten sie oft ihre erste Mahlzeit.

Auch für mich, als Sozialpädagogin im ambulanten Bereich entfällt ein wichtiger Netzwerkpartner, über den ich wichtige Informationen erhalten, wie es dem Kind oder dem Jugendlichen geht, wo mögliche Probleme oder Schwierigkeiten gesehen werden.

Wenn ich also meine Gesundheit und die meiner Mitmenschen schützen will, und dennoch meinen Arbeitsauftrag zu Zeiten von Corona erfüllen möchte, bin ich aktuell auf Telefonate, Videoberatung oder kurzen, im Toleranzabstand stattfindende Spaziergänge reduziert. Sie bieten mir Momentaufnahmen, die mir aber keine wirkliche Einschätzung darüber geben, wie es den Familien, Kindern oder Jugendlichen tatsächlich geht! Somit bleibt bei mir immer eine Unsicherheit, ob es ausreicht, was ich zurzeit anbieten kann, um Krisen und Zuspitzungen zu verhindern."

Wir sind auch jetzt für euch da:


 


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