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Im Fokus

Einladung zum Fachtag am 20. Februar 2020

„Liebe, Angst und Kontrolle in der Jugendhilfe – Herausforderung Menschsein“


Unter dem Titel sollen Risiken und Auswirkungen der zunehmenden Tendenz zur Steuerung, Kontrolle und Monetarisierung in der Jugendhilfe beleuchtet werden. Ein ganzheitliches Verständnis von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien geht damit zunehmend verloren. Wir möchten einen positiven Gegenentwurf skizzieren, zu dessen Gestaltung wir ein Stück beitragen können. Wie können wir als Mitarbeiter/innen im Jugendhilfesystem Mensch bleiben?

Für das Programm konnten wir Dr. Marie-Luise Conen (Context – Institut, Berlin) und Dr. Natalie Knapp (Philosophin und Autorin) und Agnieszka Maluga (zweite Vorsitzende der Janusz Korczak Gesellschaft) als Rednerinnen gewinnen. Wir freuen uns auf ihre inspirierenden und visionären Beiträge zu Gegenwart und Zukunft der Jugendhilfe.


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Die Referentinnen

Dr. Natalie Knapp wird uns an ihren philosophischen Gedanken zum Thema teilhaben lassen und neue Horizonte eröffnen, Dr. Marie-Luise Conen an ihren „Tagträumen“ von einer Jugendhilfe 2038 teilhaben lassen. Eine Betrachtung zum Thema Liebe in der Erziehung durch Agnieszka Maluga, zweite Vorsitzende der Deutschen Korczak Gesellschaft, rundet den theoretischen Input ab. Wir wollen aber vor allem auch mit Ihnen und Euch ins Gespräch kommen, Raum lassen, sich auszutauschen und Verbindungen zu schaffen. Wir freuen uns auf einen anregenden und verbindenden Tag.


Ablauf

  • 9:00 bis 9:30 Uhr: Ankommen, Begrüßung und Einführung
  • Vortrag
    „Zukunftsvision Jugendhilfe orientiert am heutigen Defizit“
    Referentin Marie-Luise Conen
    Jugendhilfe in 20 Jahren – es ginge auch anders …
  • Vortrag
    „Herausforderung Menschsein – eine Ermutigung für die Jugendhilfe!“
    Referentin Dr. Natalie Knapp
    Ein Plädoyer für die Wertschätzung der Unsicherheit
  • Mittagessen und Aktion
  • Vortrag
    „Weil der Mensch das Risiko eines individuellen Lebens auf eigene Verantwortung braucht“
    Referentin Agnieszka Maluga
    Janusz Korczaks Pädagogik der Achtung als Herausforderung für Kinder und Erwachsene
  • 17:00 Uhr: Ende

Die Vorträge der Referentinnen werden durch verschiedene Möglichkeiten des Austauschs und der Diskussion sowie einem Rahmenprogramm abgerundet. Moderation: Elke Wiswedel, NDR 2

Überblick

  • Datum: 20. Februar 2020 von 9 Uhr bis 17 Uhr
  • Ort: Störtebeker-Säle, Süderstraße 288, 20537 Hamburg
  • Anfahrt mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln:
    Hammerkirche (U2, U4)
    Hammerbrook (S3, S31)
    Schadesweg (Bus 112)
  • Kosten: Die Teilnahmegebühr beträgt 75 Euro. In der Gebühr sind Mittagessen, Snacks und Getränke enthalten.

Fragestellungen, denen wir uns mit dem Fachtag nähern wollen

  • Aber was bewegt uns in unserem praktischen Alltag mit den unterschiedlichen Menschen wirklich? 
  • Was macht Menschsein aus? 
  • Wie begegnen wir unseren Klienten, berühren sie uns oder wir sie? 
  • Welche Emotionen, Bedürfnisse und Wünsche nach gelingender Beziehung tragen wir in uns? 
  • Wie können diese in einem formalistischen System Berücksichtigung finden und somit Veränderungen und Entwicklungen überhaupt ermöglichen?
  • Wie fühlen wir als Akteure uns mit einer Herangehensweise, die von Formalismen geprägt ist? Und wie die Menschen, die mit ihrem Recht auf Hilfe uns gegenüber sitzen? Die „abgeholt“ werden sollen, denen auf „Augenhöhe“ begegnet werden soll und die „niedrigschwellige“ Angebote brauchen?
  • Welche Ängste lösen wir bei Menschen mit der zunehmenden Formalisierung aus? Welche erleben wir selbst? Wie gehen wir damit als Professionelle um? 
  • Wieviel Mut braucht es, (noch) Beziehungsarbeit zu leisten, zu vertrauen, Hoffnung zu haben oder gar Liebe zu empfinden. Zu den Menschen selbst, zu der eigenen Arbeit.

Unser Ziel: anregende Gespräche und Diskussionen

In der Vorbereitung auf diesen Fachtag haben wir uns mit den derzeitigen Entwicklungen im Bereich der Jugendhilfe beschäftigt, welche uns als Praktiker/innen begegnen. 

Wichtig war uns, nicht ausschließlich auf die von uns wahrgenommene negative Entwicklungen zu fokussieren, sondern einen positiven Gegenentwurf zu skizzieren. 

Derzeit werden Ziele bis auf die kleinste Handlungseinheit heruntergebrochen, Wunsch und Wille operationalisiert, fragmentiert und immer wieder dokumentiert. Ein ganzheitliches Verständnis von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien geht damit zunehmend verloren. Nicht zuletzt durch den Bericht der Enquete-Kommission „Kinderrechte und Kinderschutz weiter stärken“ in Hamburg wurde eine Diskussion der Ausrichtung des Kinderschutzes und des Jugendhilfesystems erneut angestoßen. 

Die Entwicklungen der vergangenen 15 Jahre sind unstrittig: Verregelung und Formalisierung, mangelnde Dialogkultur, Personalfluktuation, ein mechanistisches und technokratisches Hilfeverständnis führen zu einem Klima des Drucks und der Strenge – sowohl zwischen den Akteuren als auch bei den Adressaten unserer Hilfebemühungen.

Wenn die Arbeit daran gemessen wird, wie gründlich man diese dokumentiert hat, wird deutlich, dass es die wesentliche Bestrebung ist, Sicherheit durch Kontrolle zu erreichen. Wo wir doch eines sicher wissen: Kontrolle ist eine Illusion.

Unser Fachtag soll dazu anregen in einer wohltuenden Umgebung, unsere Haltungen (wieder/neu) zu entdecken und zu festigen. Lassen sie uns gemeinsam unsere Haltungen diskutieren und möglicherweise auch den Mut finden unser Arbeitsfeld mitzugestalten. Wir können uns miteinander austauschen, unsere individuellen Haltungen stärken und diese möglicherweise miteinander verbinden.