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Aktuelles

"Du bist also meine Angst?"

5. August 2021

In Zusammenarbeit mit Elisa Eckartsberg und ihrem JUNIEK VERLAG, dürfen wir Euch die Videolesung zum Buch „Du bist also meine Angst?“ präsentieren.
Vielen Dank allen Mitwirkenden für die Unterstützung bei diesem wunderbaren Projekt.

Rezension von Stefanie Stahl:

Das Buch zeigt auf eine sehr schöne Weise, wie sinnvoll das Gefühl „Angst“ ist. Jedoch auch, wie wir uns mit unseren eigenen Gedanken selbst Ängste machen, die völlig unnötig sind. Ein großes Lob für dieses Buch - unbedingt empfehlenswert für Eltern!

10 Fragen an Autorin Elisa Eckartsberg:

Was bedeutet Schreiben und Zeichnen für dich?

Elisa Eckartsberg

Elisa Eckartsberg, Autorin von „Du bist meine Angst“

Als visuell-räumlich denkender Mensch ist die Welt der Worte eigentlich nicht mein Zuhause. Ich muss sozusagen meine Bildsprache in Wortsprache übersetzen. Ich male und zeichne seit ich denken kann, unheimlich gern und es hilft mir, meine Gedanken, Gefühle und Kreativität auszudrücken. Die Worte und die Geschichten folgen, nachdem die Bilder entstanden sind. Am Anfang war das Bild – trifft bei mir also eher zu!

Wieso ein Kinderbuch? Und warum gerade das Thema Angst?

Mein immer in mir schlummernder Traum war es, ein Kinderbuch zu veröffentlichen. Es gab schon viele Ideen – und zwei fast fertige Entwürfe. Die Angst, es sei nicht gut genug, stand aber dick und breit vor der Finalisierung. Vielleicht fehlte der Realisierung aber auch der Glaube an die Besonderheit und Einzigartigkeit. Anders als bei diesem Buch, das es auf die Welt geschafft hat.

Gefühle bestimmen unser Leben und unsere Wahrnehmung. Wir treffen Entscheidungen, konsumieren, um ein sogenanntes gutes Gefühl zu erleben. Wir vermeiden und unterdrücken die sogenannten schlechten Gefühle, um sie nicht fühlen zu müssen. Bei aufkommenden unbequemen Gefühle lenken wir uns und unsere Kinder gerne ganz schnell ab. Das ist unser erlernter Umgang mit Gefühlen. Wir wundern uns gleichzeitig über die sukzessiv steigende Anzahl an Menschen mit psychischen Erkrankungen. Im Erwachsenenalter arbeiten wir dann hart daran, unsere unbewussten Schutzmechanismen und Muster zu entlarven und unser inneres Kind zu heilen. 

Mein großer Wunsch hinter meinem Herzensprojekt ist es, ein Umdenken im Umgang mit unseren Gefühlen zu bewirken. Die unbequemen Gefühle von ihrem Stempel "negativ" zu befreien und dort anzusetzen, wo ungünstige Glaubensmuster anfangen, zu entstehen – im Kindesalter. Ich hätte gern allen Gefühlen direkt im ersten Buch den gleichen Raum gegeben. Aufgrund der Komplexität jedes einzelnen Gefühl entschied ich mich jedoch dazu, der Angst den Vortritt zu lassen.

Von der Idee bis zum fertigen Buch: Wie lange hat das gedauert?

Die "Essenz" aus allem, was ich gelesen, gehört, recherchiert habe, ist eigentlich immer dieselbe: Geh hin und fühle! Akzeptiere und nimm das Gefühl an.

Die Idee, diese Botschaft über ein Kinder-Vorlesebuch zu transportieren, kam "gefühlt" über Nacht. Darauf folgte eine euphorische, nahezu manische Phase. Fest angestellt als Grafikerin überrollte uns die erste Coronawelle, und ich musste nun meine Zeit zwischen Home-Office, Home-Schooling und Home-Alles aufteilen. Nicht selten stand ich vor fünf Uhr morgens auf, um wenigstens ein paar Stunden ungestört an meinem Herzensprojekt zu werkeln, für das ich von nun an regelrecht brannte. Zwar mischten sich ab und an auch wieder Phasen der Zweifel ein, aber Freunde und Familie bestärkten mich, dranzubleiben. Eigentlich hasse ich nichts mehr als Druck – und doch brauche ich ihn wohl und setzte mir eine Deadline. Ich versprach meinem ältesten Sohn Junis, dass er das erste Exemplar an seinem Geburtstag geschenkt bekommt. Tatsächlich musste ein Gutschein als Platzhalter herhalten, aber kurze Zeit später kam der erste Probedruck, das erste gebundene Exemplar an – ein unbeschreibliches Gefühl.

Von der ersten Skizze bis zum ersten Probedruck dauerte es ziemlich genau 40 Wochen. Nicht nur aus diesem Grund bezeichne ich dieses Buch als mein drittes Baby.

Was war das Schwierigste? Was war für dich am einfachsten?

Das Herausforderndste war, die Angst zu überwinden, es würde nicht gut genug werden. Es galt, dem Prozess zu vertrauen und mich geduldig und in kleinen Schritten meinem Ziel der Fertigstellung zu nähern. Ich musste mich davon lösen, alles und sofort umsetzen zu können. Ich fing an, die Bilder zu skizzieren und eine Art Storyboard zu entwickeln. Neben der Arbeit an den Bildern, die ich digital auf meinem iPad gemalt habe, kam die Recherche zur Produktion, die Verlagsgründung und alles, was dazugehört. Obwohl ich die meiste Zeit meines Berufslebens selbstständig tätig war, war das alles Neuland für mich. 

Seltsamerweise ging mir das Schreiben ganz schnell von der Hand, wahrscheinlich weil ich die Bilder – zumindest in meinem Kopf – schon fertig gezeichnet hatte.

Wie viel von deinen Kindern stecken in dem Werk?

Der Verlagsname setzt sich zusammen aus den beiden Vornamen meiner Söhne Junis und Niek, dem Juniek Verlag. Ich kann auch nicht leugnen, dass der kleine Mensch in dem Buch optisch sehr meinen Söhnen ähnelt, wobei ich selbst als Kind so ähnlich aussah. Es steckt aber mehr meine eigene Auseinandersetzung mit meiner Angst darin.

Mit welchen Ängsten haben Kinder deiner Meinung nach am meisten zu kämpfen?

Ängste sind zum größten Teil diffus und unkonkret. Im Kleinkindalter ist es eher ein Gefühl der Unsicherheit – ein Unwohlsein. Kinder wollen sich rückversichern, dass alles in Ordnung ist. Unser Grundbedürfnis nach Bindung will bestätigt werden. Hinter allen Gefühlen stehen Bedürfnisse, die erfüllt werden möchten. Das gut gemeinte du brauchst doch keine Angst zu haben! ist nicht unbedingt das, was ein Kind als Reaktion und Bezugnahme von seinen Eltern/Bezugspersonen braucht. Es führt eher dazu, dass ein Kind entweder sich selbst und seinem Gefühl misstraut und/oder seinen Eltern/Bezugspersonen. Man signalisiert einem Kind damit, dass sein Gefühl falsch ist. 

Wie wurde die Angst zu einem Fellriesen mit Antenne?

Der Angst eine Gestalt zu geben, hilft dabei, sich nicht mit dem Gefühl zu identifizieren. Dass sie zu genau diesem Wesen wurde, entsprang meiner Fantasie. Dabei war mir wichtig, dass die Angst zwar ein bisschen unheimlich aussehen darf, aber auch freundlich und weise daherkommt. Mit der Antenne auf dem Kopf empfängt sie die Signale von unserer Zentrale, dem Gehirn. Sie ist ja eher ein entspannter Typ und würde nicht grundlos Alarm schlagen. Wir sind nämlich Schöpfer unserer Gefühle. Wir können uns die schönsten Fantasiewelten und die gruseligsten Horrorszenarien vorstellen. Aber das Wichtigste: Wir müssen nicht alles glauben, was wir denken.

Welche weiteren Bücher planst du?

In mir arbeitet und malt es permanent. Es fehlen ja schließlich noch mindestens drei Gefühle. Im nächsten Buch wird die Wut die Hauptrolle übernehmen. Das Erscheinungsdatum lasse ich aber noch offen.

Wenn du dich entscheiden musst: Schreiben oder Zeichnen? Und warum?

Bei mir kommt das Bild zuerst. Ich werde immer beides kombinieren wollen. Und da ich gern eine Kinderbuchautorin bleiben möchte, wüsste ich nicht, warum ich auf eines von beiden verzichten sollte.

Wenn du dir etwas wünschen könntest: Mit welchen Gefühlen und Gedanken sollen die Leser/-innen deines Buches dieses am Ende zuklappen?

Mit dem Gefühl, dass man gar keine Angst vor der Angst haben muss. 

Denn jetzt weißt du, du bist nicht die Angst, sie ein Teil von dir, der deine Aufmerksamkeit sucht, dich warnen und beschützen will. Sie scheint am Anfang vielleicht ganz groß, aber sie wird kleiner, je mehr du sie (hinter)fragst und akzeptierst. Vielleicht könnt ihr ja Freundschaft schließen und du kannst deine Angst irgendwann sogar umarmen?