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10 Jahre Systemisches Coaching für Eltern

11. November 2017

Symbolbild Systematisches Coaching für Eltern

Beispiel für eine Coachingsituation dargestellt mit Figuren.

Seit 2007 ist das Systemische Coaching für Eltern ein fester Bestandteil der Ambulanten Hilfen des SOS-Kinderdorf Hamburg. Das Coaching beruht auf den Ideen des elterlichen Präsenz und des gewaltlosen Widerstandes, die der israelische Professor für Psychologie Haim Omer unter dem Begriff Neue Autorität in ein schlüssiges Konzept integriert hat.

Das Systemische Coaching soll Eltern einen kraftvollen Weg aus ihrer Hilflosigkeit bzw. Ohnmacht aufzeigen, die viele in Alltagssituationen mit ihren Kindern empfinden. Sebastian Conradt, Mitarbeiter der Ambulanten Hilfen Wandsbek, weiß: „Diese Eltern verspüren oft große Schwierigkeiten im Umgang mit ihren Kindern, die ihnen auf der Nase herumtanzen oder sich entziehen und nicht mehr erreichbar sind. Das Band zu den Eltern wird dann manchmal sehr dünn und droht zu reißen.“ Die Kinder zeigen häufig übergriffiges bis gewalttätiges Verhalten ihren Eltern oder Geschwistern gegenüber, entziehen sich u.a. auch durch hohen Medienkonsum, schwänzen die Schule oder weisen delinquentes Verhalten auf. Die Adressaten für das Coaching sind Familien aus allen gesellschaftlichen Schichten, unabhängig von Bildung und Herkunft.

„Es ist eine Hilfe zur Erziehung im wahrsten Sinne des Wortes!“, betont Frank Untiedt, Mitarbeiter der Ambulanten Hilfen Eimsbüttel. Viele Eltern fühlen sich ihren Kindern gegenüber hilflos und ohnmächtig und leben gesellschaftlich relativ isoliert beziehungsweise verspüren eine große Scham ihre Erziehungsschwierigkeiten mit ihrem sozialen Umfeld zu teilen. Genau hier setzt das Systemische Coaching für Eltern an. „Wir wollen die Handlungsfähigkeit der Eltern stärken, gute Entscheidungen zu treffen und sich Unterstützung durch die eigene Familie, Freunde, Nachbarn etc. organisieren“, stellt Untiedt heraus. Die Eltern lernen im Coaching wie sie Selbstkontrolle statt die Kontrolle des Kindes erreichen können. Der Ansatz liegt beim eigenen Verhalten und soll den Eltern helfen, Selbstkontrolle zu erlangen und Machtkämpfe und Eskalationen zu vermeiden. Dabei ist es wichtig, dass die Eltern nicht allein bleiben und sie die Schwierigkeiten nicht tabuisieren. Der Aufbau eines Unterstützernetzwerkes ist daher ein fester Bestandteil des systemischen Coachings.

Verlässichkeit für das Kind

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„Ich bin da und bleibe da“ – so hat Haim Omer die Aufgabe der Eltern formuliert. Als Eltern bedeutet dies, für sein Kind immer verlässlich zur Seite zu stehen, auch wenn es gerade schwierig wird. Diese körperliche und mentale Präsenz bietet dem Kind die Sicherheit, die es von seinen Eltern benötigt. Im Systemischen Coaching geht es um eine wachsame Sorge, die es ermöglicht, als Eltern im Leben des Kindes präsent zu sein und die Verantwortung als Eltern für das Kind zu übernehmen. „Wir stellen im Coaching das Zusammenleben von Eltern und Kindern in ihren Familien in den Fokus der Aufmerksamkeit und wollen darüber die Lebensbedingungen für die Kinder verbessern“, erklärt Conradt. Die Coaches fordern daher in der Arbeit immer wieder ganz gezielt die Eltern auf, die Sichtweise ihrer Kinder einzunehmen und aus deren Perspektive auf das Familienleben zu schauen. Eltern sollen so die Möglichkeit bekommen, ihre Kinder besser zu verstehen und in Streitsituationen angemessen zu reagieren, sodass Machtkämpfe und Eskalationen vermieden werden können.

Mittlerweile arbeiten neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ambulanten Hilfen Wandsbek und Eimsbüttel im Systemischen Coaching für Eltern. Als grundsätzliche Voraussetzung ist ein Pädagogisches Studium, die Weiterbildung zum Coach für Neue Autorität und Berufserfahrung in der Arbeit mit Familien unerlässlich. Conradt beschreibt dies folgendermaßen: „Bei den betreuten Familien haben wir es mit hohen Dynamiken, häufigen Eskalationen, großen Belastungen und Hilflosigkeit zu tun und wir als Berater müssen einen Umgang damit finden. Dafür braucht es ein gutes Standing mit einer hohen Belastbarkeit auf Seiten der Coaches, sowie Respekt vor den Einzelschicksalen, um die Arbeit gut machen zu können. Aber auch eine gute Portion Humor ist hilfreich.“

Verknüpfung von Coaching und anderen Hilfeformen

In den vergangenen zehn Jahren wurde das Systemische Coaching nicht nur personell aufgestockt, sondern hat sich auch inhaltlich erweitert. Seit 2010 arbeiten die Coaches in Kooperation mit Andrea Wenzlawski im Pferdecoaching und seit 2011 haben die Coaches eine begleitende Elterngruppe im SOS-Kinderdorf Hamburg etabliert. Auch verknüpften die Mitarbeiter das Systemische Coaching für Eltern mehr und mehr mit den weiteren Hilfeformen des SOS-Kinderdorf Hamburg, um so eine, an den Bedarf der jeweiligen Familie angepasste Hilfe leisten zu können. So bieten die Kollegen auch Elterncoaching mit dem Videocoaching Marte Meo oder bieten spezielle Angebote für die Kinder parallel an.

„Wir haben in den letzten zehn Jahren sehr viel Knowhow erworben, ein großes Netzwerk aufgebaut und die Idee des Systemischen Coachings für Eltern durch Fachveranstaltungen verbreitet“, resümiert Untiedt. Für die Zukunft wünschen sich die Kollegen des SOS-Kinderdorf Hamburg weiterhin viele Familien mit dem Systemischen Coachings für Eltern zu erreichen, um die Lebens- und Entwicklungsbedingungen für Kinder zu verbessern.
Das Systemische Coaching für Eltern wird von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des SOS-Kinderdorf Hamburg in den Bezirken Wandsbek, Eimsbüttel, Altona, Hamburg-Nord und Dulsberg angeboten.

Text: C. Arens

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