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Aktuelles

Hilfe auf vier Pfoten

23. April 2020

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Lotta im Interview – nein, doch eher mit Anja Spelsberg von den Ambulanten Hilfen

Seit Ende Januar 2019 gibt es im SOS-Kinderdorf Düsseldorf eine tiergestützte pädagogische Arbeit unter der Leitung von Anja Spelsberg von unseren Ambulanten Hilfen. Und was wäre eine tiergestützte Arbeit ohne z.B. einen Hund. So wird Anja von ihrer Golden Retriever Hündin „Lotta“ begleitet. Ich durfte jetzt mit den beiden ein Interview führen und konnte einiges über die Arbeit mit einem pädagogischen Begleithund erfahren.

Anja, wie bist du auf die Idee gekommen, mit einem Hund zusammenzuarbeiten?

Ich arbeite besonders häufig mit Kindern und Jugendlichen zusammen, die oft schon schlechte Erfahrungen mit Erwachsenen gemacht haben. Nicht selten sind sie auch schon sehr erfahren im Umgang mit Pädagogen und Therapeuten und wissen, was ihr Gegenüber hören möchte ohne dabei wirklich erklären zu können, was sie selbst gerne sagen würden. Ich habe gemerkt, dass der Einsatz eines Tieres in meiner Pädagogischen Arbeit Distanzen überwinden kann. Der Hund, in meinem Fall, nimmt die Kinder und Jugendlichen so an wie sie sind. Es ist egal, wo sie herkommen sind, was sie erlebt haben und wie sie sonst von ihrer Umwelt gesehen werden. Für Lotta zählt der Kontakt, der in diesem Moment entsteht. Die Kinder und Jugendlichen bekommen hier eine ehrliche Beziehung angeboten und es fällt ihnen meistens leicht diese anzunehmen. Man könnte sagen, Lotta ist ganz oft mein Bindeglied zu denen die sich sonst nicht mehr erreichen lassen.

Kann Lotta schon zu den Kindern oder musst du warten, bis sie fertig ausgebildet ist?

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Lotta wird gar nicht ausgebildet, das ist die Besonderheit. Ich selbst habe meine Ausbildung zur Fachkraft für tiergestützte Interventionen am Institut für soziales Lernen mit Tieren absolviert und darf nun mit jeder (geeigneten) Tierart arbeiten. Die Tiere selbst dürfen so sein, wie sie sind. Mit ihren eigenen Ecken und Kanten und ganz höchst persönlichen Charaktereigenschaften. Ich finde das, gerade im Sinne einer authentischen und wertschätzenden Arbeit, sehr wichtig. Jeder darf so sein, wie er ist und dann schauen wir, ob wir daraus zusammen eine gute Beziehung gestalten können. Wenn es Lotta mal zu viel wird, ist es mir wichtig, dass sie sich zurückziehen darf. Sie muss den Freiraum haben, anzeigen zu können, wenn sie sich unwohl fühlt. Gerade diese Anzeige von Lotta eines eingeforderten Raumes und deren Umgang damit, ist auch für Kinder und Jugendlichen wichtig zu sehen.  Hier beginnt oft der Lernprozess und ein Gefühl von gegenseitigem Respekt. Die Teilnehmer bekommen ihr Verhalten direkt und unverfälscht durch den Hund gespiegelt.

Was muss ein Therapiehund können?

Erst einmal zur Begrifflichkeit: Dass Lotta als Therapiehund bezeichnet wird ist, nicht zutreffend. Sie ist, wie gesagt, nicht speziell ausgebildet und das hat auch gute Gründe. Außerdem sind weder sie noch ich Therapeuten. Da sie mich in der pädagogischen Arbeit unterstützt, rede ich von ihr lieber als pädagogischen Begleithund. Wichtig ist bei einem pädagogischen Begleithund (oder Tier im allgemeinen), dass er Spaß am Kontakt mit Menschen hat. Er (oder sie) sollte natürlich grundlegend erzogen sein, über einen vollständigen Impfstatus und eine Haftpflichtversicherung verfügen.

Noch wichtiger ist es allerdings, dass Tier und Mensch zusammenpassen. Wenn sich keine Beziehung aufbauen lässt, weil es die falsche Tierart ist, oder der Charakter nicht passt, dann fällt die Arbeit nicht auf fruchtbaren Boden. Manche Kinder brauchen vielleicht eher die neugierige und Grenzen aufzeigende Ziege, andere vielleicht die scheue Meerschweinchen-Familie, für die man tolle Häuser bauen und die man hervorragend beobachten kann.

Was ist anders, wenn Lotta dabei ist? Lenkt sie die Kinder ab?

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Also im besten Fall unterstützt Lotta meine Arbeit. Die Kinder sind nicht abgelenkt, sondern können sich besser auf unser Zusammensein konzentrieren. Wenn der Hund dabei ist, sind die Kinder mit ihrer Aufmerksamkeit auch bei ihr. Das geht gar nicht anders und Lotta fordert diese Aufmerksamkeit auch ein. Dabei ist es natürlich ein Unterschied, ob wir gerade aktiv etwas mit Lotta unternehmen, oder ob Lotta bei schwierigen Gesprächen auf den Füßen des Kindes liegt und „einfach nur da ist“. Dann wirkt sie natürlich oft beruhigend auf die Kinder.

Man darf aber nicht vergessen, dass Lotta auch noch jung ist. Sie ist eben auch noch ein Hunde-Teenie  und Kinder wollen spielen. Wenn Lotta die Kinder und Jugendlichen zum Spielen herausfordert, wird es auch schnell lebendig.

Hast du ein oder zwei Beispiele? Wie hilft Lotta dir bei der Arbeit bzw. den Kindern?

Lotta ist ganz oft der Vermittler für soziale Lernerfahrungen, indem sie innerhalb von Sekunden auf das Verhalten ihres Gegenübers reagiert. Wenn ich diese Situationen mit den Teilnehmern nachbespreche, können sie diese Situationen in andere Bereiche und menschliche Beziehungen übertragen. Dabei ist die Reaktion von Lotta wertfrei und hängt nur mit dem Verhalten des Kindes oder des Jugendlichen in genau diesem Moment zusammen.

Manchmal reicht es auch, wenn Lotta einfach nur da ist, man sie streicheln kann und dabei sehr schnell eine intensive Nähe zwischen Tier und Mensch aufbaut oder man in schwierigen Situationen einen Freund an seiner Seite hat.

Was könnte euch beide noch besser unterstützen, fehlt noch was an Ausstattung, was könnte noch angeschafft werden?

Ich glaube fürs Erste sind wir schon toll ausgestattet. Lotta hat ihren Rückzugsraum im Büro, für Termine drinnen dürfen wir aktuell unseren Jugendtreff nutzen und wenn wir einmal Auslauf brauchen, habe ich nach Absprache auch mal die Möglichkeit auf die Hundeschule in Hellerhof auszuweichen. Wünschenswert für die Zukunft wäre vielleicht noch ein Ausbau der pädagogischen Arbeit mit Tieren. Sehr gut kann ich mir auch das Arbeiten mit anderen Tieren vorstellen wie z.B. mit Ziegen und Hühnern. Allein schon aus dem Grund, weil nicht jedes Tier zu jedem Menschen passt, wäre hier ein breiteres Angebot wünschenswert und hilfreich.

Ich danke dir und natürlich Lotta für dieses Gespräch und wünsche noch viele tolle Erfolge bei deiner pädagogischen Arbeit mit Tieren.                        

Das Gespräch führte Nicolai Klosse
 

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