Kinder im Bällerbad
Wenn Kleinkinder beißen

Vorsicht, bissiges Kind!

Ben ist 10 Monate alt und hat aktuell sehr schlechte Nächte und unruhige Tage - er zahnt. Er will ständig an die Brust, die hat er allerdings gerade so stark gebissen, dass seine Mutter aufschrie und ihn erst mal weg legte. Ben ist erschrocken, seine Mutter hat ein schlechtes Gewissen. Sie braucht es nicht zu haben, es war eine natürliche Schutzreaktion ihrerseits. Ben kann sich noch nicht so steuern, aber er lernt aus den Reaktionen der anderen, es muss nur unmittelbar sein, sonst versteht er den Zusammenhang nicht. Wiederholt es sich, sollte die Mutter ihn kurz abdocken und ernst „Nein“ sagen, bevor sie es nochmals mit dem Stillen probieren. Ben muss sich an seiner Mutter orientieren und bei Hunger oder Durst das Beißen lassen oder sie bietet ihm als Alternative die Flasche an. Ansonsten sollte er viel Gelegenheit haben, auf Dinge zu beißen, zu lutschen, zu saugen – das mindert den Druck vom Zahnen.

Ein Kuss mit Biss

Mia „küsst“ mit großem offenem Mund, saugt sich fest und beißt auch mal dabei. Das ist ihr „Liebesbeweis“. Durch eine konsequente Reaktion wie das Weghalten des Kindes und eine kurze ernst gesprochene Anweisung „Nein, das will ich nicht, das tut mir weh“ lernt sie, dass dieses Verhalten nicht erwünscht ist. Wie jedes Verhalten wird auch das einige Male probiert, bevor Mia sich danach richtet, was sie darf. Bitte machen Sie Ihr Kind nicht nach, um zu zeigen wie schmerzhaft Beißen ist. Sie zeigen auf diese Weise nur, dass Sie sich das Verhalten erlauben dürfen und dienen als Modell! Wenn Sie eine Alternative anbieten („Das kannst du in den Mund nehmen“) oder zeigen („Küsschen geben wir so...“) sind Sie wirksamer.

„Erwischen beim Lieb-Sein“

Mehr und mehr wird dem Kleinkind der Zusammenhang zwischen seinem Verhalten und den Reaktionen der anderen klar. Beim Abschied winken wir und bekommen das Winken zurück; wenn ich den Schalter betätige, geht das Licht an oder aus. Und wenn ein Kind ein anderes beißt, schreit dieses. Dann ist was los! Es gibt einen mächtigen Auftritt der Erwachsenen. Das kann faszinierend sein, sich auf einmal so mächtig zu fühlen. Das gebissene Kind braucht natürlich sofort Trost und Schutz, und das beißende Kind sollte umgehend eine unaufgeregte Reaktionen erfahren, also ruhig und sachlich weggeschickt werden von dem „Opfer“. So wie wir Babys zeigen, dass sie „Ei“ machen sollen, also mit der fachen Hand streicheln, sollten wir auch weiterhin dem Kleinkind zeigen wie wir angemessenes Verhalten zur Kontaktaufnahme haben („Hallo“, „Darf ich das haben“). Und wofür bekommt das Kind sonst Aufmerksamkeit? Erwischen Sie es, wenn es “lieb“ ist und loben Sie es dafür!

Streit bei Tim und Sina

Sina ist neu in der Eltern-Kind-Gruppe, die Kinder sind zwischen eineinhalb und drei Jahren alt. Es gibt immer wieder Konfikte um Spielzeug, die Kinder hauen manch- mal und ziehen sich an den Haaren. Sina hat eine Puppe mitgebracht, die sie nicht los lässt, und nimmt anderes Spielzeug nur, wenn sonst niemand es haben möchte. Sie beobachtet sehr genau, was alle tun. Beim Schlusskreis kann sie mit Mama zusammen fröhlich „Aramsamsam“ mitsingen. Da hat plötzlich Tim die Puppe geschnappt, Sina kreischt grell und beißt Tim in die Hand, die die Puppe nicht loslassen will. Großes Gebrüll, Tim hat einen richtigen Gebissabdruck auf der Hand, wir kühlen das sofort. Sinas Mutter schämt sich sehr, das mache Sina immer, wenn sie irgendwo neu ist. In den nächsten Treffen muss Sina lernen, „Nein“ zu sagen oder „Stopp, das habe ich jetzt“ und auch „Ich möchte das haben“.... Wir helfen alle, sie ist ja nicht die einzige. Und Tim? Der war frustriert vom Streiten vorher um die Autos, er hätte besser auf dem Schoß von Papa ausgeruht und ein Buch angeschaut, statt nochmals mit allen eine gemeinsame Aktion zu unternehmen. Das hatten wir gar nicht bemerkt. Zwei Kinder hatten Stress, den sie auf ihre Weise loswerden mussten. Beißen ist eine Möglichkeit, andere ärgern offenbar auch.

Wodurch ein Kind in Stress gerät, hat viele mögliche Ursachen, im Tagesablauf, in fehlenden sozialen Erfahrungen, wegen akuter Veränderungen oder auch entwicklungsbedingt. Bei Sina war es die Unsicherheit in der neuen Gruppe, ihre Puppe hat ihr geholfen sich sicherer zu fühlen. Tim war erschöpft und brauchte Trost und eine Pause. Eltern und Erziehende sollten versuchen, nicht mit in den Konfikt der Kinder zu geraten. Sprechen Sie mit allen dar über, auch über Ihre eigenen Gefühle von Scham oder Ärger und suchen nach den möglichen Stressursachen. Die lassen sich bestimmt ändern und damit wird auch das Beißen aufhören.

Tipps und Tricks von unserer Expertin

Ulrike Glingener ist Dipl.-Sozialpädagogin in der Frühberatungsstelle Süd. Seit über 20 Jahren ist sie beim SOS-Kinderdorf Bremen beschäftigt. 

Sie hat Erfahrungen in der Erziehungsberatung und Familienhilfe, im Familienkrisendienst, als PEKIP®-Gruppenleiterin für Eltern-Baby/Kind-Gruppen. Ulrike Glingener ist zudem SPIN® Video-Home-Trainerin, gibt Fortbildungen zu Regulationsstörungen der Frühen Kindheit und ist in der entwicklungspsychologischen Beratung sowie im Kinderschutz tätig.

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