Kleinkind auf Arm der Mutter
Verbote

"Nein!" – oder doch?

„Mein Kind akzeptiert kein NEIN von mir...“ - so berichten mir Mütter und Väter manchmal von ihren alltäglichen Erfahrungen. Manchmal höre ich auch folgende Aussage: „Er oder sie lacht mich an und macht noch einmal, was ich gerade verboten habe, mit Absicht!!“

Den Zusammenhang zwischen Handlung und Reaktion erfahren

Anstatt sich auf den Arm genommen zu fühlen, können Sie sich freuen: Ihr Kind hat etwas entdeckt: Es gibt einen Zusammenhang zwischen meiner Handlung und Mamas (Papas, Omas...) Reaktion!!! Wahrscheinlich ist Ihr Kind gerade so um ein Jahr alt. Wahrscheinlich ist es ähnlich fasziniert von anderen Zusammenhängen, die es gerade entdeckt: es schaltet Licht an und aus, macht die Musikanlage laut und leise, greift dem anderen Baby ins Haar und das weint, winkt und eine andere Person winkt zurück...usw.

Möglicherweise verhält es sich so: Ihr Kind tut etwas Verbotenes, z.B. die Erde aus den Topfpflanzen graben oder auf dem Sofa hüpfen – Sie schimpfen, regen sich sonst wie auf, es gibt Action. Ihr Kind ist einfach fasziniert von seiner Macht und was es bewirken kann!
Vielleicht kann das Kind schon den Kopf schütteln, so wie Sie das tun, den Zeigefinger hin und her bewegen – ganz wie Sie! Im Nachmachen sind die Kinder jetzt schon Meister! So wie Sie kann Ihr Kind zum Abschied Luftküsschen geben oder mitklatschen beim „Backe-Backe-Kuchen“ singen oder auch die Arme heben beim „So groß bist du!“- Zeigen.

Im Nachmachen sind die Kinder jetzt schon Meister – im Verstehen nicht!

Was ein Verbot bedeutet, versteht das Kind noch nicht. Dazu reicht das „NEIN“-Sagen nicht, dazu müssen Sie handeln! Ca. 287 Mal braucht es – bei immer den gleichen Dingen, möglichst sofort und immer auf die gleiche Weise! Mit etwa zwei Jahren wird das besser.... Wissen Sie noch, wie oft Ihr Kind immer alles von seinem Hochstuhl herunterwarf ? Jetzt weiß es wirklich, dass alle Dinge nach unten fallen, denn es hat es oft genug ausprobiert. Und erst als Sie aufgehört haben die Dinge wieder hochzuholen, war klar - jetzt bleibt es unten liegen, was immer da liegen mag. Vielleicht haben Sie anfangs noch nachgegeben, weil das Baby das Spiel noch mal spielen wollte, aber irgendwann hatten Sie genug. Und nicht aus Ihrer Ankündigung: „mehr spiele ich nicht mit“ hat Ihr Kind das begriffen, sondern weil Sie das nicht mehr gemacht haben.

Sinnvolle Tipps

So ist es auch leider mit dem NEIN. Die Kinder hören das Wort, bald können sie es sogar selbst sagen, aber sie wissen noch nicht wirklich, was es bedeutet. Es kann ja vieles gemeint sein: bleib da weg, mach das nicht, lass das liegen, etc.

Wenn Sie wollen, dass Ihr Kind Sie versteht:

  • Nehmen Sie das Kind dort weg oder
  • nehmen Sie den verbotenen Gegenstand von dem Kind fort oder
  • gehen Sie mit dem Kind woanders hin.
  • Machen Sie eine ernste Miene dazu, sprechen Sie und halten Sie Ihre Stimme auch ernst und bestimmt.

Es kann gut sein, dass Sie Protest ernten. Aber wir erziehen doch keine Hunde auf Gehorsam! Sie können sagen: „Ich weiß, das gefällt Dir jetzt nicht so, Du würdest gerne…“ Hauptsache ist, Sie bleiben im Prinzip dabei und lassen sich dadurch nicht umstimmen.

Entscheidungen klar und deutlich vermitteln – und konsequent bleiben

Bei den etwas älteren Kindern, etwa ab 15./18. Monat, geht es manchmal allein um Ihre Aufmerksamkeit, es kann sein, dass Sie sich getestet fühlen! Oft hilft es dann, eine Handlung Ihres Kindes zu ignorieren, wenn es nicht zu gefährlich ist. Das kann schon bewirken, dass weitere Versuche ausbleiben.

Sie müssen entscheiden und bitte mit Klarheit: Verbotenes bleibt verboten. Darum ist es gut, nicht zu viele Verbote aufzustellen, sonst halten Sie nicht durch und Ihr Kind glaubt Ihnen nicht, dass Sie es ernst meinen. Schöner für das Zusammenleben ist es, wenn die Wohnung kindersicher ist und es Alternativen gibt, die erlaubt sind (z.B. Klettern auf den alten Polstern im Kinderzimmer, eine Ausräumschublade in der Küche, selber Essen von Fingerfood, nicht von Joghurt...).

Bitte bleiben Sie mit Ihrem Kind im Dialog!

Tipps und Tricks von unserer Expertin

Ulrike Glingener ist Dipl.-Sozialpädagogin in der Frühberatungsstelle Süd. Seit über 20 Jahren ist sie beim SOS-Kinderdorf Bremen beschäftigt. 

Sie hat Erfahrungen in der Erziehungsberatung und Familienhilfe, im Familienkrisendienst, als PEKIP®-Gruppenleiterin für Eltern-Baby/Kind-Gruppen. Ulrike Glingener ist zudem SPIN® Video-Home-Trainerin, gibt Fortbildungen zu Regulationsstörungen der Frühen Kindheit und ist in der entwicklungspsychologischen Beratung sowie im Kinderschutz tätig.

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