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Aktuelles

Man muss jetzt kreativ werden

24. März 2020

Petra Hock
Petra Hock arbeitet beim SOS-Kinderdorf Bremen in der Frühberatungsstelle Süd und ist selber Mutter einer Tochter (8) und eines Sohnes (5). Im Interview gibt sie hilfreiche Tipps, wie Familien es auch in angespannten Corona-Zeiten schaffen können harmonisch zusammen zu leben.

Frau Hock, Kitas und Schulen sind geschlossen, die meisten Eltern im Home Office, und Freizeitaktivitäten fallen weg. Wie schaffen es Familien jetzt, sich auch auf engem Raum nicht in die Wolle zu bekommen?

Indem man auch in der jetzigen Situation ein wenig Alltag herstellt. Versuchen Sie den Tag zu strukturieren. Das heißt, morgens wie gewohnt aufstehen und mit den Kindern zum Beispiel die Schularbeiten machen. Auch gemeinsame Mahlzeiten sollten weiterhin zu den üblichen Zeiten stattfinden. Und ganz wichtig: Regelmäßig vor die Tür gehen und frische Luft schnappen.

Klappt das bei Ihnen?

Bis jetzt ja. Seit Kurzem wird es jetzt aber auch bei uns manchmal ein bisschen schwierig, weil langsam bei allen ankommt, dass man sich nicht so frei, wie gewohnt, bewegen kann. Zum Glück haben wir einen Garten, da können die Kinder wenigstens raus.

Für Kinder ist es vor allem schwierig, dass sie ihre Freunde auf absehbare Zeit nicht sehen dürfen.

Ja und das verstehe ich auch. Aber derzeit geht es leider nicht anders. Meine Tochter wurde letzte Woche acht. Da war es für sie natürlich besonders traurig, dass wir keine Gäste  einladen konnten. Aber wir haben es trotzdem in der Familie gefeiert, etwas besonderes gekocht und uns schick angezogen. Auch haben wir jetzt mit den Kindern Briefe an die Freunde und die Nachbarskinder geschrieben. Oma und Opa bekommen auch einen Brief und Telefon, Skype und Whatsapp gibt es ja zum Glück auch noch. Man muss jetzt kreativ werden.

Das gilt vermutlich auch für Rückzugsmöglichkeiten. Wie schafft man es in der jetzigen Situation noch, dass jeder in der Familie die noch hat?

Bei uns hat jedes Kind sein eigenes Zimmer und wenn sich einer von beiden dorthin zurückzieht, muss das der andere respektieren. Genau so müssen die Kinder auch respektieren, dass ich manchmal Zeit für mich brauche – und wenn es nur zehn  Minuten alleine im Bad sind, um zu duschen (lacht). Da muss man auch mal strikt sein. Ich stelle gerne einen Wecker, damit die Kinder die Zeit besser einschätzen können. Wird von zu Hause gearbeitet, würde ich Paaren raten, Arbeitszeiten zu behandeln, als wäre der Partner wirklich im Büro. Auch den Kindern sollte man erklären, dass sie die Eltern nicht ständig am Arbeitsplatz stören können.  Grundsätzlich ist es jetzt wichtig, aufeinander Rücksicht zu nehmen und jeder muss sagen dürfen, wenn er gerade lieber alleine wäre.  

Sollte es doch mal zu Streit kommen: Wie deeskaliert man am besten?

Oft hilft es schon, Streits mal einfach kurz zu pausieren, raus an die frische Luft zu gehen und sich zu bewegen. Vieles löst sich so von ganz alleine.

Viele Kinder bekommen über die Nachrichten die aktuelle Lage schon gut mit. Wie kann man verhindern, dass sie Ängste entwickeln?

Ich würde ihnen so ehrlich und kindgerecht wie möglich die Lage erklären. Ich selber versuche aber auch, nicht ständig am Handy zu hängen und die neuesten Nachrichten mit meinem Mann vor den Kindern auszutauschen. Fragen, die sie von selber stellen, möchte ich aber so gut es geht, beantworten.