Aktuelles

Leitungswechsel im SOS-Kinderdorf Bremen

Bremen, 1. Oktober 2019


Einrichtungsleitund Dr. Lars Becker

Dr. Lars Becker wird neuer Einrichtungsleiter im SOS-Kinderdorf Bremen

Seit dem 1. Oktober leitet Dr. Lars Becker das SOS-Kinderdorf Bremen. Der gebürtige Niedersachse war bereits vier Jahre im Bremer Kinderdorf als Bereichsleiter für stationäre Wohnangebote für Jugendliche und junge Erwachsene zuständig und übernahm im Januar 2018 die Stellvertretung der Einrichtungsleitung. Zuvor war er in verschiedenen Funktionen beim größten diakonischen Träger im Rheinland, der Diakonie Michaelshoven in Köln, tätig.

Der Gründer von SOS-Kinderdorf, Hermann Gmeiner, hat gesagt: Alles Große in der Welt geschieht nur, weil jemand mehr tut, als er muss. Was bedeutet dieses Zitat für Sie und Ihre neue Aufgabe?

Dieses Zitat unseres Gründers bedeutet mir sehr viel, denn es beschreibt, worauf es in unserer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ankommt: Wenn ich meine Aufgabe nicht nur als einen Job verstehe, sondern mich mit meiner ganzen Persönlichkeit einbringe, dann werde ich Großes erreichen.
Die jungen Menschen, die zu uns kommen, haben häufig zu wenig Unterstützung und Bestärkung erfahren, obwohl sie tolle Persönlichkeiten sind. Wir stellen Ihnen Menschen an die Seite, die Hermann Gmeiners Worte beherzigen und mehr tun, als sie müssen. Und häufig nutzen diese Kinder dann ihre Potentiale aus und übertreffen nicht selten alle Erwartungen, die an sie gestellt werden.

Die 18 Angebote des SOS-Kinderdorfes verteilen sich auf 13 Standorte in Bremen und Verden. Wo liegt aus Ihrer Sicht der Vorteil dieser dezentralen Einrichtung?

Wir bieten aktuell 64 Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein zweites Zuhause. Diese Aufgabe steht im Mittelpunkt unserer Arbeit und deshalb werden wir diese Zahl sukzessive ausbauen, um mehr jungen Menschen einen sicheren Ort zum Aufwachsen zu bieten.

Als städtisches Kinderdorf sind unsere Wohnangebote über die Stadt verteilt, bestens integriert in die jeweilige Nachbarschaft. Auf diese Weise lernen die jungen Menschen von Beginn an das Zusammenleben mit den Nachbarn kennen und bleiben nicht nur unter sich. Das spricht für die dezentrale Struktur.

Darüber hinaus leisten wir mit unserem Engagement in der Kindertagesbetreuung, der Frühberatung und der offenen pädagogischen Angebote einen wichtigen Beitrag für kind- und familiengerechte Lebensbedingungen in Wohnquartieren des Bremer Südens. Dabei richtet sich unsere Arbeit insbesondere an benachteiligte Kinder und deren Familien. Um das erfolgreich tun zu können, müssen wir vor Ort sein, dort wo die Familien leben.

Die 136 hauptamtlichen Mitarbeitenden werden von über 100 Ehrenamtlichen unterstützt. Warum ist Ehrenamt aus Ihrer Sicht wichtig?

Ein weiteres Zitat von Hermann Gmeiner lautet: „Gutes tun ist leicht, wenn viele helfen.“ Bei uns arbeiten haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht selten Hand in Hand. Wer das SOS-Kinderdorf-Zentrum in der Neustadt besucht, der kann das beobachten, etwa in unserem Café und im Second-Hand-Laden „Klamöttchen“. Aber auch in unseren anderen Angeboten sind Ehrenamtliche im Einsatz, zum Beispiel in unserem Mentorenprogramm für junge Geflüchtete. Erst das ehrenamtliche Engagement der Bremer Bürgerinnen und Bürger ermöglicht uns eine hohe Angebotsvielfalt. Diese könnten wir sonst nicht vorhalten. Zusätzlich bereichern sie uns durch ihre Talente, Lebens- und Berufserfahrungen die sie bei uns einbringen.

Wird es 2020 neue Hilfsangebote des SOS-Kinderdorfes Bremen geben?

Ja. Ich sage immer: Unser Kinderdorf ist eine Stadt. Das bedeutet, dass wir Verantwortung für Kinder, Jugendliche und Familien in Bremen übernehmen und da gibt es noch viel zu tun. So werden immer noch Geschwister, die vom Jugendamt in Obhut genommen werden, häufig an verschiedenen Orten oder in verschiedenen Gruppen untergebracht. Wir glauben fest daran, dass Geschwister gerade in Belastungssituationen eine wertvolle Ressource sind und eröffnen deshalb das SOS-Geschwisterhaus Bremen, um diese Kinder gemeinsam unterzubringen und als Geschwister zu betreuen.

Auch wird bereits seit längerer Zeit in der Bremer Jugendhilfelandschaft über Maßnahmen diskutiert, mit denen Careleaver wirksam unterstützt werden können. Diese jungen Menschen, die einmal in einer Wohngruppe gelebt haben und nun ohne Betreuung sind, können aber nicht auf Gremienentscheidungen warten. Deshalb eröffnen wir noch in diesem Jahr, mitten in der Bremer Innenstadt, eine Anlaufstelle für Careleaver, in der wir den jungen Menschen helfend und beratend zur Seite stehen. Dieses Angebot richtet sich ausdrücklich nicht nur an diejenigen, die einmal in einer SOS-Wohngruppe gelebt haben, sondern an alle Careleaver.

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir mit einer unbürokratischen aber fachlich hochwertigen Hilfe den jungen Menschen die Unterstützung bieten werden, die krisenhafte Entwicklungen unterbricht oder von vornherein verhindert.

Welcher Moment hat Sie in den letzten 12 Monaten besonders berührt?

Wir haben in unserer Interkulturellen Wohngemeinschaft in der Bremer Neustadt, in der junge Frauen und Männer, die ohne ihre Eltern nach Deutschland geflüchtet sind, zusammen leben nach ihren Plänen für ihre Zukunft befragt. Die Antwort der jungen Frauen hat mich besonders beeindruckt: Sie wünschen sich alle eine Familie mit vielen Kindern, bestanden aber darauf, dass sie auch berufstätig sein werden und zwar in einem Beruf, den sie sich selber auswählen. Als ich das hörte wusste ich, dass wir in unserer Arbeit vieles richtig machen.

Für Ihre neue berufliche Aufgabe sind Sie von Hamburg nach Bremen gezogen. Was gefällt Ihnen an Ihrer neuen Heimat am besten?

Ich habe bisher nur in Städten gelebt, die von ihrem Fluss geprägt werden: in Köln, Hamburg und nun in Bremen. Das gefällt mir sehr gut. Ich halte mich gerne an der Weser auf und genieße das bunte Treiben dort. Richtig gut gefällt mir als Fußballfan, dass hier bei uns sogar das Fußballstadion direkt am Flussufer steht, denn das sorgt für eine ganz besondere Atmosphäre auf dem Weg zum Spiel.

Was liegt Ihnen in Ihren ersten Monaten besonders am Herzen?

Ich werde sowohl mit den jungen Menschen, die im SOS-Kinderdorf Bremen leben als auch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ins Gespräch gehen, um von ihnen zu erfahren, wie sie ihre Einrichtung wahrnehmen und welche Vorstellungen sie für die Zukunft haben. Denn nur im Dialog, davon bin ich überzeugt, entstehen gute Ideen.

Wie kann man das SOS-Kinderdorf Bremen unterstützen?

Es gibt vielfältige Möglichkeiten uns zu unterstützen: mit der eigenen Zeit als ehrenamtlicher Mitarbeiter, mit gezielten Sachspenden und natürlich mit Geldspenden, denn gerade die offene, präventive Arbeit in unserem SOS-Kinderdorf-Zentrum wird nicht öffentlich gefördert.

Dr. Lars Becker wurde 1979 in Hildesheim geboren. Nach seiner Ausbildung zum Sozialassistenten studiere er an der Leibniz Universität Hannover Sonderpädagogik auf Diplom. In seiner Doktorarbeit untersuchte er die Förderung hochbegabter Heimkinder.

Ihre Ansprechpartnerin

[---Image_alt---] Sylvia Schikker

Sylvia Schikker
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