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Aktuelles

Gemeinsam in die Eigenständigkeit

28. November 2022

Neuer Standort von SOS-Kinderdorf im Bremer Westen

Yunis* sitzt auf der Lehne der neuen Couch und schaut sich in seinem künftigen Wohnzimmer um. „Ich freue mich auf die Ruhe – und dass ich das Badezimmer nicht mehr mit sechs anderen Jugendlichen teilen muss“, sagt der 18-Jährige und lächelt zufrieden. Er und Leon*, ebenfalls 18 Jahre alt, wollen es jetzt wagen: Die beiden jungen Männer sind die ersten Bewohner der neuen Wohngemeinschaft im Stadtteil Walle.

Dass Yunis und Leon nun ihre Wohngemeinschaft gründen können, ist ein großes Glück und die direkte Folge einer großzügigen Geste: Die Drei-Zimmer-Wohnung an der Brabantstraße ist dem SOS-Kinderdorf Bremen von einer älteren Dame vererbt worden, die dort bis zu ihrem Tod gelebt hat. „Wir prüfen immer zuerst, ob wir die Nachlassimmobilie nutzen können, damit dort junge Menschen leben, denn das ist im Sinne der Nachlassgeber“, sagt Dr. Lars Becker, Leiter des SOS-Kinderdorfs Bremen.

Nach einer Umbauphase stellt das SOS-Kinderdorf Bremen jungen Menschen ab 16 Jahren, die in einer Zweier-WG den letzten Schritt auf dem Weg zur Verselbständigung gehen möchten, dort nun einen sicheren Ort für den Übergang zur Verfügung. Zuvor haben sie im eigenen Elternhaus, einer Pflegefamilie oder in einer Wohngruppe gelebt. „Sie brauchen keine Rund-um-die-Uhr-Betreuung mehr, aber für die erste komplett eigene Wohnung ist es noch etwas zu früh“, erklärt Bereichsleiterin Silke Stegert.

Den jungen Menschen zur Seite stehen deshalb die pädagogischen Fachkräfte der SOS-Ambulanten Hilfen. Für die Brabantstraße sind es Falko Schulz und Marcel Kahraman-Ehlen. Fünf Tage pro Woche sind sie anfangs vor Ort und leisten vor allem Hilfe zur Selbsthilfe. Die jungen Erwachsenen sollen jetzt eigenständig Lösungen für die großen und kleinen Herausforderungen des Alltags entwickeln. Beide sind ehrgeizig: Während sich Yunis derzeit mit einem Vorkurs auf das Gymnasium vorbereitet, absolviert Leon bereits eine Ausbildung zum Bäcker.

„Wir helfen bei bürokratischen Dingen, ihren Zukunftsperspektiven, aber auch bei vermeintlich ganz banalen Dingen, die den WG-Alltag betreffen“, sagt Falko Schulz. Meist leben die jungen Menschen ein bis zwei Jahre im Betreuten Jugendwohnen, um dann mit Begleitung und Unterstützung der Fachkräfte eine eigene Wohnung suchen. Doch bis dahin heißt es vor allem „learning by doing“, weiß Schulz: „Fehler zu machen gehört auf jeden Fall dazu.“