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Thema: Groß werden zwischen Bindung und Loslösung

Groß werden zwischen Bindung und Loslösung

Bereits im Mutterleib steht das Kind in Beziehungen. Der Fötus erlebt das Glück und die Belastung der werdenden Mutter und kennt die Stimmen der Familie. Mit der Geburt erfolgt die erste Trennung. Baby und Mutter müssen sich aufeinander einstellen, vor allem körperlich über Berührung, denn so wird die Ausschüttung des Bindungshormons Oxytocin angeregt. Eine neue Beziehung entwickelt sich über das Stillen aber auch psychisch über den Wechsel von Zuwendung und In-Ruhe-Lassen, über den Blick und die Sprache.

Babys zeigen ihre Bedürfnisse direkt

Babys zeigen früh individuelle Eigenheiten. So sind einige leichter erregbar als andere und zeigen deutlicher ihren Widerstand, zum Beispiel wenn es müde oder überreizt ist. Die unmittelbaren Bedürfnisse nach Schlaf, Essen, Zuwendung können nicht warten und Eltern müssen ihren Tagesablauf danach ausrichten. Wenn ein Baby die Erfahrung macht, dass eine Person verlässlich für sie oder ihn da ist, entsteht eine Bindung. Mit der Zeit lernt es, die eigenen Gefühle zu verstehen und sein Verhalten zu steuern. Sie als Eltern können ihrem Kind helfen, wenn Sie in Worte fassen, was Sie beim Kind wahrnehmen.

Kinder sind in der Lage, sich anzupassen und Eltern brauchen nicht perfekt sein. Sie sollten jedoch auf die Gefühle des Kindes eingehen können und dabei die kindlichen Fähigkeiten berücksichtigen, sich selbst zu fangen. Dann kann dieses Kind ein gutes Vertrauen in sich und die Welt entwickeln. Regeln und Rituale im Tagesablauf geben dabei Sicherheit und Orientierung.

Wie sich der erste Ablösungsprozess zeigt

Nach und nach entdeckt das Kind, dass die Eltern ein eigenes Leben haben. Das kann beim Kind Angst auslösen; es weint, klammert und will nicht ohne die vertraute Person sein. Bitte schleichen Sie sich nicht einfach aus der Situation weg! Sie zeigen sich verlässlich, wenn Sie „bis gleich“ sagen und wiederkommen. Nach der Fremdelphase wird das Kind unabhängiger von Ihnen, lässt sich dann auch von anderen trösten, geht immer weiter weg vom sicheren Mama-Bein und wird auch mal abwarten können.

Mit etwa 18 Monaten bis ins 3. und 4. Lebensjahr beginnt die Trotzphase. Das Kind lernt „Nein“ und „Ich“ sagen und will alles selber machen. Meistens bekommen Sie es als Eltern mit guten Worten, rechtzeitiger Ankündigung und Ablenkung hin, dass das Kind Ihnen folgt. Und auf einmal: das Kind schreit, tritt, haut um sich und wirft mit Sachen, lässt sich nicht beruhigen, wird zornesrot, hält gar die Luft an, wirft sich auf den Boden. Das Gefühl von Unverstanden-Sein und Nicht-Wissen-wie-es-sich-ausdrücken-soll erlebt das Kind körperlich, als Wut auf alle und sich selbst.Es weiß nicht wohin mit sich und hat keine passenden Worte, seine Wut auszudrücken.

Ihr Kind schwankt in dieser Phase zwischen Extremen und will vieles auf einmal: Wurst und Marmelade, Sommerrock und Schneehose, Weiterspielen und Ausruhen. Unabhängig ist das Kind noch nicht und dies wird es nur schrittweise durch Ausprobieren. Kinder leben im Hier und Jetzt. Dass es später regnen könnte und Sandalen nicht passend sind, ist halt die erwachsene Denkweise.

Dennoch ein paar Tipps für Sie als Eltern:

  • Lassen Sie Ihr Kind mitbestimmen, Sie geben den Rahmen vor. Lassen Sie z.B. eine Wahl zwischen zwei T-Shirts, zwei Ideen für ein Mittagessen etc.  - nicht mehr.
  • Planen Sie mit Ihrem Kind den Tag: „Soll ich erst vorlesen und dann spielst du mit den Autos oder umgekehrt? Welches Buch nehmen wir mit für die Busfahrt?“
  • Lassen Sie Ihr Kind mitarbeiten: „Wir brauchen noch Milch, holst du sie aus dem Regal? Wir müssen erst Schuhe anziehen, du meine -ich deine?“

Seien Sie ein Vorbild mit kleinen Fehlern

Seien Sie Ihrem Kind ein Vorbild: Waschen Sie Ihre Hände nach dem Ins-Haus-Kommen und stellen Sie Ihre Schuhe an den „richtigen“ Platz. Machen Sie ruhig mal einen Fehler, über den Sie zusammen lachen. Geben Sie deutliche Signale, wenn Sie etwas erwarten. Eine Aufforderung ist keine Bitte: „Du kannst noch drei Mal („3-2-1-los“) rutschen, dann gehen wir vom Spielplatz.“ Helfen Sie Ihrem Kind durch „Tschüss“ sagen oder gemeinsames Aufräumen, dass es sich von einer Situation trennen kann.

Sie kennen ihr Kind am besten. Planen Sie für kritische Situationen wie beim Warten oder beim Einkaufen mehr Zeit ein. Versuchen Sie ruhig zu bleiben und vermeiden Sie Machtkämpfe. Ihr Kind hat ein Problem, nicht Sie. Ignorieren Sie Ihr Kind nicht, aber lassen Sie ihm ein wenig Zeit. Geben Sie ihm eine zweite Chance. Überlegen Sie sich vorher in Ruhe vorher, wie Sie diesen Situationen reagieren wollen. Wenn Sie etwas nicht erlauben, bleiben Sie konsequent. Aber verbieten Sie auch nicht zu viel und suchen Sie nach Alternativen.

Um innerlich ruhig zu bleiben, hilft Ihnen vielleicht ein stilles Mantra: „Ich bin die/der Erwachsene, meine Trotzphase ist schon vorbei.“
Es ist nicht immer einfach und holen Sie sich Unterstützung bei den Erziehungs- und Frühberatungsstellen und anderen Eltern.

Tipps und Tricks von unserer Expertin

Ulrike Glingener,

Ulrike Glingener ist Dipl.-Sozialpädagogin in der Frühberatungsstelle Süd des SOS-Kinderdorf Bremen und ist dort seit über 20 Jahren beschäftigt.

Sie hat Erfahrungen in der Erziehungsberatung und Familienhilfe, im Familienkrisendienst, als PEKIP®-Gruppenleiterin für Eltern-Baby/Kind-Gruppen. Ulrike Glingener ist zudem SPIN® Video-Home-Trainerin und in der entwicklungspsychologischen Beratung tätig.

So erreichen Sie uns

Frühberatungsstelle Süd
Niedersachsendamm 20a
28201 Bremen

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Ulrike Glingener, Astrid Schwarz, Hildegard Wältermann, Fethiye Töngel, Petra Hock, Ruby Ebel

Telefon: 0421-5971270

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