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Geschwister sein

Verbindung fördern

Die Beziehung von Geschwistern dauert in der Regel am längsten von allen in einer Familie, Geschwister kann ich mir nicht aussuchen und sie bleiben auch bei Trennungen meine Geschwister. In allen Kulturen sind sowohl positive als auch negative bzw. zwiespältige Gefühle typisch für diese Beziehung; Geschwister halten zusammen und  stehen für einander ein, aber sie kämpfen auch um elterliche Anerkennung oder Vorrangstellung. Schon Märchen und Mythen wie Hänsel und Gretel, Schneeweißchen und Rosenrot, Goldmarie und Pechmarie, Kain und Abel beschäftigen sich mit diesen Themen.

Jedes Kind braucht Anerkennung

Damit Nähe zwischen den Kindern entstehen kann, spielt das elterliche Verhalten eine große Rolle. Eltern sollten versuchen, jedes Kind individuell zu sehen. So wie schon jede Schwangerschaft unterschiedlich verläuft und ein Elternteil sich mit jeder neuen Aufgabe auch verändert, braucht jedes Kind Anerkennung für die eigenen Charakterzüge und die Position in der Familie. Das erstgeborene Kind hat eine Zeitlang einen „Thron“ als einziges Kind, von dem es vom Zweitgeborenen „gestürzt“ wird. Ich meine, es ist ganz gut so, dass sich diese Position des ersten Kindes normalisiert und der Blick auf das 2. Kind  gar nicht erst so voller (hoher) Erwartungen ist. So werden beide eher gesehen wie sie sind - mit allen Stärken, Eigenheiten und Schwächen.
Wenn ein neues Baby kommt, kann schon vor der Geburt das ältere Kind einbezogen werden. Je nach Alter  und am besten ganz konkret, z.B. bei Überlegungen wie die Wohnungseinrichtung verändert wird. Ist das Baby da, kann das ältere Kind bei der Versorgung des Babys „helfen“. Auch wenn es anstrengend sein mag- es ist gut, wenn Neid, Eifersucht und Aggressionen ausgesprochen oder im Spiel (mit der Puppe oder im Rollentausch mit Mama/Papa) auch ausgedrückt werden dürfen, denn das entlädt sich dann weniger im unbeobachteten Augenblick am Baby selbst. Manche Kinder wollen wieder zum Baby werden und den Schnuller, die Flasche, die Windel zurück haben oder getragen werden. Eltern sollten gelassen bleiben, die Kinder erinnern sich vielleicht einfach an diese eigene frühere Phase, ahmen das Baby nach und verstehen damit besser, was in dem neuen Wesen vor sich geht. So lange ist die wilde Zeit, in der ein Bedürfnis übermächtig war und sofort erfüllt sein sollte, ja noch nicht her…. Ihre tatsächlichen Fähigkeiten und vor allem ihre Selbständigkeit werden die älteren Kinder schon bald wieder entdecken und nicht hergeben wollen! Ich empfehle, gelegentlich ausschließlich Zeit mit dem großen Kind zu verbringen und besonders anzukündigen, dass das kleine nun mal kurz warten muss, weil der/die Erstgeborene dran ist. Hilfreich sind feste Zeiten oder Aktivitäten, dann können sich alle darauf einstellen und das ältere Kind muss nicht immer Aufmerksamkeit fordern, wenn gerade das Baby gestillt wird o.ä.

Die  sichere Bindung zwischen Eltern und Kind begünstigt auch die Anhänglichkeit der Geschwister unter einander. Vom jüngeren zum älteren Kind ist sie normalerweise größer, denn die große Schwester/der große Bruder war schon immer da und wird angehimmelt vom kleinen Geschwister. Das Krabbelalter sorgt typischerweise für neue Konflikte, weil das Baby mobiler wird und wertvolle Spielsachen oder Werke der älteren „gefährdet“. Da können Eltern sich mal für den Schutzraum  der Großen „einsetzen“ und z.B.  das Lego-Haus im Laufstall sichern.

Kinder nicht miteinander vergleichen

In unserer westlichen individualisierten Leistungsgesellschaft wird das einzelne Kind mehr verglichen und damit eher die Konkurrenz zwischen Geschwistern betont. Gerade bei geringem Altersabstand und wenn beide Kinder das gleiche Geschlecht haben, sind die Kinder einander gefühlsmäßig näher und identifizieren sich miteinander. Die Abgrenzung vom Geschwister muss dann  manchmal drastischer ausfallen und ist möglicherweise mit Kampf und Streit verbunden. Zum Eingreifen rate ich  Eltern nur bei Verletzungsgefahr und Beschädigungen. Sie können ja doch nicht ständig dabei sein und „schiedsrichten“, aber sie können mit Worten vermitteln, was jedes Kind wohl empfinden mag (übrigens eine gute Übung für Eltern sich in jedes Kind einzufühlen). Wenn Eltern das Vergleichen lassen oder kein Kind dem anderen als Vorbild hinstellen, helfen sie den Kindern, sich individuell angenommen zu fühlen. Mit der Zeit werden solche Kinder gut gelernt haben, sich zu behaupten, zu vertragen und Kompromisse einzugehen. Wenn über längere Zeit sehr schnell Streit entsteht, brauchen die Geschwister wahrscheinlich mehr Möglichkeiten sich getrennt und ggfls. mit Gleichaltrigen zu beschäftigen.

Gelegentlich hilfreich für eine Familie mit mehreren Kindern: das älteste Kind darf  nur toben und Spaß haben, das mittlere darf  bestimmen, was die ganze Familie macht und  das jüngste Kind soll mehr Durchhaltevermögen und Leistung aufbringen. Das mischt evtl. festgefahrene Positionen auf.

Tipps und Tricks von unserer Expertin

Ulrike Glingener,

Ulrike Glingener ist Dipl.-Sozialpädagogin in der Frühberatungsstelle Süd des SOS-Kinderdorf Bremen und ist dort seit über 20 Jahren beschäftigt.

Sie hat Erfahrungen in der Erziehungsberatung und Familienhilfe, im Familienkrisendienst, als PEKIP®-Gruppenleiterin für Eltern-Baby/Kind-Gruppen. Ulrike Glingener ist zudem SPIN® Video-Home-Trainerin und in der entwicklungspsychologischen Beratung tätig.

So erreichen Sie uns

Frühberatungsstelle Süd
Niedersachsendamm 20a
28201 Bremen

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Ulrike Glingener, Astrid Schwarz, Hildegard Wältermann, Fethiye Töngel, Petra Hock, Ruby Ebel

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